Bücherlei Miszellen (56) [<<]
Ein Lese- und Lebens-Notizbuch

Freitag, 3. April 2020

[10:10] Bis zum letzten Tag im unklaren gewesen. Die Station, auf der ich seit unserem Umzug an den Standort Grünau 2004 gearbeitet hatte, gibt es nicht mehr. Seit dem 1. April besteht eine neue Station in Eutritzsch, dem Hauptstandort des Klinikums St. Georg. Sie umfaßt 38 Betten (Gastroenterologie und Diabetologie), verteilt auf einem die Länge des Pavillons umfassenden, winkeligen Gang. Pavillon heißt Altbau, hohe Fenster, hohe Decken, Kompaktheit, ganz anders als der lichtdurchflutete Neubau am alten Ort. Die sanitären Anlagen im Patientzimmer entsprechen nicht dem bisher geschätzten Standard; vor allem fehlt die Dusche; ein schnöder Vorhang trennt das Waschbecken vom Rest des Zimmers. An die Gepflogenheiten und Gegebenheiten müssen wir uns gewöhnen, die Strukturen und Abläufe erlernen bzw. teilweise selbst etablieren; denn wir sind als beinah komplettes Team gewechselt und fremdeln dementsprechend. Gestern war mein erster Dienst, in dem ich mehr herumgeirrt bin, als strukturiert und effizient tätig gewesen zu sein. Ich merke mein Alter deutlich! Die jungen Kollegen scheinen den Wechsel und die mit ihm korrelierenden Herausforderungen besser zu verkraften und Härten leichter wegzustecken. Mein Arbeitweg führt nun nicht mehr nach Westen, sondern nach Norden - zeitlich ändert sich wenig, die Entfernungen und der Umstieg in eine andere Straßenbahn am Hauptbahnhof bleiben. Ich sollte mit etwas mehr als 1 Stunde pro Strecke rechnen, d.h. wenn ich um 13.30 Uhr den Spätdienst beginne, muß ich 12.15 Uhr aus dem Haus. Verlasse ich die Klinik um 22 Uhr, bin ich nach 23 Uhr zuhause. Meine gesundheitliche Lage ist momentan glücklicherweise dergestalt, daß ich den Belastungen gewachsen bin. Mich belästigen weniger der hier oft aufgeführten psychosomatischen Symptome.

[8:00] 2. Schicht. Vor Spätdienst 2/2. Tage ohne Alkohol: 1571.

Donnerstag, 2. April 2020

[9:04] Als großer Hinterherhinker gucke ich gerade die Kulturzeit vom 20. Dezember 2019, in der ein Beitrag über das Warten gesendet wird, wobei man selbstverständlich nicht ums Warten in der DDR herumkommt: auf ein Auto und die vielbeschworenen Schlangen vor Geschäften. In Coronazeiten, gerade auch vor den Supermärkten, warten wir wieder. Gestern vor Kaufland zirka 15 Minuten in der Kälte gestanden, bis ich eingelassen wurde. Ebenso wartet man beim Ein- und Aussteigen aus Bussen und Bahnen im ÖPNV, damit man dem anderen nur nicht zu nahe auf die Pelle rückt.

[8:55] Noch nie vom Freistaat Flaschenhals gehört, auf den ich durch den gleichnamigen Comic stieß. Mir ist durch Stefan Heym (1999 gelesen) nur Schwarzenberg geläufig.

[7:22] 1. Schicht. Vor Spätdienst 1/2. Tage ohne Alkohol: 1570.

Mittwoch, 1. April 2020

[14:11] Aufgrund der fünfmonatigen Arbeitsunfähigkeit und deren umständlichen bürokratischen Verwaltung (Lohnfortzahlung, Krankengeld, Rentenversicherung, Reha usw.) fehlen Einkünfte, was Monatsabrechnung & Haushaltsbuch klar aufzeigen. Der November und Dezember waren durch die Lohnfortzahlung gedeckt. Für den Zeitraum Januar + Februar fehlt mir etwas mehr als ein Tausender. Das Krankengeld für die (AU-)Zeit nach der Reha bis zum 25. März werde ich erst bekommen, wenn mir die RV einen Abschlußbescheid schickt, den die Krankenkasse bereits telefonisch bei mir anfragte, damit diese ihre Endabrechnung machen kann. Am Hungertuch nage ich beileibe nicht; trotzdem ist ein finanzielles Hinterherhinken insgesamt unschön.

[12:22] "... weil du ein Hosenscheißer bist, ein Feigling!" "Ich bevorzuge risikoneutral." (Hawaii Five-O S09E09)

[11:19] Damit mußte ich rechnen. Anruf vom Chef, ob ich nicht Karsamstag und Ostersonntag, an denen ich frei gehabt hätte, Frühdienst machen kann. Als Dauernachtdienstler hatte ich acht Jahre lang das Privileg eines fast unverrückbaren festen Dienstschemas mit drei freien Tage (montags, dienstags und mittwochs) und vier Diensten von donnerstags bis sonnstags. Als Dreischichtler und außerdem mit 32 statt 40 Wochenstunden verkürzt Arbeitender muß ich damit rechnen, immer wieder gebeten zu werden einzuspringen, wenn Dienste durch Krankheit u.a. besetzt werden müssen. So wächst das Überstundenkonto, so schwinden allerdings auch die freien Tage und - noch viel schlimmer - die zusammenhängenden freien Tage. Ich hasse einzelne freie Tage zwischen Arbeitszyklen! Durch die aktuelle Bitte einzuspringen bleibt am Karfreitag, dem 10. April, ein popeliger freier Tag nach zuvor vier und danach zwei Diensten. Mir kocht die Galle und das Hirn zermartet sich gleich wieder, ob ich mit dem Dilemma der psychosomatischen Zusatzlast dem überhaupt gewachsen sein werde.

[11:07] Eben gelernt, daß "minim" ein Helvetismus ist. Ich wollte das schon für einen Aprilscherz halten. Außerdem auch ein Raummaß.

[11:01] Retweet: 5 von 6 Personen finden russisches Roulette völlig ungefährlich.

[9:40] Retweet: Das wird nicht mehr lange dauern bis die Lockerungen kommen. Aber dann gehen wir sofort alle zusammen auf den Weihnachtsmarkt!

[8:55] Retweet: In einigen meiner Körperteile ist schon Wochenende.

[8:52] Retweet: *zieht voreilige Schlüsse* / *wird ermahnt* / *schiebt voreilige Schlüsse*

[7:54] Freier Tag 3/3. Tage ohne Alkohol: 1569.

Dienstag, 31. März 2020

[22:22] Coronaliteratur: "Drinnen hinter der Tür" / "Gullivers Bleiben" / "Die SARS-Chroniken"

[21:55] Retweet: Die Maya haben sich bestimmt nur verrechnet.

[19:50] "Als Journalist hast du heutzutage 'ne Direktfahrkarte zum Arbeitsamt." (Dexter S04E08)

[19:30] Yoga = Erleuchtungsgymnastik. (Dexter S04E08)

[19:29] Freier Tag 2/3. Tage ohne Alkohol: 1568 = 224 Wochen.

Montag, 30. März 2020

[9:17] Die erste Arbeitswoche besser als befürchtet geschafft. Zwar fühle ich mich alles andere als gesund, leide an Symptomen, welche meine Bedenken schüren, deren Ursache eher psychosomatischer Natur sind. Aber wer weiß das schon bis ins Letzte? Ich denke von Tag zu Tag, von Dienst zu Dienst. Der große Plan, ein umfassendes Szenario für meine Zukunft geht mir ab, existiert nicht einmal als Vorstellung, weil meine Hoffnung, ein gutes Leben zu führen und es noch längere Zeit führen zu können, nicht existiert. Die Nächte sind am schlimmsten. Das Frieren, Frösteln und Zittern hält an. Düsterste Gedankengänge und härteste Trostlosigkeit durch viele Stunden. Tagsüber körperliche Schwäche, Kraftlosigkeit, Schwindel und Kreislaufschwankungen. Erleichternd im Augenblick, daß der Stationsbetrieb nur auf Halbmast hängt, weil die Station normalerweise nur bis morgen betrieben werden sollte. Dieser ambitionierte organistorische Impetus könnte nicht aufgehen und der Betrieb noch bis mindestens Ostern weiterlaufen. Mir ist beispielsweise unklar, wo ich am Donnerstag zum Spätdienst erscheinen soll, ob noch auf "meiner" Station oder ob ich vorübergehend an ganz anderer Stelle arbeiten müßte. Jedenfalls waren die für mich ersten Dienste nach der fünfmonatigen Arbeitsunfähigkeit durch die reduzierte Patientenanzahl erleichtert. Wie ich mit meiner körperlichen und psychischen Verfaßtheit einem regulären Stationsbetrieb mit 36 bis 38 Patienten standhielte, steht auf einem anderen Blatt.

[8:41] Nach 4 Diensten = Freier Tag 1/3. Tage ohne Alkohol: 1567.

Sonntag, 29. März 2020

[11:18] Neuentdeckung der US-amerikanschen Band Wayne Graham.

[10:44] Die Verschiebung von Blickpunkten und Aufmerksamkeiten bemerke ich, wenn ich Kulturzeitsendungen von momentan Mitte Dezember 2019 anschaue, wo Klimathemen vorherrschen, die Fridays-for-Future-Proteste, die Brände im Amazonas. Corvid19 weit weg. Daß ich mit mich interessierenden Sendungen so hinterherhinke, erweist sich hierbei als reizvoll, eben weil der Blickwinkel, unter dem ich die scheinbar vergangenen Aufreger sehe, so fremdartig erscheint und ganz andere Gedankengänge auslöst, als wenn ich die gestrige Sendung angesehen hätte. Wie schnell und gänzlich Themen in unserer schnellebigen Zeit auftauchen und verschwinden, erstaunt mich oft.

[10:10] Warum man die Influenzatoten nicht gegen die Corvid19-Toten aufrechnen darf.

[9:31] Domino's liefert unserer Klinik kostenlos Durchhaltepizzen!

[9:28] Vor 4. Schicht. Spätdienst 2/2. Tage ohne Alkohol: 1566.

Samstag, 28. März 2020

[9:17] Vor 3. Schicht. Spätdienst 1/2. Tage ohne Alkohol: 1565.

Freitag, 27. März 2020

[15:54] Nach 2. Schicht. Frühdienst 2/2. Tage ohne Alkohol: 1564.

Donnerstag, 26. März 2020

[18:04] Wir haben aus der Lust am Leben die Gier gemacht, nicht mehr sterben zu müssen. (Peter Strasser)

[17:38] Nach dem Frühdienst fuhr ich zu Kaufland und wurde, als ich das Gebäude betreten wollte, durch die Security aufgehalten von wegen Beschränkung der Kundenanzahl, durfte aber unverzüglich hineingehen. Als ich jedoch den Laden verließ, defilierte ich an einer zirka 50 Meter langen Warteschlange vorbei. Das werde ich mir in nächster Zeit ersparen, indem ich zu weiter abgelegenen Supermärkten (Richtung Paunsdorf - Aldi + Lidl) fahre. Übrigens wurde jeder von einem Kunden zurückgestellte Einkaufswagen wieder desinfiziert.

[16:20] Nach 1. Schicht. Frühdienst 1/2. Tage ohne Alkohol: 1563.

Mittwoch, 25. März 2020

[19:10] Gott = "der Herr im obersten Stockwerk".

[17:44] Retweet: Na, ich trinke meist Alkohol!

[17:43] Cartoons: Erschöpfendes Gebet / Stay Höme / Revier markieren / Selbstisolation / Corona-Frühling / Selbstkenntnis / Besuch - kein Besuch / Zynismus / Apokalypse / Fahrplan in Corona-Zeiten / Hustenmützchen / Ravioli / Kollekte / You are not a robot / Kommunion / Coronasutra / Coronale Zeiten / How do you wish to pay / Frühling / Tarzan & Handcreme / Gottesweg / Was macht die Diät?.

[17:27] Retweet: Dich mag ich, bei dir spuke ich, wenn ich tot bin.

[17:26] Retweet: Das Unangenehme mit dem Unnützen verbinden kann ich gut.

[17:25] Retweet: Pro und Contra des Arbeiten- Gehens... Pro: Gehen Contra: Arbeiten.

[17:14] "Helfen als Dilemma". Wenn man über Leben und Tod entscheiden muß. Ein DLR-Feature aus der Notfallmedizin und der Katastrophenhilfe.

[12:25] Retweet: 1999: Willst du mit mir gehen? 2020: Willst du meine zweite Person sein?

[10:38] Bei Aldi sprühte eine Mitarbeiterin Desinfektionsmittel auf die parkenden Einkaufswagen. Alle Frischbackwaren sind separat eingetütet. Tägliche Veränderungen. Auch auf Station hat man, wie unsere WhatsApp-Gruppe mitteilte, am Tresen eine Glaswand eingezogen, wozu es trotz intensiver Bemühungen in den 16 Jahren, die wir bereits im Grünauer Klinikneu/=anbau tätig sind, nie kam, weil unsere Anträge stets abgeschmettert wurden. Kommt Corona, kommt Glasschutzwand.

[9:41] Da es für mich als Langzeitkranken keinen Dienstplan gibt, rief ich meinen Chef (Stationsleitung) an, der mir beschied, morgen zum Frühdienst zu kommen. In welchem Modus ich überhaupt arbeiten soll, ob voerst weiter Dauernachtdienst oder im avisierten Dreischichtdienst, ist ungeklärt. Ich muß ohnehin, sobald ich einen Dienstplan habe, mit dem BEM (betrieblichen Eingliederungsmanagment) sprechen, um Gewißheiten zu erlangen, Regelungen treffen bzw. in die Wege leiten zu können. Morgen früh also 4.25 Uhr aufstehen - grauenvoll und eine Herausforderung nach so langwieriger Arbeitspause und acht Jahren im Dauernachtdienst, in denen ich niemals den Wecker morgens zu stellen hatte.

[9:38] Nachdem ich gestern stundenlang wegen einer fehlenden Markierung auf meinen AU-Schein durch Leipzig gegondelt war, fiel mir, als ich ihn heute Morgen brieffertig machen wollte, auf, daß das Kreuz nicht mehr auf "Folgebescheinigung", sondern, wie schon einmal, auf "Erstbescheinigung" stand, so daß ich eben zum dritten Mal innerhalb von vierundzwanzig Stunden in der Hausarztpraxis war. Mein Blutdruck ist dergestalt, daß die Hypotonie (Unterdruck) der vergangenen Wochen jedenfalls nicht zu beklagen ist.

[8:01] Krank 31/31. Tage ohne Alkohol: 1562.

Dienstag, 24. März 2020

[18:31] Retweet: Dass bei alten Fischern der Lachs ab ist, ist nur ein Aalauer.

[17:45] Retweet: "Ich habe mir eine neue Jogginghose gekauft." "Fürs Sofa?" "Zum Joggen." "Hast du kein Sofa?"

[17:39] Den Nutzungszwang von Einkaufswagen sollten wir nach der Corona-Pandemie unbedingt beibehalten.

[16:41] Es lebe die deutsche Bürokratie! Ein nahezu verhunzter Tag, nachdem ich telefonisch bei meiner Hausärztin vorfühlen wollte zwecks weiteren Vorgehens, zunächst an einer Mauer stetiger Besetzzeichen abprallte, schließlich doch in die Praxis fuhr, eine Bescheinigung für den Rententräger abstempeln ließ, diese zum Arbeitgeber brachte, wo mich ein Schild bremste, persönliches Vorsprechen im Personalbüro sei derzeit wegen Corona nicht möglich, ich durch Betteln gnädigerweise vorgelassen wurde und mit der Sekretärin komplizierte Erklärungen erörterte. Offenbar ist eine lange Erkrankung ein Kraftakt nicht nur für den Erkrankten selber, sondern auch alle am Papierkram Beteiligten. Letztendlich verlangen Arbeitgeber und Krankenkasse auf dem letzten AU-Schein ein Kreuz bei "Endbescheinigung", so daß ich heute Nachmittag nochmals zur Hausärztin fahren und mich zu erneuten Erklärungen aufschwingen mußte. Langer Rede, kurzer Sinn, ich habe mich nun entschieden, übermorgen regulär arbeiten zu gehen, d.h. ohne stufenweise Wiedereingliederung. Ich war am 21. des Monats fünf Monate hintereinander krank und kann jetzt nicht nochmals die Tortur einer Wiedereingliederung auf mich nehmen (Antragstellung, Warten auf Beginn + wochenlanges Einarbeiten), was bestenfalls weitere fünf Wochen umfaßen würde. Ich probiere, ob ich den Arbeitsprozeß so aus der Kalten heraus schaffe, wofür zwei Punkte sprechen. Zum einen wird unsere Station in 1 Woche aufgelöst. Wir sind also quasi Nachlaßverwalter und eher mit dem reibungslosen Zuendebringen befaßt als mit einem Stationsbetrieb auf vollen Touren. Zum anderen möchte ich auf der neuen Station am neuen Standort Eutritzsch im Norden Leipzigs von Anfang an dabei sein und den Neustart verzögerungsfrei & hautnah erleben und mitgestalten.

[13:38] Meine Panikkurve verlief bislang so: Als die Zahlen noch sehr gering waren, merkte ich eine quasi auf Standby geschaltete, mehr in eine dystopische Ferne gerichtete Besorgnis. Als die Zahlen der Infiszierten dann auch in Sachsen dreistellig wurden und der erste Tote zu beklagen war, als die Zahl der Neuinfiszierten täglich um mehrere Hundert stieg, als die Berichte aus Italien gezeigt wurden, schwappte die Sorge hoch, verließ mich der Mut. Inzwischen bemerkte ich den dem Menschen eigenen Gewöhnungseffekt. Die steigenden Fallzahlen werden registriert. Solange man selbst nicht betroffen ist - durch Kranke in der Familie oder im Kollegen/Bekanntenkreis, hält man diesen Schwebezustand einigermaßen aus. Freilich kreist die Frage 'Was soll nur werden'! wie eine lästige Fliege unverscheuchbar über mir. Ich fühle mich erinnert an Victor Klemperers Tagebücher (1933-1945), wie ich bei der Lektüre staunte, wie scheinbar selbstverständlich die Juden sich an das schleichende Elend gewöhnten, wie die Restriktionen und Gängeleien in deren Leben Einzug hielten und das Leben immer weiterging und Alltag blieb. Mein Staunen ob dieser Fähigkeit der Gewöhnung, des Hinnehmens und der Integration der Gegebenheiten, Notwendigkeiten und Informationen in das eigene Leben ist vielleicht das auffälligste Zeichen dieser meiner Tage. Mich bewegt, wie ich selbst als ungläubiger Thomas, erst werde mit Hände greifen müssen, um nachhaltig schockiert zu sein. Wenn ich aus dem Fenster blicke und Normalität sehe, wenn ich zu keiner Trauerfall kondolieren muß, wenn ich Brot und Käse zu kaufen bekomme, solange werde ich diese Standy-Panik beibehalten. Erschüttert war ich gestern Abend, als ich ein Video aus einem spanischen Krankenhause sah, wo entlang einem Gang Kranke auf bloßen Decken auf der Erde lagen. Diese Zustände sind wir im wohlgeordneten Deutschland nicht gewohnt. Inwieweit mir meine schizoide Persönlichkeitsstörung das Leid fernhält, ist eine Frage, über die ich nur mutmaßen kann.

[8:00] Krank 30/31. Tage ohne Alkohol: 1561 = 223 Wochen.

Montag, 23. März 2020

[13:00] Ausgerechnet während der Pandemie komme ich an der Folge "Makrokosmos" (S03E12) von Star Trek Voyager vorbei, in der ein Virus die gesamte Crew des Schiffes ausknockt.

[10:37] Viele Zahlen zu Corona in Sachsen.

[10:20] Audio-Sammelsurium: Singles in Zeiten von Corona / Der zerbrochene Spiegel - Über die Angst vor der Hässlichkeit / Das Wetter vor 15 Jahren (Hörspiel nach Wolf Haas' Roman) / Essay und Diskurs - 1001 Nacht gegen 114 Suren? / Interview mit dem Soziologen Hartmut Rosa über den Einbruch des Unverfügbaren.

[9:55] Das DeutschlandRadio ändert wegen der Coronakrise sein Programmschema. U.a. wird es einen Podcast 'Coronavirus - Alltag einer Pandemie' täglich um 16 Uhr geben. Daneben werden spezielle Hörspiele & Features offeriert.

[9:49] Retweet: Bitte beachten: 1. Beerdigungen im Familienkreis sind nur noch im Todesfall erlaubt. 2. Wer sich im Freien aufhält, muss mindestens 1,5 Meter groß sein. 3. Wer keine Arme hat, muss in die Kniekehle niesen, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren.

[9:43] Krank 29/31. Tage ohne Alkohol: 1560.

Sonntag, 22. März 2020

[16:55] Biblische Coronaregeln: Kein Küßchen zur Begrüßung! / Einander nicht berühren! / Mund und Nase bedecken! / Nicht den Kopf verlieren / Keine Wunden anfassen! / Das ist nicht die Apokalypse! / Hände waschen!

[10:44] Dr. Philoponus (Christian Köllerer) nimmt uns mit in seine Bibliothek. Bisher präsentiert: einen Rundumblick, die Bibeln und die ältesten Texte.

[10:39] Über die Belegung der Betten auf deutschen Intensivstationen informiert das DIVI Intensivregister.

[10:26] Ein Indiz für die schwindenden kognitiven Kräfte bei zunehmendem Alter war heute die Notwendigkeit, bei dem verwendeten Wort "allmorgentlich" im Duden nachzugucken. Ich konnte mich nicht zwischen allmorgentlich, allmorgenlich und allmorgendlich entscheiden.

[9:49] "Supermärkte waren noch nie gute Orte für psychisch Kranke: Einkaufen ist fast bei allen Krankheitsbildern ein Problem." (Kathrin Weßling)

[9:48] "Extrovertierte, gesunde Menschen finden auch in der Quarantäne Mittel und Wege, mit anderen zu interagieren und Spaß zu haben. Das sei ihnen so was von gegönnt. Aber für Menschen mit psychischen Problemen, die mitunter kaum noch Freunde haben oder soziale Kontakte, wird so nur noch sichtbarer, wie einsam sie sind. Und was sie alles nicht hinbekommen." (Kathrin Weßling)

[9:47] Retweet: Lernen, Dinge nicht zu tun, kann auch sehr gut sein.

[9:11] Ich nehme mir allmorgentlich vor, Messenger wie Telegram und WhatsApp ungenutzt zu lassen, weil, wenn man etwas postet, damit unweigerlich die Verpflichtung einher geht, auf mögliche Erwiderungen reagieren zu müssen. Typischerweise kommt mir bei der Sichtung von Neuigkeiten am Tagesbeginn (meist per Twitter-Timeline) fast immer etwas höchst Interessantes in die Quere, bei dem ich mich nicht beherrschen kann und es verschicke, so daß sich das Posten-Reagieren-Erwidern oft durch den Tag zieht. So heute die Nachricht eines jetzt kostenfreien Zuganges für das Online-Coaching bei Depressionen - eine Information, die für Gruppen aus der Therapie und der Reha von Interesse und Nutzen sein kann. Und tatsächlich, kaum geschickt, trudeln umgehend Dankesbekundungen ein. Aber sowohl die Aufmerksamkeit ist dadurch erneut gebunden als auch die Enttäuschung, daß man sich hat hinreißen lassen und sich nicht an den Plan gehalten hat.

[8:50] Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe stellt ihr Selbstmanagement-Programm iFightDepression zur Strukturierung des Alltags online sechs Wochen lang für alle zur Verfügung. "Da viele Patienten durch das Corona-Virus zuhause bleiben müssten und Hausärzte und Psychotherapeuten an ihre Belastungsgrenzen stießen, sei das Programm nun auch ohne Begleitung zugänglich." Man soll sich formlos über die E-Mail-Adresse ifightdepression@deutsche-depressionshilfe.de anmelden und würde dann innert 24 Stunden freigeschaltet.

[8:21] Retweet: Ostern wird auf Weihnachten 2047 verschoben.

[8:15] Die neuesten Zahlen zu Covid 19.

[8:00] Krank 28/31. Tage ohne Alkohol: 1559.

Samstag, 21. März 2020

[20:20] Der heutige "Hintergrund" des DLF widmet sich den Lieferengpässen (mp3) bei Arzneimitteln.

[20:15] Das Verfassungsblog mit einem Longread zum derzeitigen "Ausnahmezustand".

[17:59] Retweet: Der Ehemann macht jetzt Homeoffice. Er telefoniert sehr oft. Ich stelle fest: 1. Er kann sprechen. 2. Zu anderen ist er eigentlich ganz nett.

[17:58] Aufruf der Kliniken Köln: "Wasch dir die Hände, als hättest Du gerade Chilies geschnitten und wollest jetzt masturbieren."

[16:04] Beatmung - ein Beispiel demonstriert, wie hochkomplex und anstrengend Intensivmedizin heutzutage für alle Beteiligten ist.

[13:08] Die Pizzakette Domino's beschenkte gestern die diensthabenden Mitarbeiter unserer Klinik. Und die Klinik bedankt sich heute bei allen, die den Betrieb aufrechterhalten. (Links oben das Team unserer ITS.)

[13:03] Vorhin bei Aldi einkaufen gewesen und erstaunt, wie gesittet es zuging. Alle entspannt an den Markierungen, die die 2-Meter-Abstände gewährleisten sollen. Kein Gedrängel, kein Gemotze, alle sehr ruhig und geradezu entschleunigt.

[12:50] Zwei der neun in Leipziger Krankenhäusern behandelten Corvid-19-Patienten befinden sich im kritischen Zustand.

[12:48] Retweet: Wir brauchen neue Dystopien, denn die alten sind bereits Realität.

[7:37] Krank 27/31. Tage ohne Alkohol: 1558.

Freitag, 20. März 2020

[19:02] Thomas Manns Umschreibung für einen dummen Menschen: "eine geistig unbedrohte Natur".

[17:33] Audible hat die Paywall für alle Podcasts und viele Hörbücher vorübergehend abgeschaltet.

[17:24] Eigentlich sollte meine ambulante Psychotherapie längst in die Gänge gekommen sein. Ursprünglich hatte ich während des stationären Aufenthaltes im November/Dezember vier Erstgespräche ergattert. Eines absolvierte ich am 13. Januar, verpaßte dann aber einen eruierenden Anruf zwecks Terminierung Ende Februar und soll mich Ende Juni wieder melden. Ein zweites erwies sich als Irrtum, weil ich bei einem Psychiater gelandet war und nicht beim Psychologen. Ein drittes kam nicht zustande, weil ich wegen der Influenza verhindert war und der Therapeut einen festen Termin erst machen möchte, wenn ich über einen aussagekräftigen Dienstplan verfüge. Der vierte Termin war heute 12 Uhr und führte auch zu einem weitere Termin im Rahmen so genannter Probesitzungen, die, wenn erfolgreich und durch die Krankenkasse genehmigt, zur eigentlichen Kaskade an Therapiesitzungen führen sollen. Parallel begann ich dennoch, weitere Psychotherapeuten anzurufen, um noch in den Genuß von wenigstens zwei Erst=Anamnesgesprächen zu kommen bzw. die Option darauf zu haben. Allerdings brachten die heutigen Versuche keinen Erfolg: einmal auf eine Warteliste gesetzt worden, zweimal auf einen AB gesprochen und die anderen Anrufe verliefen gänzlich frustran. In der kommenden Woche telefoniere ich weiter. Das heutige Kennenlerngespräch verlief sehr erfreulich. Der Therapeut ist mir äußerst sympathisch und erweckt einen soliden Eindruck. Und wenn es außerordentlich gut läuft, lebe ich sogar noch, um die Therapie anzufangen.

[16:38] Weil eine Ärztin auf unserer Stationsebene als Corvid-19-positiv getestet war, mußten sich vorhin alle Mitarbeiter ebenfalls einem Abstrich unterziehen. Ergebnisse morgen.

[16:33] Retweet: So langsam mach ich mir echt Sorgen, was für eine Welt wir Mick Jagger hinterlassen werden.

[8:20] Krank 26/31. Tage ohne Alkohol: 1557.

Donnerstag, 19. März 2020

[20:30] Momentan werden hierzulande knapp 200 Coronapatienten intensivmedizinisch betreut. Ich notiere mir solche Zahlen, um sie später mit den aktuellen vergleichen zu können.

[17:00] Team Sachsen ist eine neue Plattform zur sachsenweiten Koordination von Hilfsangeboten wie z.B. Nachbarschaftshilfe. Initiiert von den sächsischen Organisationen ASB, SLRG, DRK, Johanniter-Unfall-Hilfe und Malteser Hilfsdienst in Kooperation mit dem Sächsischen Sozialministerium.

[16:20] Der Deutschlandfunk hat neben dem Live-Blog nun einen Newsletter zur Coronavirus-Pandemie.

[14:27] "Vielleicht entstehen gerade jetzt, im Dunkel und Schweigen, neue, große Kunstwerke im Angesicht der Lungen-Verzweiflung." (Thomas Fischer)

[12:56] Deprimierend, wenn zu Sterbenden wegen des Besuchsverbot in Krankenhäusern keine Freunde, sondern nur Verwandte gelassen werden.

[12:56] "Zu Hause, das ist für Kranke ein Problem. Kaum Besuch, keine Ablenkung. Für Depressive. Kein rausgehen, keine Freunde treffen, kein schwimmen gehen. Gegen die Angst gibt es nur noch spazieren, spazieren, und wenn in Zeiten der Ausgangssperre, dann auch das nicht mehr. Zu Hause bleiben. Das gilt auch für Menschen, die gerade einen Lieben verloren haben, die trauern. Mit dem sie zusammenlebten, vielleicht. Zu Hause in der gemeinsamen Wohnung, jetzt ohne ihn oder sie. Keine Ablenkung. Kein Kino. Kein Trinken in der Kneipe. Kein Eisessen. Kaum Besuche von Freundinnen. Keine Normalität, kein Alltag. Für Menschen, die gerade eine schwere Diagnose bekommen haben. Menschen, die psychisch labil sind. Selbstmordgefährdet womöglich." (Elsa Koester)

[12:51] Retweet: Stellt Euch vor, es gäbe einen Nudelrückruf.

[12:33] Statt "das vereinte Europa" las ich eben "das verneinte Europa".

[12:22] Alles über das Coronarvirus in leichter Sprache.

[12:04] "Wo Leben ist, gibt es immer noch Hoffnung", ist auch eines dieser elendigen Kalendersprüche, die einem die Kotze hochkommen lassen.

[11:24] Ich mußte wie so oft an die Bekannten und Freunde denken, die in den vergangenen Jahren starben, besonders an Andre Gottwald. An die altgedienten Netizens wie Robert Basic (2018), Sabine Nowak (2017) und Johannes Korten (2016), der damals in seiner Abschiedsnachricht schrieb: "Am Ende. Es hat nicht gereicht für ein ganzes Leben". Oft denke ich an diese Worte, wenn ich selbst gedanklich um den Freitod kreise und die völlige Vergeblichkeit meiner Existenz, an die sinnlosen und halbherzigen Bemühungen, mich dem Druck der Resignation entgegenzustemmen. Die Luft wird stetig dünner. Und die Freunde, ehemaligen Freunde, Kollegen und Bekannten sehen möglicherweise hilf- und ahnungslos zu und, so zumindest meine schmerzvoll-schizoide Fehlwahrnehmung, schweigen.

[11:23] "Es ist alles Kopftheater, solange der Ernstfall nicht eintritt." (Die Dschungel)

[8:38] Retweet: Wieviel wiegt der Doctor auf der Voyager? - Ein Hologramm.

[7:45] Krank 25/31. Tage ohne Alkohol: 1556.

Mittwoch, 18. März 2020

[20:00] Beim Coronatest vor Ort in der Testambulanz meines Klinikums geht es etwas chaotisch zu.

[7:40] Krank 24/31. Tage ohne Alkohol: 1555.

Dienstag, 17. März 2020

[21:37] Retweet: Habt ihr gewusst, dass das Wort 'Magermilchjoghurt' alle Vokale enthält und sogar in alphabetischer Reihenfolge?

[21:33] Immerhin hat mich meine schizoide Persönlichkeitsstörung optimal auf die jetzige Situation vorbereitet.

[21:30] Rege Tauschgeschäfte zwischen meinem Vater, Bruder und mir. Seife, Milch und Toilettenpapier ergattert, die ich im Laden nicht vorfand.

[21:17] "Kohlenstoffleben" als Ausdruck für das wirkliche Leben (real life).

[21:10] Daß nun auch Bestattungen möglichst ohne Angehörige vonstatten gehen sollten, betrübt mich. Das ist sehr deprimierend.

[17:20] Aufgeschnappt: Wir haben einen AKUTEN Engpass - an menschlicher Grundintelligenz!

[11:11] Durch den medialen Sturm, dem man sich nicht entziehen kann, ist man hin- und hergerissen. Größtenteils herrscht Einigkeit ob der Gefährlichkeit des Coronavirus und Akzeptanz ob der Restriktionen, die mit dem Versuch, seiner Herr zu werden, einhergehen. Gegenstimmen sind derzeit rar. Wie auch immer es sei, die Erfahrungen, die italienische Mediziner schildern, sind erschütternd. Bei Claudia Klinger diskutiert man intensiv. Ich verfolge die Situation durch & auf Twitter, ohne mich selbst bis jetzt eingebracht zu haben.

[8:11] Krank 23/31. Tage ohne Alkohol: 1554 = 222 Wochen.

Montag, 16. März 2020

[16:47] "Rechte Milieus hoffen, dass das Virus im Vorbeigehen die Demokratie gleich mitzerstört." (Christian Parth)

[16:38] Interview mit dem Virologen Hendrik Streeck und für mich neue Details: "Fast alle Infizierten, die wir befragt haben, und das gilt für gut zwei Drittel, beschrieben einen mehrtägigen Geruchs- und Geschmacksverlust. Das geht so weit, dass eine Mutter den Geruch einer vollen Windel ihres Kindes nicht wahrnehmen konnte. (...) In 30 Prozent der Fälle trat bei unseren Infizierten auch Durchfall auf, das ist häufiger, als bisher angenommen wurde."

[16:33] Mal für die eigenen Lesezeichen sammeln: Corona-Blog der Zeit / Podcast mit Christian Drosden / Newsblog des DLF.

[11:23] Recht lachhaft ist der Glaube, daß, wenn die Coronasache ausgestanden ist, man entweder zur Tagesordnung übergehen oder aber bewußter und besser weiterleben wird. Es wird keine durchgehende Tagesordnung mehr geben. Die Katastrophen geben sich die Klinke in die Hand. Kommt eben der nächste Sturm, die nächste Flut, der nächste Anschlag. Wir leben in unruhigen Zeiten und sollten uns das klar machen. Und daß der Mensch aus dieser Pandemie klüger hervorgeht, glaube ich ebenso wenig. Freilich ist es zunächst schön, wenn Solidarität und Gemeinsinn spürbar sind, wenn die Menschen äußerlich auseinander-, innerlich wohl aber näherrücken. Trotzdem sind die Menschen vertrottelt und werden zu ihren Dummheiten zusückkehren, sobald der äußere Zwang sie aus den Klauen der Erfordernisse entlassen hat.

[11:10] Meine Hausärztin hätte heute wieder anwesend sein sollen. Weil sie aber im Skiurlaub in Südtirol gewesen ist, bleibt sie in Quarantäne, bis das Ergebnis des Covid-19-Testes Mitte der Woche eingetrudelt ist. Der Vertretungsarzt hat meine Krankschreibung um weitere 10 Tage verlängert. Die Influenza ist längst Geschichte, aber mir geht es wahrlich beschissen, wobei ich körperliche und psychische Symptome nicht mehr auseinanderhalten kann. Die Nächte sind besonders schlimm. Eigentlich hatte ich heute geplant, nach der Hausarztsprechstunde in der psychiatrischen Institutsambulanz vorstellig zu werden, um mich notfalls stationär einweisen zu lassen. Aber der Hickhack um die Krankschreibung saugte mir die ohnehin dürftige Energie für diesen Schritt aus dem Leib. Denn der Arzt versteifte sich auf die Behauptung, mich bis zum 22. März krank geschrieben zu haben. Zuhause stellte ich anhand des schwer leserlichen Durchschlages des AU-Scheines fest: Irrtum - nur bis 15.3. markiert. Mußte ich den ganzen Weg also nochmals absolvieren, danach zur Post wegen Briefmarken, Scheine losgeschickt und noch zu Aldi, um für Brotnachschub zu sorgen. Bei anhaltend krasser Symptomatik werde ich morgen oder übermorgen Früh die Ambulanz aufsuchen. In der vergangenen Nacht war der Leidensdruck dermaßen gravierend, daß ich vor lauter Verzweiflung und Ratlosigkeit nicht mehr aus noch ein wußte.

[10:11] Krank 22/31. Tage ohne Alkohol: 1553 = 62 Monate.

Sonntag, 15. März 2020

[18:36] Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt doch, wenn es plötzlich dunkel wird. (Franz Kafka)

[16:33] Die Hl. Corona (griechisch: Stephana) ist die Schutzpatronin gegen Seuchen (und für Schatzsucher sowie Fleischer). Sie wurde auch nicht eben alt (starb mit 16 als Märtyrerin).

[11:11] Das Newsblog des Deutschlandfunks zur Coronakrise.

[10:29] Retweet: Die Italiener singen auf dem Balkon. Die Spanier klatschen dem Krankenhauspersonal Beifall. Den Deutschen fehlt für derartige Gefühlsausbrüche noch eine Unterschrift.

[10:28] Krank 21/21. Tage ohne Alkohol: 1552.

Samstag, 14. März 2020

[10:18] Zunehmend bieten Konzerthäuser oder einzelne Künstler Streams und Tonarchive kostenlos an. Der Pianist Igor Levit bietet täglich ein Wohnzimmerkonzert.

[9:43] Erinnerungen an meine Jugend durch dieses damals oft gesungene Lied. Und Bettina Wegner, diese großartige Liedermacherin!

[9:41] Interview mit dem Ethnologen Hansjörg Dilger über Ängste durch das Coronavirus. Der Essay "Panik, live auf Sendung" des Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen gefiel mir ausnehmend gut.

[9:40] Krank 20/21. Tage ohne Alkohol: 1551.

Freitag, 13. März 2020

[9:38] Aufgeschnappt: "Aufgestanden als Ruine".

[9:35] Ein Gespräch mit Harald Lesch & Julian Nida-Rümelin über die Zukunft der Gesellschaft.

[9:29] Retweet: Habe meine Frau mit einem Dartpfeil auf eine Weltkarte werfen lassen und ihr gesagt, daß wir da Urlaub machen, wo der Pfeil landet. - Ab morgen geht es für 3 Wochen hinter den Kühlschrank.

[9:28] Krank 19/21. Tage ohne Alkohol: 1550.

Donnerstag, 12. März 2020

[12:07] Retweet: Es wäre allen geholfen, wenn sich Xavier Naidoo in die Armbeuge singen würde.

[11:26] ZDF-Dokumentation: "Mangelware Medizin?" - "Corona, China und der Arzneimittelmarkt".

[10:03] Neben dem Deutschlandfunk mit seinem täglichen Podcasts der Sendungen "studio 9", "Update" und "DLF - der Tag" höre ich in Sachen Covid-19 den regelmäßigen Podcast mit Christian Drosden.

[8:48] Krank 18/21. Tage ohne Alkohol: 1549.

Mittwoch, 11. März 2020

[8:20] Krank 17/21. Tage ohne Alkohol: 1548.

Dienstag, 10. März 2020

[19:01] Retweet: Dein IQ beträgt 150 - minus der Klopapierrollen, die du gehortet hast.

[17:28] Ein Ticker zur Situation der Covid-19-Infektionen in Sachsen. Bedenklich der Ratschlag, Enkelkinder nicht mehr zur ihren Großeltern zu lassen.

[17:25] Aufgeschnappt: "Du mußt dein ändern leben!"

[17:24] Der Essay "Wie eine Nussschale" anläßlich des zwanzigsten Geburtstages des Perlentauchers.

[8:07] Krank 16/21. Tage ohne Alkohol: 1547 = 221 Wochen.

Montag, 9. März 2020

[9:04] Der stellvertretende Hausarzt hat meine Krankschreibung um eine Woche verlängert, so daß ich mit meiner Hausärztin am nächsten Montag klären kann, ob und wie es mit der beruflichen Wiedereingliederung weitergeht. Aufschub also in den beiden Belangen Beruf/Arbeit und Gesundheit.

[9:00] Krank 15/21. Tage ohne Alkohol: 1546.

Sonntag, 8. März 2020

[11:11] Im DeutschlandRadio eine Lange Nacht (Audio / PDF) vom Klima in der Literatur.

[11:08] Krank 14/14. Tage ohne Alkohol: 1545.

Samstag, 7. März 2020

[15:43] Was mich erheitert, ist der plötzliche Rückgang der Fluggäste. Die Lufthansa streicht bis zu 50% der Flüge. So ein Virus, und zack, gehen plötzlich Dinge, an denen man sich mit endlosem Planen die Zähne ausgebissen hat. Ich bin mir sicher, daß die Menschheit nur mit dem wirklich nötigen Tritt in der Arsch die Kurve kriegen wird.

[15:37] Presseschau: Das Comeback der Konserve.

[11:08] Retweet: Die Realität ist was für Menschen, die Angst vor Einhörnern haben.

[11:05] Retweet: "Wie spricht man das Wort Accessoires aus?" "Krempel."

[7:44] Krank 13/14. Tage ohne Alkohol: 1544.

Freitag, 6. März 2020

[12:08] Retweet: Ist euer erster Weltuntergang, oder?

[11:22] Dirk Kurbjuweit hat einen der spektakulärsten Kriminalfälle Deutschlands in seinem Buch "Haarmann. Ein Kriminalroman" verarbeitet.

[11:11] Retweet: Arzt: "Bitte in die Armbeuge niesen!" T-Rex: "Arschloch""

[9:16] Daði Freyr Pétursson tritt mit seiner Band Gagnamagnið und dem schon viral gegangenen Song "Think About Things" für Island beim ESC 2020 an. Ich hatte es bereits erwähnt. DLF Nova analysiert, warum er als einer der Favoriten gehandelt werden muß.

[9:04] Retweet: Ein Atomkrieg wäre das Ende der Menschheit. Aber er hätte auch Nachteile.

[8:16] Krank 12/14. Tage ohne Alkohol: 1543.

Donnerstag, 5. März 2020

[10:00] Protokoll einer Horrorschicht (auf einer Notaufnahmestation).

[8:51] Der ganz große Paukenschlag wohl auf Arbeit. Eben kam die Information, daß unsere Station zum Monatsende komplett aufgelöst werden soll. Das würde heißen, sie gäbe es nicht mehr und alle Mitarbeiter würden auf andere Stationen und Standorte verteilt. Dies bedeutete die gravierendste Veränderungen in meinem Arbeitsleben seit 30 Jahren. Dementsprechend Tohuwabohu, Entrüstung und Entsetzen kocht gerade unter den Kollegen hoch, was ich durch WhatsApp mitbekomme. Mein ganzes Überlegen in eigenen Fall, ob nun Nachtdienst oder Tagdienst, wann, wo und wie, scheint obsolet zu sein, weil die externen Einflüsse dies offenbar für mich regeln werden. Ich werde bei dieser unklaren Lage am Montag in der Sprechsstunde beim stellvertretenden Hausarzt darauf dringen, die berufliche Wiedereingliederung unbedingt durchzudrücken und mit deren Klärung möglichst zu warten, bis meine "richtige" Hausärztin sie in Angriff nehmen kann. So schaffe ich mir einen Puffer, bis sich die äußeren Bedingungen meiner Arbeit vielleicht geklärt haben.

[8:42] Krank 11/14. Tage ohne Alkohol: 1542.

Mittwoch, 4. März 2020

[20:10] Retweet: Eine Ananas besteht zu 50 Prozent aus A.

[19:29] Retweet: Ich fand Händewaschen schon cool, als es in den Medien noch nicht so gehypt wurde.

[9:21] Retweet: Wer mit 50 kg Nudeln vorm niesenden Nachbarn flüchtet, sollte nicht anderen Menschen vorschreiben, mit ihrer Familie im Bürgerkrieg zu bleiben.

[8:06] Krank 10/14. Tage ohne Alkohol: 1541.

Dienstag, 3. März 2020

[8:30] Krank 9/14. Tage ohne Alkohol: 1540 = 220 Wochen.

Montag, 2. März 2020

[19:20] Victor Klemperer berichtete in seinen Tagebüchern von einem Brettspiel "Das totale Spiel", welches er in Schaufenstern gesehen habe. Wahrscheinlich handelte es sich um "Mensch ärgere dich nicht", welches in der DDR auch als "Danke für den Rauswurf" bekannt war.

[17:45] In einer Folge "New Amsterdam" wird ein unbekannter Säugling auf der Neonatologie als "Baby Doe" bezeichnet. Diesen Analogausdruck zu John/Jane Doe hatte ich bislang noch nicht gehört.

[17:34] Reweet: Ich putze ja gerne im Nena-Stil: irgendwie, irgendwo, irgendwann.

[16:28] So wie uns 2012 schon die Diabetologie und 2014 die Rheumatologie verlassen haben, wird nach mehr als 6 Jahren bei uns zum Ende des Monats der Fachbereich Akutgeriatrie geschlossen, der 22 Betten belegen durfte. Die restlichen 14 sind Onkologiebetten. Das bedeutet eine neuerliche gravierende Veränderung! Die Gerüchteküche kocht; Konkretes wissen wir jedoch nicht. Möglicherweise entsteht eine Großstation mit dem alleinigen Fachgebiet Onkologie für 36 Betten. Andernfalls käme ein neuer Bereich zu uns oder ein alter wieder zurück? Unter Umständen erübrigt sich mit dem Wegfall der personalintensiven Geriatrie auch die Notwendigkeit einer Dauernachtwache und meine Problematik würde durch diesen Umstand geklärt.

[12:26] Audio: "Die mit den Pfunden wuchern" - Über das neue Selbstbewußtsein dicker Menschen.

[11:11] Als Aussätziger gefühlt heute früh. In die Praxis gekommen, sofort vermeldet, daß ich Influenza habe, ein Plätzchen mit gebührendem Abstand gesucht und den Praxisschwestern zugeschaut, die mit dem Computer zu kämpfen hatten, der die Karte nicht einlas. Zwischendrin der Arzt, den ich sowieso nicht leiden kann. Meine Versuche, die Problematik mit der Wiedereingliederung, und der bereits seit Donnerstag fehlenden Krankschreibung zu erklären, gingen in der Hektik unter. Ich stand wie ein gescholtener Pennäler in einer Ecke und wurde beschieden: "Sie kriegen von mir eine Krankschreibung, und dann gehen Sie auch gleich wieder!" Darauf noch kurz in eigentlichen Sprechstundenzimmer gewesen, auch dort an der Tür gestanden, vom Arzt kurz befragt worden, und tschüs, war ich auch schon wieder draußen. Auch diesmal, wie schon zuletzt, als ich wegen popeliger Extrasystolen und niedrigem Pulsschlag kam, dieser herablassende Umgang. Ob ich eine Grippeschutzimpfung bekommen hätte? Auf meine Verneinung, ein theatralischer Seufzer, typisch! und Sehen Sie! ALLE meiner Patienten, die zuletzt Influenza bekamen, waren NICHT geimpft. Ich solle mir doch klar machen, wie entscheidend und mittlerweile wirksam solche Schutzmaßnahmen seien. Mein Einwand, seit Oktober wäre ich ununterbrochen in anderweitiger Therapie gewesen und eine solche prophylaktischen Impfung überhaupt nicht mehr im Fokus gewesen, fand wenig Beachtung.

[9:48] Die Quintessenz anstrengender Stunden am Telefon und unterwegs: 1 Woche Aufschub. Der Hausarzt-Stellvertreter knallte mir einen Krankenschein bis Sonntag vor den Latz und komplimentierte mich nachdrücklich aus seiner Praxis, offensichtlich damit ich niemanden anstecke. Dieser AU-Schein gilt leider erst ab heute und umfaßt nicht die Tage ab Donnerstag, die somit ungeklärt bleiben. Rückwirkend keine Krankschreibung! Möglich, daß mir nun eine Versorgungslücke entsteht und die Krankenkasse das Krankengeld nicht zahlt. Die stufenweise Wiedereingliederung gilt aufgrund der Krankschreibung länger als 7 Tage quasi als gescheitert, nur kann an dieser Front niemand tätig werden, da die Hausärztin eben nicht da ist. Neuansatz nächsten Montag, wenn die AU neu verhandelt werden soll oder ich als arbeitsfähig gelte. Die BEM-Verantwortliche des Betriebsrates nahm die Vertagung entgegen und wird sich in jedem Fall weiter um mich kümmern. Szenarien: 1.Ich werde am kommenden Montag weiter krank geschrieben und warte, bis die Hausärztin aus dem Urlaub zurückgekommen ist und die Wiedereingliederung neu in die Wege leiten kann. 2. Der stellvertretende Hausarzt leitet sie am 8. März selbst neu ein. 3. Ich gehe ohne Wiedereingliederung und ohne BEM einfach wieder im alten Modus (Dauernachtdienst) arbeiten. Weil mir das Hickhack zwischen Rentenversicherung, Krankenkasse, Ärzte und Arbeitgeber über den Kopf wächst und ich keine Nerven mehr habe, tendiere ich für den gordischen Knoten: einfach erstmal wieder arbeiten gehen.

[9:33] Krank 8/14. Tage ohne Alkohol: 1539.

Sonntag, 1. März 2020

[17:41] Gesundheitsbulletin: nach scheußlichen Tagen heute etwas besser. Insgesamt sehr schleichender, zäher Verlauf. Gespannt, ob sich das Knäuel morgen auflösen wird und ich in Erfahrung bringe, was wem zu melden oder zuzuleiten ist. Erster Gang: um 8 Uhr beim Stellvertreter meiner urlaubenden Hausärztin. Verbringe den Tag mit Serien, meist Krimis. Ich gehe pünktlich ins Bett und schlafe bei Audiobeiträgen meines Lieblingssenders problemlos ein.

[16:45] Krank 7/14. Tage ohne Alkohol: 1538.

Freitag, 28. Februar 2020

[17:57] Keine Ahnung, wie es organisatorisch weitergehen soll. Meine Hausärztin informierte mich telefonisch aus ihrem heute begonnenen Urlaub heraus über den positiven Influenzabefund und riet mir zu Ruhe. Mehr sei nicht nötig. Ich bleibe nun aber mit Fragen zurück, die ich bis Montag nicht klären kann, weil alle Hotlines am Freitagnachmittag auf Montag verweisen. Wie weiter mit der Wiedereingliederung? Wird sie abgebrochen, unterbrochen, aufgeschoben? Muß ich einen neuen Krankenschein einreichen und würde der rückwirkend ausgestellt. Von wem, wenn die HÄ nicht mehr verfügbar ist? Und wenn der Vertretungsarzt das nicht einsieht und sich weigert? Ich muß am Montag die Rentenversicherung anrufen und nach dem Modus operandi fragen, am besten auch die Krankenkasse, den Arbeitgeber. Das BEM (berufliche Wiedereingliederungsmanagment) steht auch auf wackeligen Füßen. Der Termin am Montag kann nicht stattfinden, weil ich als ansteckend gelte und niemandem auf die Pelle rücken darf. Übrigens sind auch bereits Kollegen Influenza positiv getestet. Der Ansteckungsherd liegt vermutlich bei Patienten. Diese organisatorischen Dinge machen mich so fertig!

[14:10] Gestern Nachmittag noch bei der Hausärztin gewesen. Zwei Abstriche gemacht. Gute Nachricht: kein Covid-19; schlechte Nachricht: Ich habe Influenza A. Die Plötzlichkeit und Schwere des Infekts ist also erklärt. Ich darf einige Tage lang möglichst niemandem zu nahe kommen. Die Wiedereingliederung steht auf der Kippe, weil sie nicht länger als 6 Tage unterbrochen werden darf. Am Montag werde ich den Träger (Deutsche Rentenversicherung) anrufen, um zu erfahren, wie weiter zu verfahren ist. Mir geht es unverändert mies, eine Besserung ist nicht eingetreten. Ich muß mich alle 2 Stunden wieder hinlegen, kann aber meist nicht schlafen, sondern döse nur, während ich Radio höre.

[14:01] Krank 5/14. Tage ohne Alkohol: 1536.