Bücherlei Miszellen (57) [<<]
Ein Notizbuch vom Nichtmehrleben

Montag, 25. Mai 2020

[18:40] Cartoons III: No Social Distancing / Strukturschwach / Ja, Meister / Lockerungen / Theater / 10 gute Dinge / Time to go / Sendekissen / 88 Grad / =>Teil II // Teil I.

[18:29] Retweet: Strukturschwache Region mit drei Buchstaben?" "Ich."

[18:16] Retweet: Mann: "Kinder, schaut mal dort drüben!" - Die Kinder: "Awww ein Hund!- der heisst bestimmt Bello!" - Mann: "Wohl eher nicht, es ist eine Hündin." - Ich: "Labello!"

[18:12] Retweet: Ach guck, das da eben war gar keine Textaufgabe, das war ein Brief von unserem Vermieter zu den Nebenkosten. Egal. Ausrechnen, abheften, passt immer.

[18:11] Retweet: "Mama, ich kann nicht einschlafen." "Dann lies doch noch ein bisschen, mir hilft das immer müde zu werden." "Ich glaube nicht, dass ich so langweilige Bücher habe wie du."

[18:10] Retweet: Benutzen Sie 50g Käse zum überbacken... ALTER ich will das mit Käse gratinieren und nicht garnieren.

[16:10] Retweet: Lieber Herr @c_drosten - Mein Name ist Marie von den Benken. Meine Mutter setzt mich wegen Enkelkindern und Ehemann ziemlich unter Druck. Ich habe daher eine Frage: "Würden Sie mich heiraten?" Ich bitte um Stellungnahme bis 17:00 Uhr. Andernfalls betrachte ich uns als verlobt."

[16:02] "Diese Situation mit einer brennenden Mülltonne zu vergleichen wäre eine Beleidigung für Feuer und Müll." (The Great Indoors S01E05)

[15:00] "Das Credo der Schwestern?" "Heile manchmal, behandle oft, tröste immer." "Nope. Töte nicht deinen Patienten. Denn das ist Sache des Arztes!" (Chicago Med S02E18)

[14:42] Retweet: An grauen, trüben Tagen muss ich immer besonders gut auf mich aufpassen, damit ich die Farben nicht vergesse.

[14:41] Retweet: Ich hab gekocht. Es gibt Halt's Maultaschen.

[12:42] "Es gibt viele Gründe, warum Menschen unzufrieden sind. Bei 80 Prozent geht's um Sex." "Denkst du dir diese Statistiken eigentlich aus?" "Zu 35 Prozent." (Zoeys Extraordinary Playlist S01E03)

[10:53] "Du machst schon genug durch, da muß nicht noch Krankenhausessen dazu kommen." (Hawaii Five-O S09E12)

[9:08] Im Polizeiruf 110 "Heilig sollt ihr sein!" (E385): "Wir werden das abkömmliche (medizinische) Personal befragen." Und ich so zu mir: 'Also niemand.'

[9:06] Urlaub 1/8. Tage ohne Alkohol: 1623.

Sonntag, 24. Mai 2020

[11:30] Bhutan, das einzige Land der Welt, welches Glück (Ministerium für Brutto-National-Glück) als Ziel in die Verfassung geschrieben hat, wird in einem Bericht, den ich im auslandsjournal des ZDF gerade sehe, als "bewohntes Freilichtmuseum" bezeichnet. 72 Prozent des Staates sind Waldgebiet.

[10:18] Im DLF gehört: "Ostdeutsche mit der Vorerkrankung Diktatur". (Martina Weyrauch, Leiterin der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung)

[10:13] Viele KollegInnen reagieren allergisch auf die so genannte Mallorca-Haltung des Patienten, die eine Anspruchshaltung suggeriert, welche mit dem Hilfsanspruch seitens des Patienten und der tatsächlichen Hilfsbereitsschaft unsererseits kontrastiert. Wir erwarten einfach ein gewisses Entgegenkommen des Patienten. Daß er mitmacht und Bemühungen erkennen läßt. Wenn er allerdings bei unserem Hereinkommen breitbeinig und mit verschränkten Armen im Bett liegt und Wunsch auf Wunsch äußert, platzt manchem Kollegen schon einmal der gestärkte Kragen. Wir kommen also: "Typisch, wieder in Mallorcahaltung im Bett!" Patient, tendenziell aufgebracht: "Mallorca, Mallorca! Was weiß ich denn, was Mallora bedeutet!" So ganz detailiert wollten wir's ihm nicht erläutern.

[9:40] Patientin mit Aphasie. Ich komme ins Zimmer. Patientin fuchtelt mit den Armen: "Du und ich! Pschschschschsch!!" Viele Versuche, herauszubekommen, was sie meint, was ich tun solle, scheitern. "Du und ich! Pschschschschsch!!" Verzweiflung logisch, wenn Patientin merkt, daß die Verständigung nicht klappt. Eine Stunde später Abendbrot. Ich komme ins Zimmer. Patientin: "Du und ich! Pschschschschsch!!" Ich: "Schnitten schmieren?" Strahlendes Gesicht bei der Patientin: "Ja!". Richtig Raten bei Aphasie entspringt oft der Berufserfahrung bzw. einer mit Situationskenntnis verbundenen Fähigkeit zur Antizipation.

[9:38] 2. Schicht. Vor Spätdienst 2/2. Tage ohne Alkohol: 1622.

Samstag, 23. Mai 2020

[11:47] In den 70er Jahren verbrachte ich meine Kindheit, so daß mich diese Zeit naturgemäß brennend interessiert, zunehmend auch mit dem Abstand des Älter- und Altwerdens. Kürzlich vermeldete ich mit "Die 70er. Der Sound eines Jahrzehnts" (Autor: Ernst Hofacker, Musikjournalist) ein Buch, dem sich ein zweites an die Seite stellen läßt: "Das entfesselte Jahrzehnt. Sound und Geist der 70er" von Jens Balzer.

[10:07] Retweet: Ja, Hannibal, Alpenüberquerung, Elefanten, 2. Punischer Krieg und so... aber habt ihr mal versucht, im Kinderzimmer an die Fenster zu kommen?

[10:06] Retweet: Tiere, wenn sie Menschen wären... - Phänomenale Phantasie!

[10:02] Retweet: Ich geh den Bach runter - braucht wer was?

[9:58] "Gibt es einen konkreten Begriff, der das Phänomen beschreibt, dass Frauen oft mit ihren Vornamen (manchmal + Artikel) bezeichnet werden, während Männer oft unter ihrem Nachnamen geführt werden? Gibt es einen Begriff dafür, wenn das in Literatur auftaucht?" Sehr interessanter Thread dazu.

[9:52] Ute als Name, "der Stützräder braucht", besorgte mir den ersten Lachflash des Tages.

[9:45] Retweet: Keine Resonanz ist auch ein bisschen wie Sterben.

[9:42] 1. Schicht. Vor Spätdienst 1/2. Tage ohne Alkohol: 1621.

Freitag, 22. Mai 2020

[9:47] Nicht gewußt: Konsum, zumindest im englischsprachigen Raum (consumption), wurde neben den Begriffen phthisis (pulmonalis) ehemals die Tuberkulose genannt. Weil sie - wie der Krebs - den Körper verzehrt, Unmengen an Energie kostet. Frank Trentmann schrieb mit "Herrschaft der Dinge. Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute" einen Wälzer (knapp 1100-Seiten) über den Konsum.

[9:15] Freier Tag 2/2. Tage ohne Alkohol: 1620.

Donnerstag, 21. Mai 2020

[19:20] Audio-Sammelsurium: Das gezeichnete Ich: Der Gottesleugner Gottfried Benn / Interview mit dem Musikkabarettisten Bodo Wartke / Bücherschau: Väter in Romanen und Sachliteratur / Das Geschäft mit den Büchern in der Krise.

[14:40] Nach Nachtdienst 3/3 = Freier Tag 1/2. Tage ohne Alkohol: 1619.

Mittwoch, 20. Mai 2020

[19:29] Audio-Sammelsurium: "Der Finger im Buch": Die unterbrochene Lektüre im Bild / Palliativmedizin - Leben statt Leiden / "Ich ist ein Wanderer" (mp3): Über Schriftsteller, die gehen / Segen und Fluch einer Untätigkeit: Sitzen ohne Ende (mp3) / Lage der Verlage und der Literaturkritik in der Corona-Krise / Essay und Diskurs: Tragik und Tabu des Suizids / Die Lange Nacht der Träume.

[18:11] Als Gott die Schätze der Welt verteilte, froren ihm über Sibirien die Hände und er ließ viel fallen. (Sibirisches Sprichwort)

[17:07] 3. Schicht. Vor Nachtdienst 3/3. Tage ohne Alkohol: 1618.

Dienstag, 19. Mai 2020

[17:12] 2. Schicht. Vor Nachtdienst 2/3. Tage ohne Alkohol: 1617 = 231 Wochen.

Montag, 18. Mai 2020

[15:35] Mein Bruder und ich, modisch und elegant.
dias070

[8:14] 1. Schicht. Vor Nachtdienst 1/3. Tage ohne Alkohol: 1616.

Sonntag, 17. Mai 2020

[22:02] Na prima, ich suche mir per Zufall auf Youtube eine SOKO-Leipzig-Folge raus und stoße auf "Quarantäne" (S10E26), bei der die Kommissarin Ina Zimmerman in einem Labor mit einem neuartigen, übrigens aus einem chinesischen Dorf stammenden Influenzavirus infiziert wird, gegen den es keinen Impfstoff gibt usw. Paßgenaues Szenario: Corona läßt aber sowas von grüßen!

[21:06] Zu den längsten Sendungen gehört die Lange Nacht, die der Deutschlandfunk an Wochenenden zwischen 23 und 2 Uhr sendet. Sehr schönes, umfangreiches und kontemplatives Format. Jüngst ein tolles, reizvolles Thema, nämlich Träume.

[11:50] "The Square", der in Cannes 2017 die Goldenen Palme gewann, ist bei arte in der Mediathek abrufbar.

[10:40] Retweet: Folgendes Szenario: Du hast jemanden umgebracht. Wie entsorgst Du die Leiche? - Ich würde sie in einer Jura-Bibliothek platzieren, dort fällt die safe eine Woche nicht negativ auf und die anderen Studierenden würden sie sogar als "sehr angenehm leisen Kommilitonen" bezeichnen.

[10:38] "Eine Weltverschwörung, die von jedem Pflaumenaugust durchschaut wird, scheint mir nur mittelgut durchdacht." - Und alle so: "Pflaumenaugust" muß unbedingt in unseren aktiven Wortschatz.

[9:14] "Wir haben russische Freunde, deren Sohn Nikita sehr ähnlich ist. Noch im Kreißsaal, so berichteten sie, wurde ihnen 'angeboten', ihr Kind gegen ein gesundes zu tauschen. Auf der Station lagen mehrere Babys, die nach anonymen Geburten zurückgelassen waren. Niemand würde etwas erfahren. Ihr Sohn hingegen wäre im Heim verschwunden. Auch weil sie später mehrfach vom Amt bedrängt wurde, ihr Kind in eine psychiatrische Anstalt zu geben, hat die Familie Russland verlassen." ("Mein Sohn Nikita")

[9:05] "Mein Sohn Nikita": Über das Leben mit einem Sohn, der sowohl Trisomie 21 hat als auch Autist ist. - "Ich bin zu einer privaten Haftpflicht gewechselt, die ausdrücklich auch Schäden durch geistig behinderte Familienangehörige reguliert."

[8:04] In einem Beitrag über Kreislaufwirtschaft beim Bauen den Helvetismus "rezyklieren" gehört und beschlossen, in hinfort auch zu verwenden, bis er gesamtdeutsch Verwendung findet.

[7:57] "Mir fehlt eher der Friseurbesuch, denn meiner ist ausgebucht bis weit in den Juni und hat mir neulich, als ich ihn auf der Straße traf, kurz freundlich zugerufen: 'Sieht doch noch gut aus!' Ja, okay. Wenn man Robinson Crusoe als Modell nimmt vielleicht." (Maximillian Buddenbohm)

[7:31] Freier Tag 2/2. Tage ohne Alkohol: 1615.

Samstag, 16. Mai 2020

[17:42] Barnaby: "Ich bin ja blind wie ein Maulwurf. Es sind ja nicht immer die Armen, die sich bei den Reichen bedienen. Das Wasser fließt manchmal auch bergauf." Jones: "Verzeihung?" Barnaby: "Laotse, Begründer des Taoismus." Jones: "Ja, aber nicht in dieser Gegend." (Inspector Barnaby S14E01: "Unter Oldtimern")

[17:31] "Es waren die 60er." "Sie glauben nicht, wie oft ich das als Entschuldigung für interessantes Verhalten höre." (Inspector Barnaby S14E01: "Unter Oldtimern")

[17:07] Retweet: Lieber Tuch vorm Mund, als Zettel am Zeh.

[17:03] "Ich liebe die Mittelschicht. Diese putzige Moralität." (Inspector Barnaby S14E01: "Unter Oldtimern")

[14:14] Audio-Sammelsurium: Der kleine Herr Tod von Christian Y. Schmidt als Trostbuch / Hörspiel "Manhattan Transfer" nach John Dos Passos: Teil 1/4, Teil 2/4 / Diagnose Sepsis: Die unterschätzte Gefahr / Rauchen und denken: Wie wurde Hannah Arendt zur Kultfigur? / Glosse zum Gedenktag der Heiligen Corona / Zum Ende des NDR-Bücherjournals - Wo findet Literaturvermittlung noch statt? / Weltuntergänge: Warum Erzählungen vom Ende schon immer so beliebt waren / Eskapismus als Überlebensstrategie - Die Rolle der Literatur / Weniger Besitz: Minimalismus als Lebensphilosophie / "Gott gnade Deutschland!" - Ein deutsches Kriegstagebuch 1939-1945.

[7:30] Freier Tag 1/2. Tage ohne Alkohol: 1614 = 64 Monate.

Freitag, 15. Mai 2020

[11:43] Daß Macht sexy sein kann, kam mir gerade in den Sinn, als ich statt "Er regiert" - "erigiert" hörte.

[7:20] 2. Schicht. Vor Spätdienst 1/1. Tage ohne Alkohol: 1613.

Donnerstag, 14. Mai 2020

[18:49] Kollegin: "Wie, du schränkst dich ein? Du bist doch erst 26! Da muss man rausgehen!" - "Ich würde auch gerne 27 werden."

[18:48] 84-jähriger Kunde heute, weil sein gewohntes Arzneimittel mangels Lieferbarkeit ausgetauscht werden musste: "Egal. Kommt doch eh alles aus demselben Betonmischer aus Indien."

[18:47] Retweet: Unser Pfarrer hat einen Dialekt. Es fiel mir gleich zu Beginn seiner Rede auf: "Särge Erde Trauergemeinde.."

[18:46] [Erstes Date] - Sie: "Einen Döner, ohne Knoblauch, Zwiebeln und scharfe Soße. Was willst du?" - Dönermann: "Er ist schon bei 'Ohne Knoblauch' gegangen..."

[18:45] Retweet: "Meine Güte, bist du blass!" "..." "Echt jetzt, total blass!" "..." "Zeig mal deine Eckzähne."

[18:33] "Das, was von der Kindheit noch übrig ist, stirbt heute irgendwo zwischen 10 und 12." (Polizeiruf 110 "Bei Klingelzeichen Mord" / E227)

[18:12] "So verpasste ich die Lockerung des literarischen Lockdowns." - Kolumne von Leif Lasse Andersson.

[17:41] Ein Bericht über rumänische EU- bzw. Eurowaisen ("Copii singuri acasa" - "Allein-zuhause-Kinder") machte mich sehr traurig. Weinende Kinder, deren Eltern sie zuhause zurücklassen, während sie im EU-Ausland Geld verdienen.

[16:22] Retweet: "Ich brauche was, um meinen Tee zu süßen." "Kandiszucker?" "Klar, Zucker kann sowas."

[16:21] In einem französischen Benediktinerinnenkloster wird das gesamte liturgische Repertoire des Gregorianischen Chorals (8760 einzelne Choräle, 7000 Stunden Musik) für eine Datenbank aufgenommen.

[16:20] 1. Schicht. Nach Frühdienst 1/1. Tage ohne Alkohol: 1612.

Mittwoch, 13. Mai 2020

[20:20] Retweet: Schlaftabletten sollten Müdikamente heißen.

[20:19] RIP (NDR-)Bücherjournal.

[17:11] "Ob Figuren, Benzin, Bomben oder Brot, wir bringen Polen den Tod." Das stand auf deutschen Flugzeugen, die Polen angriffen. Ich finde so auf die Schnelle nichts im Internet, was das näher beschriebe oder erklärte.

[12:12] "Ich werde ungnädig, das wird es sein, der Weg zum Nörgelrentner liegt klar vor mir. Dazu passt auch meine phänomenal schlechte Laune heute, für die mir nicht einmal ein plausibler Grund einfallen wollte, der Tag war einfach nicht meiner, aber es wollte ihn mir auch keiner abnehmen." (Maximillian Buddenbohm)

[11:33] Freier Tag 3/3. Tage ohne Alkohol: 1611.

Dienstag, 12. Mai 2020

[16:22] Audio-Sammelsurium: Fakenews - 300 Jahre Münchhausen / Sprachliche Feinheiten von Strafvorschriften / Baritone und Tenöre? / Bibliothek als sozialer Ort? / Mark Twains Reise um die Welt in 395 Tagen - Dem Äquator nach / Geniale Ideen in schwierigen Zeiten - Kreativität in der Corona-Krise / Hoffnung ist ein Lebenselixier - Der Philosoph Christian Bermes über Krisenmanagement / Warum sollen wir eigentlich noch Klassiker lesen? / Gundermanns Erbe - Leben und Lieder eines Unbequemen / Die Kraft des Wanderns - Gesünder leben, klarer denken, mehr sehen / "Ein deutsches Trümmerfeld" über das Ende des Dritten Reiches. / Das Hörspiel "Manhattan Transfer" nach dem gleichnamigen Roman von John Dos Passos: Teil 1/4.

[12:22] Claudia Klinger bloggt über Alterstolz und ich schrieb: "Nicht zu verwechseln mit dem Starrsinn und der Widerborstigkeit Dementer, die zu deren Krankheitsbild gehören und die erheblich den Umgang mit ihnen erschweren. Ich bin geneigt, alten Menschen gegenüber Nachsicht walten zu lassen, zumal Strenge ohnehin nur das Gegenteil bewirkt. Das heißt nicht, ihnen alles durchgehen zu lassen. Wir Leipziger kannten einen kleinwüchsigen Mann, der viele Jahre lang in der Öffentlichkeit boshaft mit seinem Stock gegen Passanten wütete, ihnen gegen die Schienbeine drosch und verbal giftete. So freilich nicht. Hinter der Verbitterung stecken so viele Möglichkeiten: Hilflosigkeit, Einsamkeit, erfahrenes Unrecht. All das verbindet sich in den letzten Lebensjahren zu einem manchmal unheilvollen Konglomerat, dem man irgendwie die Spitze nehmen muß, wennmöglich durch Gnädigkeit, Verständnis und Zuwendung oder, wenn's nichts bringt, durch die härteste Strafe, die einen alten, einsamen Menschen treffen kann: Gleichgültigkeit."

[11:35] Retweet: Habe den Staubsaugerroboter per App angewiesen die Küche zu reinigen. Er fuhr ohne Umwege direkt ins Bad geradewegs Richtung laufende Dusche. Ja, ich weiß, dass meine Küche aussieht wie Sau, aber Freitod ist auch keine Lösung.

[11:33] Retweet: Es gibt ein Volk im Dschungel von Borneo, wenn dort jemand krank wird, müssen alle in den Hütten bleiben, bis er gesund ist. Geht jemand raus, erschlagen ihn die anderen und fertigen aus seiner Haut eine Trommel, auf der sie spielen, um böse Geister zu vertreiben. Ich sag‘s nur.

[11:30] Mittels Forgotify läßt sich Musik anhören, die auf Spotify noch nie aufgerufen worden ist.

[10:27] Retweet: "Was ist das für weißes Pulver neben dem Herd?" "Ähm, ich kokse jetzt!" Als würde ich zugeben, dass ich Saucenbinder benutze...

[10:00] "... ist mir bewußt, wie wichtig für die Medizin Zweckrationalität ist, aber ich weiß genauso, wie schnell die Seele an ihr eingeht und daß eine, die verzagt, vielleicht es gar nicht will, daß der Körper wieder heilt." (ANH)

[9:54] Ein Freund aus Österreich, mit dem ich mich seit Jahren in Brief=Mailkontakt befinde, schrieb mir nach Monaten, eine Erleichterung, weil ich befüchtete, auch dieses schwachen sozialen Kontakts, wie die Psychologen rein virtuell geführte Bindungen einstufen, verlustig zu gehen.

[7:27] Freier Tag 2/3. Tage ohne Alkohol: 1610 = 230 Wochen.

Montag, 11. Mai 2020

[21:14] Übrigens habe ich derzeit drei Twitteraccounts. Bücherlei liegt mangels Lektüre brach, mit Leben und Sterben blase ich Text heraus - Retweets, Zitate, Bonmots und durch Oblomow sammle und verbreite ich Bilder und Cartoons.

[21:08] Retweet: "Habe ich dich gestört?" "Nein, ich war schon vorher so."

[21:07] Cartoons II: Pilot Lounge / Noten / Nachts & Tags / Roboterfrau / Es gibt immer einen Weg / Alles Idioten / Working from Home / Lesen ist ansteckend / Tunnel of Love / Oktoberfest in Köln? / Now / Doppel-Optik / Komm auf die dunkle Seite! / Ego / Voller Pfosten / Gehäkelte Maske / Megaausschnitt / Brigitte / Ich möchte das alles nicht / Trikini / Moderne Kunst? / Buchdeckel / Beleuchtung / Nacht der Nagelknipser / David-Covid / Herzinfarkt / Im Literaturcafe / Ich vermisse Oma / Pontius Pilates / Optische Täuschung / Einsam / 2 Baguettes Abstand! / Päpstliches Homeoffice / ## Teil I ##.

[20:50] Ich bin Prolet, stamme aus einer Arbeiterfamilie. Vater und Mutter hatten keinerlei Affinität zu Kunst und Kultur. Durch Begegnungen mit anderen in meiner Jugend, Geistliche, Gebildete vermochte ich an dieser so anderen Welt zu schnuppern. Während der dreijährigen Internatszeit im Kolleg kam ich durch hervorragende Lehrer ein wenig in Berührung mit Kunst und Kultur und wählte die Literatur als meine Liebe. Zu anderen Künsten suchte ich keinen Zugang, weil Bücher mich durchaus und gänzlich befriedigten. Dadurch schlossen sich freilich nie die Bildungslücken. Maler, Bildhauer, Musiker, die darstellenden Künste sind mir weitgehend unbekannt. Ich blieb Prolet und kaprizierte mich auf leicht Bekömmliches, frequentierte weder Arthouse-Kinos noch stürmte ich Oper, Theater, Konzertsäle oder Museen. Mittlerweile bedauere ich meine Unbildung und die damit einhergehende Fremdheit, wenn mir Kunst begegnet. Nie sah ich einen Ingmar-Bergmann-Film; diese Feststellung war eben Anlaß für diesen kleinen Post, indes ich eine Kulturzeit vom 9. März angucke, in der vom Tod Max von Sydows berichtet wird. Was ich in diesen meinen späten Lebensjahren tue, ist, daß ich mir mittels der Kultursendungen unzählige Berichte ÜBER Kunst und Kultur einverleibe. Und hin und wieder schaue ich wenigstens einen gehaltvolleren Film oder besuche eine Ausstellung.

[17:11] "Nehme ich jetzt Ratschläge vom König der selbstverschriebenen Einsamkeit?" (The Listener S03E06)

[15:00] ... fast hätte ich ein Ausrufezeichen gesetzt, quasi Hanseatenekstase." (Maximillian Buddenbohm)

[14:33] Kommissar Cain zu den internen Ermittlern: "Verstehen Sie, was ich meine? Oder arbeiten Sie schon zu lange am Schreibtisch?" (S03E04)

[14:15] Retweet: Ungeheuerlich! Thema egal.

[14:14] Retweet: Wer hatte eigentlich die Idee, bei den Lockerungen mit den Schrauben anzufangen?

[14:13] Retweet: Ich bin ja gespannt, wie viele Tage (Stunden?) wir noch davon entfernt sind, dass ein führender Virologe "Ach, fickt Euch einfach! Dann verreckt doch alle!" sagt.

[14:00] Die Ermittler kommen in das Atelier eines Künstlers und sehen monströse Skulpturen: "Sagen Sie jetzt nicht, Sie hätten eine glückliche Kindheit gehabt. Das glaubt Ihnen sowieso keiner." (Kommissar Cain S03E04)

[13:00] Nach Nachtdienst 2/2 = Freier Tag 1/3. Tage ohne Alkohol: 1609.

Sonntag, 10. Mai 2020

[16:44] 3. Schicht. Vor Nachtdienst 2/2. Tage ohne Alkohol: 1608.

Samstag, 9. Mai 2020

[18:53] Neurourbanisten untersuchen den Einfluß des städtischen Lebensraums auf den Menschen. Beispielsweise ist die Gefahr bei Städtern, Schizophrenie zu bekommen, um ein Zwei- bis Dreifaches erhöht.

[18:44] "Vielleicht klagt man doch mit Unrecht über die neue Zeit, daß sie Alles umzustoßen suche, ohne etwas Besseres dafür aufzustellen. Wollt Ihr denn, wenn Ihr ein Zimmer malen laßt, den Erfolg nach dem Zeitpunkte beurtheilen, wo man die alte Farbe von den Wänden abkratzt, und die neue nur erst eingerührt wird? Wartet bis sie aufgetragen seyn wird und trocken ist. Taugt sie dann nichts, so habt Ihr Recht zu sagen: Besser, man hätte es beim Alten gelassen!" (Hermann von Pückler-Muskau, Tutti Frutti. Aus den Papieren des Verstorbenen. 1834)

[18:25] Mitten in der Stadt beschreibt man das Landleben am schönsten. (Jules Renard)

[10:00] "Druck' es oder zerreiß' es - alte Journalistenregel." (Tatort "Verraten und verkauft")

[8:00] 2. Schicht. Vor Nachtdienst 1/2. Tage ohne Alkohol: 1607.

Freitag, 8. Mai 2020

[11:55] "Das Wort 'gleich' hat in Krankenhäusern eine andere Zellstruktur als die unsre." (ANH)

[10:58] In Afrika stirbt alle zwei Minuten ein Kind an Malaria. Jeden Tag sterben mehr als 1.200 Menschen an Malaria - 445.000 pro Jahr.

[10:21] Nachts im Radio gehört, daß aufgrund der Phonetik manche Sprachen für die Verbreitung von Viren "geeigneter" (ab Minute 26:50) sind als andere. Englisch und Deutsch sind virulenter als beispielsweise Französisch, Dänisch, Arabisch, Koreanisch. Sprachen, bei denen Zischlaute und Plosive eine hohe Sprechspannung besitzen, erweisen sich als Virenschleudern. Erstmals bewußt das Wort Sprechspannung vernommen.

[8:50] Meine Kurzbiografie angepaßt, den pathetischen Passus über meine hehren Ziele als Leser und Buchliebhaber herausgenommen, gleichfalls das Lebensmotto von Dostoevskij: "Ich habe einen Plan: verrückt zu werden." Es paßt nicht mehr. Ich lese seit 2015 nicht mehr und verfolge kein idealistisches Ziel mehr, sondern kämpfe stattdessen gegen die eigenen Dämonen und ums Überleben. Am liebsten würde ich wieder offline gehen und mache das nur nicht, weil es sowieso niemanden interessiert und auffiele. Diese Miszellen benenne ich im Untertitel um in "Ein Notizbuch vom Nichtmehrleben", um nicht gänzlich auf Pathetik verzichten zu müssen.

[8:11] 1. Schicht. Vor Spätdienst 1/1. Tage ohne Alkohol: 1606.

Donnerstag, 7. Mai 2020

[14:51] In welcher Art von Geschäft bekomme ich eine ordentliche Lupe?

[13:23] Black Mirror (S05E03 / "Rachel, Jack and Ashley Too") gefällt mir wieder hervorragend, nachdem mich "Striking Vipers" (S05E01) enttäuschte und mir "Smithereens" (S05E02) zwar grundsolide, aber zu linear und einfach gestrickt erschien und nicht die Begeisterungsstürme wie bei den ersten Staffeln auslöste. Ein Popsternchen (gespielt von Miley Cyrus) wird durch ihre Tante vermarktet und mit Tabletten bei Laune gehalten. Als sie sich verweigert, wird sie medikamentös ins Koma befördert. Mittels Hirnwellenübertragung werden Songs für die nächste Platte aus ihr herausgepreßt und ein holografisches Pendant geschaffen. Parallel dazu gibt's als Merchandising eine der Sängerin nachgebaute KI-Puppe, die jedoch ausflippt, als sie von deren Koma erfährt und in einer Guerillaaktion mit Teenagern die gefangene Sängerin befreit und die Farce auffliegen läßt. Wunderbares Setting, souverän gespielt, fiktives Futter für die dystopisch durch die Realität verwöhnte Seele. Glänzend!

[12:47] Ich bin ein Fan schwarzhumoriger Serien mit verschrobenen Ideen. Inzwischen versammelt meine Favoritenliste eine stattliche Anzahl von Einträgen: Miracle Workers, Good Omens, The Good Place, Arthurs Gesetz, Dead like me, Getting on - Fiese alte Knochen, Kleine Morde unter Nachbarn (Lark Road), Deadbeat, Vice Principals, Yonderland, Pastewka.

[9:21] "Seit wann sehen Sie sich die Nachrichten an? Sie sind ja schon mit 'ner Quizshow überfordert!" (Doctor Who S03E01)

[7:00] "Die Heiler gelten Ärzten als Scharlatane, im besten Fall als Hochstapler, im schlechten als bloß Irre, doch denen gelten die als dienende Teile einer riesigen, unfaßbaren Geldmaximierungsmaschinerie, die in rein ökonomische Gewinninteressen gebeugt ist: in der gesundheitsmilitärischen Befehlskette dienende gemeine Soldaten vorne an der Front, die nicht mal um den Kriegsgrund wissen." (ANH)

[5:47] Freier Tag 2/2. Tage ohne Alkohol: 1605.

Mittwoch, 6. Mai 2020

[19:30] Good Omens und Kleine Morde unter Nachbarn (Lark Road) sind (Serien-)Entdeckungen der letzten Tage. Die erste thematisiert die prophezeite und in Gang gesetzte Apokalypse, gegen die sich Dämon Crowley und Engel Erziraphael wehren. Die britische Miniserie basiert auf dem Fantasy-Roman "Ein gutes Omen" von Terry Pratchett und Neil Gaiman. Die zweite Serie stammt aus Dänemark und karikiert das Vorstadtleben mit lauter Charakteren und deren mehr oder weniger dunklen Geheimnissen.

[16:04] "Was macht du da, Dad?" "Ich recherchiere, welche Drogen zu Wahnzuständen führen" "Willst du etwa zuhause Urlaub machen?" (Private Eyes S2E11)

[13:10] "... gibt es zwei 'ich' in wichtig, Rechtschreibung hin oder her." (Good Omens E02)

[12:33] Nach Maimonides sei das Risiko einer falschen Entscheidung dem Terror der Unentschlossenheit vorzuziehen.

[10:06] Ich habe bei ANH (kommentiert): "Grüße und Wünsche aus Leipzig. Ich kann Ihre jetzige Situation wohl kaum nachempfinden, weiß jedoch um die Äußerlichkeiten, weil ich als Pfleger in der Onkologie und, jetzt wieder, der Gastroenterologie arbeite. So wanderten meine Gedanken selbst mitten im Streß, dessen Choreografie Sie ansatzweise notierten und miterlebten, während der letzten Tage ab und an zu Ihnen, dessen Weblog ich von Beginn an kenne und wertschätze. Nach dem Staging nun heute Tumorboard. Möge doch das Beste möglich sein, kurativ denken und handeln zu können! Ihr Leipziger Bibliomane."

[9:44] "'Gut. Ich werde Ihre Entlassung in die Wege leiten.' - 'Bestens. Dank.' Lächeln. Aber durch diese Mundschutze (oder heißt es "schütze") zu flirten, braucht eine Vorstellungskraft, für die der Klinikablauf aus nachvollziehbaren Gründen keine Luft läßt." (Alban Nikolai Herbst)

[9:00] Eigentlich liegen auf unserer Station Patienten mit endokrinologischem (v.a. Diabetes Typ 1 und 2) und gastroenterologischem Krankheitsbild, welches breit gefächert ist. Organe wie Magen, Darm, Milz, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse sind betroffen. Akute Blutungen (= GIB) sind am häufigsten, Entzündungen (z.B. Pankreatitis, Cholezystitis), Steinleiden (Choledocholithiasis, die oft zu Verengungen und Verschlüsse führen), Tumoren=Krebs. Täglich werden zig Endoskopien durchgeführt: Magenspiegelungen (Gastroskopie), Darmspiegelungen (Koloskopie), Enddarmspiegelung (Rektoskopie), Bauchspeicheldrüse/Galle (ERCP). Die häufigsten Begleitdiagnostiken sind zudem CT und MRT. Die Vor- und Nachbereitungen bei diesen Eingriffen sind vielfältig und zeitraubend. Blutentnahmen sind häufiger als in anderen internistischen Bereichen; denn andauernd werden aktuelle Werte (Blutbilder, Elektrolyte und Blutgerinnung) benötigt. Die Patienten bekommen sehr sehr oft mehrmals am Tag zu den unterschiedlichsten Zeiten und meistens intravenös Antibiotika, Schmerzmittel, Infusionen, Substitute (z.B. Eisenpräparate). Blutentnahmen sind laut Gesetzgeber normalerweise ärztliche Aufgabe, werden jedoch delegiert. Man malträtiert Patienten, die sich oft schon in Behandlung befanden und deren Gefäßverhältnisse sich dementsprechend grottig ausnehmen. Die Nadel im Heuhaufen ist auf Station also die punktierbare Vene an Armen und Beinen. Ziemlich alle Patienten haben periphervenöse (Flexülen) oder zentralvenöse Zugänge, die regelmäßig Probleme bereiten und gewechselt werden müssen. Dauersport in dieser Disziplin ist die stetige Suche nach einem Arzt, der sie dem Patienten neu legt. Erschwerend kommen die so genannten Außenlieger hinzu. Patienten aus anderen medizinischen Bereichen, die aus Kapazitätsgründen nicht auf den dafür zuständigen Stationen liegen können und bei uns sozusagen "außengelagert" werden, so daß wir nun auch chirurgische Krankheitsbilder bedienen sollen, die uns völlig fremd und ungewohnt sind, von deren Handling wir wenig bis keine Ahnung besitzen und die neuartige Herangehensweisen abfordern, in die wir uns - neben dem "gewohnten" Streß - mühsam einfinden müssen. Außenlieger werden nicht gemocht und als große Last und Belastung empfunden.

[7:30] Freier Tag 1/2. Tage ohne Alkohol: 1604.