Bücherlei Notate

Themenbereich: Krankenpflege & Medizin


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Was anderswo oft untergeht, in Archiven verschwindet, beispielsweise Getwittertes, dieses kleinen Notate sollen hier thematisch gesammelt werden. An dieser Stelle oft selbst Erlebtes aus meinem Beruf.

  29 Jahre Krankenpfleger, und dennoch erlebt man ständig noch Neues und Unerwartetes. Im letzten Nachtdienstzyklus kam ein betagter Patient, seines Zeichens Zeuge Jehovas, an unseren Tresen getippelt und spielte uns auf seinem Tablet ein Videofilmchen vor, mit dem er uns über die Schöpfung der Welt aufklären wollte.

  Mir ist nicht klar, inwieweit sich das durch das Bundesverfassungsgericht ergangene Urteil zu den FEM (Freiheitsentziehende Maßnahmen = Fixierung) auch auf uns bezieht. Denn in allen Berichten sprach man von Fixerungen in der Psychiatrie. Aber auch bei uns werden gegebenfalls Patienten fixiert, wenn auch maximal mit einer 4-Punkt-Fixierung, d.h. an allen vier Extremitäten, meist nur 2- oder 3-Punkt unter Freilassung von je 1 Hand bzw. 1 Fußes. Meist tritt dieser Notfall nachts auf, so daß der diensthabende Arzt (AvD) darüber entscheidet. Die Gefahrenlage für den Patient und/oder das Pflegepersonal erfordert die FEM bei uns auf einer Peripheriestation nur selten; auf Intensivstation mag sie öfter auftreten. Den mir eindrücklichsten Fall erlebte ich vor einigen Jahren, als ein Onkologiepatient durch eine dexamethasoninduzierte Psychose akut paranoid und selbstmordgefährdet wurde und mit allem warf, was das Equipment einer Station hergab: Blumentöpfe, Flaschen, Tassen, und sich von der Brüstung des Balkons zu stürzen drohte. (27.7.2018)

  Retweet: Das Professionellste, was ich heute im Nachtdienst gesagt habe, war vermutlich: "NICHT DIE MAGENSONDE ZIEHEN, FRAU F., SONST LEGT DER ARZT UNS BEIDE ÜBER'S KNIE!"

  Eine geriatrische Patientin erwähnte, daß sie zuhause stets eine Schüssel mit Wasser im Zimmer stehen habe, um die Luft zu befeuchten. Nachts wurde sie dann durch eine Kollegin ertappt, wie sie gerade mit dem Rollator aus dem Bad kam, auf ihm einen Mülleimer voller Wasser, natürlich um ihr Ideal der Luftfeuchtigkeit in die Tat umzusetzen.

  Eine am Wochenende auf der Geriatrie eingelieferte betagte Patientin aus einem Pflegeheim zeigte eine beachtliche Motivation: "Am Donnerstag muß ich aber wieder zuhause sein. Da ist der Ball der einsamen Herzen!"

  Wir haben tierische Groupies auf Station. Die Taube im letzten Jahr tauften wir Mechthild. Man konnte die Uhr nach ihr stellen: morgens um 5 Uhr begann ihr Frühdienst. Sie suchte und fand jedes offene Fenster und machte sich vorzugsweise in der Stationsküche oder in einem der Arztzimmer zu schaffen und reagierte empört gurrend, sobald wir sie daraus vertreiben wollten. Wenn sie keinen Zugang ins Innere fand, trippelte sie stundenlang auf dem Außensims entlang und guckte vorwurfsvoll zur trennenden Scheibe herein. Mechthild kam irgendwann nicht mehr, bis uns in diesem Jahr eine neue Taube ins Visier nahm, die wir Gudrun nennen. Irgendwie auch passend für eine Geriatrie, eine Taube. (10.7.2018)

  Demente Patientin möchte jetzt sofort nach Torgau zum Schnee schippen. - Insofern ein ganz normaler Dienst auf der Geriatrie.

  Patient kommt an den Stationstresen und möchte einen Beschleuniger. Gemeint ist: ein Abführmittel.

  Heute war ich zum Reanimationskurs, der für uns alle zwei Jahre verpflichtend ist. Dies changiert im Lauf der Zeit. Gerne auch alljährlich. Die Richtlinien ändern sich immer wieder. So oft man die Abfolge und das Drumherum auch hört, jedes Mal fällt einem etwas Neues auf. Aber auch sonst lohnt es sich, weil man im Fall der CPR wie ein Automat funktionieren muß. Alles muß wie am Schnürchen klappen. Glücklicherweise bin ich bis jetzt verschont geblieben und mußte niemals jemanden außerhalb der Klinik wiederbeleben. (19.6.2018)

  Eine geriatrische Patientin, bei der der Nachtstuhl gewechselt werden muß, klingelt und meint, puh, der Gestank... "Warten Sie, da kann ich helfen." Sprichts, schnappt sich eine Tasse Kaffee und kippt sie in den Topf. Kaffee sei doch geruchsneutralisierend.

  Die verheerende Nervenkrankheit Chorea Huntington kann nicht geheilt werden. Ein neuer Therapieansatz durch Tanz und Berührungen in einer Pariser Klinik schafft jedoch Linderung und subjektive Besserung.

  Retweet: So wichtig, die Sprache der Patienten zu sprechen. - "Son Quatsch, ich brauch keine Gehhilfe" heißt z.B. "Druck schon mal das Sturzprotokoll".

  Die Bedingungen für die Pflege in Schweden werden aus unserer Sicht häufig als rosig beschrieben, der Pflegeschlüssel (Verhältnis zwischen Pflegepersonal und Patienten) großzügiger. Um so überraschter war ich zu lesen, daß die Unzufriedenheit unter schwedischen Pflegekräften keineswegs geringer ist als bei uns.

  Mein Pfleger, der Roboter: "In Japan werden Roboter in der Pflege schon länger eingesetzt: Die Maschinen spielen mit den Patienten. Sie können aber mehr: zum Beispiel die Pflegefachkräfte entlasten."

  Retweet: Nach'm Nachtdienst so kaputt sein, dass man überlegt einfach schnell was zu aspirieren, damit man als Patient auf Station bleiben und liegen kann.

  "Wir verlieren ihn!" - Ein Klischeesatz aus Filmen/Serien, der realiter bei einer Reanimation nie gesagt wird.

  Demenz und Kolostoma kann eine fatale Kombination sein, wenn der verwirrte Patient ständig seinen Stomabeutel abpfriemelt und wir Pflegekräfte mehrmals nachts gezwungen sind, dem Patienten auf den stuhlverschmierten Leib zu rücken. Und wenn der Patient statt im Bett ausgestreckt am Boden liegt, wir also von einem der so häufig auftretenden Stürzen ausgehen müssen, was eine Kaskade an notwendigen Maßnahmen auslöst, dann zucken schon mal die Augenlider in nervöser Manier.

  Retweet: Der Internist: "Die ganzen Pharmavertreter gehen mir voll auf die Nerven." - Der Anästhesist: "Was sollen wir erst sagen. Pro Woche habe ich zehn Kaffeevertreter."

  Retweet: Die Empfehlung unserers Stationssommeliers für unsere ganz besonderen Gäste: einen 2017-Haloperidol-Tavornay DeLuxe. Verwöhnt den Gaumen und zeigt im Abgang einen ordentlichen Bums mit Schicht im Schacht für heute.

  Manche Patienten fühlen sich durch unsere nächtlichen Rundgänge gestört und reagieren unwirsch. Der Hinweis, daß man sich, wenn man partout verläßliche Ruhe erleben will, vertrauensvoll an den Bestatter seiner Wahl wenden solle, sorgt dann für die nötige Klarheit der Situation.

  Retweet und Adaption des skandalisierten Gomringer-Gedichtes.
Pflegenotstand
Pflegenotstand und Überlastung
Überlastung
Überlastung und Gleichgültigkeit
Pflegenotstand
Pflegenotstand und Gleichgültigkeit
Pflegenotstand und Überlastung und Gleichgültigkeit und Jens Spahn

  Im Nachtdienst von Gründonnerstag auf Karfreitag klingelt um 3.40 Uhr ein Pflegefall, der sonst den Mund nicht aufkriegt. Ich: "Ja, bitte, wer hat geklingelt?" - Gomer: "Ich muß jetzt aufstehen!" - Ich: "Wieso das denn?" - Gomer: "Ich will Ostern feiern."

  Ein Novum für mich: auf unserer Station wurde einer Patientin direkt am Stationstresen ein Heiratsantrag gemacht. Wir sind wohlgemerkt vom Altersdurchschnitt nicht so, daß man derartige Ereignisse erwarten würde.

  Dinge, die eine Krankenschwester nicht sagt: "Ich frage mich immer wieder, welcher kluge Mensch auf die Idee gekommen ist, den Lichtschalter nur wenige Milimeter von der Notrufklingel anzubringen."

  Der Tumor darf bei mir wohnen: "Wer an Krebs erkrankt, muss kämpfen und wer verliert, hat nicht genug gekämpft? Was wir wirklich bekämpfen müssen, ist die Kriegsmetaphorik in der Tumortherapie."

  Die freundlich-demente Patientin, die jedes Mal, wenn wir nachts beim Rundgang pflegerische Handlungen bei ihr ausführen, abschließend fragt: "Und was mache ich jetzt?" "Sie können jetzt noch ein paar Stunden schlafen!" "Ach, das ist ja schön."

  Man soll sich nicht über die Gebrechen anderer lustig machen, schon gar nicht als Krankenpfleger. Doch wenn ein Patient wie ein Hase hoppelt, was ich so noch nie gesehen habe, dann ist das in dieser osternahen Zeit schon ein wenig skurril & erheiternd.

  Eine schwerkranke Patientin mit Krankenhauserfahrung, nicht auf den Mund gefallen, etwas burschikos und verbal robust, motiviert eine Kollegin, die bei ihr eine Blutgasanalyse (Astrup, BGA, Säure-Basen-Status) abgenommen hat: "Jetzt aber schnell gehen, sonst gerinnt's!" Ist doch toll, wenn man solche fachlichen Tipps mitbekommt, auf die man als Pflegekraft sonst nie gekommen wäre, weil man ja nie die Erfahrung machen mußte, daß BGAs verdammt nochmal ruckzuck hämolytisch werden = gerinnen und wiederholt werden müssen.

  Eine neue Patientin, die ich aus der Notaufnahme holte, übrigens mit ausgeprägtem Damenbart, der schon fast ein veritabler Männerbart genannt werden konnte, wurde durch mich auf ihr Zimmer gebracht, bekam alles erklärt, wo etwas ist, wie die Klingel funktioniert, und wurde schließlich ins Bett verfrachtet. Als ich mich schon abwendete, um mit dem Rollstuhl das Zimmer zu verlassen, kam von hinten noch die Frage: "Und? Was ist denn jetzt hier meine Aufgabe?"

  Immobile Patienten sind oft schmerzempfindlich, wenn wir sie betten, d.h. im Bett bewegen, drehen, um ihre Position zu wechseln, damit sie kein Dekubitus (Druckgeschwür) bekommen. Dadurch daß wir es in der Geriatrie & Onkologie mit einer Überzahl an immobilen Patienten zu tun haben, ist die Arbeit sowohl kräftezehrend als auch Routine. Und Routine verleidet zu routiniertem Verhalten. Alles muß schnell gehen, die Abläufe "sitzen", während der Patient liegt und meist eben noch geschlafen hat und sich oft wundert, was denn nun schon wieder los ist. Dementsprechend verwundert, erbost oder erschrocken reagiert er, wenn wir uns ans Bett schleichen und die Bettdecke wegzerren, um eben das zu tun, was getan werden muß. Gestern Nacht ein Patient: "Aua." - Kollegin: "Nu hab' dich ma' nicht so lullig!" Nur, um mal die Zärtlichkeit auszudrücken, mit der wir die Kranken verwöhnen.

  Beim nächtlichen Versorgen eines Patienten, eines medizinischen Doktors. Kollegin: "Ist es nicht so, daß Doktoren eher eine runde Brille tragen?" Der Patient: "Sie wollen sicher wieder darauf hinaus, daß ich mal Gerichtsmediziner gewesen bin." Wir: "Ach... nein..., - wie kommen Sie denn DArauf?" "Ich würde das heute auch nicht mehr machen." Ich: "Nein? Was denn stattdessen?" Doktor: "Ich würde in die Klinik gehen." Ich: "Die Arbeit hat sich aber auch ziemlich gewandelt. All der Papierkram, das ist nicht mehr feierlich." Doktor: "Och, den hatten wir auch."

  Im Aufenthaltsbereich unserer Kliniketage sitze ich täglich vor dem Dienst. Gestern gesellte sich eine Frau mit ihrem Kleinkind dazu. Die Mutter daddelte am Handy, das Kind langweilte sich und legte sich plötzlich auf den Fußboden. Die Mutter seufzte: "Och nö, du mußt aufpassen hier im Krankenhaus mit deinen Sachen wegen der Bakterien überall." Das Kind setzte sich wieder auf den Stuhl und baumelte mit den Beinen. 1 Minute Stille. Dann das Kind: "Mama, wo sind denn nun die Bakterien?" - Das muß einem aber auch gezeigt werden, oder?

  Pflegekräfte, die von besorgten und/oder wißbegierigen Angehörigen in die Mangel genommen werden, werden losgeeist, indem man an der Gruppe vobeihastet und der Malträtierten zuraunzt: "S., wir brauchen Hilfe. Kommst du bitte mal!" Letztens blaffte eine Angehörige daraufhin: "Puh, ich kenne den Trick. Ich arbeite selbst in der Pflege.

  Betreten wir nachts beim Rundgang ein Krankenzimmer, schlafen in der Regel die meist alten Patienten. Um so überraschender, wenn man von einer 85-Jährigen früh 4 Uhr in jovial-munterer Weise so begrüßt wird: "Guten Morgen! Stellen Sie die Waschmaschine an?"

  Eine Bezugnahme und eine Wirkung, auf die man SO spontan nicht kommt: Healing Architecture. Wobei mir "Mitarbeiter, die sich wohlfühlen, können Patienten besser betreuen" am besten zusagt. In Frankreich wären Einzelzimmer mittlerweile Standard. Zu sagen wäre, daß wir in der Geriatrie einfach über zu kleine Zimmer verfügen, so daß Patienten mit ihren Gehbänken oder Rollatoren dauernd Parcour laufen müssen.

  Ein neues Sprachrohr der Pflege ist der CareSlam, der "Elemente von Poetry-Slam und ScienceSlam mit politischen Inhalten" verbindet. Gehört im Podcast der Notaufnahmeschwester.

  Krankenhauskost ist oft eine Form der aktiven Sterbehilfe. (Gerhard Kocher)

  Die Schlüsselfrage ist bei der Arbeit mit Dementen eine Schlüsselfrage. Auf Station herrscht oft Kleidungskommunismus. Patienten tragen Kleidung anderer auf, was die Angehörigen weniger erheiternd finden, wenn sie die schicken Klamotten von Mutter oder Vater plötzlich an der möglicherweise noch schmuddeligen Patientin im Nebenbett entdecken. Bäumchen bzw. Pullover wechsle dich. In solchen Fällen, wenn Demente alles, was nicht niet- und nagelfest ist, an sich reißen, durcheinanderbringen oder an den absurdesten Orten horten, werden meist die Schränke verschlossen, wenn überhaupt noch deren Schlüssel auffindbar sind; denn Schlüssel gehen in der Geriatrie ebenso oft verloren wie die Erinnerungsfähigkeit der Betagten.

  Retweet: Patient betritt Raum zur Blutentnahme. "Bin ich hier richtig bei den Vampiren und Blutsaugern?" "Nein, die Geschäftsleitung ist im 1. Geschoss."

  Retweet: Ich glaube, einige in der Ärzteschaft haben das mit der Schweigepflicht missverstanden. Mit den eigenen Patienten darf man reden!

  Eine meiner Kolleginnen berichtet davon, wie sie einer Patientin im Bad bei der Körperpflege behilflich ist. Dabei gilt es, immer zu eruieren, was und wieviel der zu helfenden Person zuzumuten ist. Prämisse ist, daß sie möglichst viel selbst erledigt. Auf die Nachfrage, wie es denn um das "Untenrum" bestellt sei, kommt es aus der betagten Dame: "Um mein Erdgeschoß kümmere ich mich selbst!"

  Ein Krankenhaus in Donauwörth reagiert auf den Pflegekräftemangel, indem es die Bettenzahl an die vorhandenen Pflegekräfe anpaßt, d.h. daß es Zimmer/Betten sperrt, wodurch dem KH Geld verloren geht.

  Als uns letzens die Urinalkondome für die Patienten ausgegangen waren, meinte ein Kollege, er hätte dem Patienten eines aus seiner Privatschatulle gegönnt.

  Ein Patient, dem ich den Blutzucker am Ohr bestimmte, zu mir: "Wieviel ATÜ sind's denn?"

  Zu den die Nerven der Pflegekraft strapazierendsten Situationen gehört es, wenn ein dementer oder deliranter Patient aufzustehen versucht, aber akut sturzgefährdet ist. Weil wir die "normalen" Arbeiten nicht ruhen lassen können, stellen wir das Bett nachts häufig unter Beobachtung direkt vor unseren Tresen. Aber beobachte mal, wenn du dich auf anstehende andere Aufgaben konzentrieren mußt! Die Zweiteilung der Aufmerksamkeit, die ununterbrochene Intervention beim verwirrten Patienten (beruhigendes Einwirken, Beine wieder ins Bett bewegen) beansprucht Kraft und Nerven, wenn dies über 8 Stunden hinweg so geht. Nach Dienstende ist man ein Wrack - so geschehen in der vergangenen Nacht, so daß sich meine angespannte gesundheitliche Situation zusätzlich verschärfte. Abgesehen vom möglichen Schludern bei den Arbeiten, die durch ständiges Einwirken auf den Patienten massiv beeinträchtigt werden, was einen einem Gefühl der Unsicherheit, des Unvermögens und einer diffusen Bedrohlichkeit aussetzt.

  In CSI Cyber S02E05 finden Angriffen auf Beatmungsgeräte, Infusiomaten, Perfusoren und einen Kernspintomografen statt, die über W-Lan mit dem Krankenhausnetzwerk verbunden sind; zudem werden elektronische Akten gefälscht, wodurch ein Patient eine Spritze mit einem Wirkstoff bekommt, gegen den er allergisch ist. Meine Frage, ob in den USA tatsächlich schon die Technik derartig in den Gesundheitseinrichtungen Einfluß auf die Versorgung der Patienten nimmt. Bei uns sind technische Geräte, die am Patienten arbeiten, noch in keiner Weise mit einem Netz verbunden. Und die Krankenakte wird vorerst brav per Papier geführt, wenn auch ergänzt durch eine elektronische Version, die Laborinformationen, Diagnosen, Untersuchungsergebnisse usw. lediglich archiviert, über die aber keine therapeutischen Maßnahmen ausgelöst werden können. Anordnungen und deren Durchführung erfolgen ebenso brav in bekannt unleserlicher Manier per Papierakte.

  Aus einem ärztlichen Einweisungsprotokoll: "Der uns wohl bekannte Herr mit der neuen windschnittigen Frisur möchte mal wieder ins KH, nachdem er genug des berauschenden Mittels mit den vielen Promillen namens Alkohol genossen hat. Er habe keine Schmerzen, ließ er verlauten. Nur ein warmes Bett sei sein Begehr. Der Gang zur Kutsche war mithilfe der 2 starken Sanitätsmänner sehr elegant. - Arbeitsdiagnose: Zu viel gsuffn hada.

  Kollege bei der Dienstübergabe, bei der zu jedem Patienten etwas geäußert werden muß, damit der Nachfolgedienst im Bild ist, über einen, sagen wir, etwas antriebsgeschwächten Mann, der sich durch nichts, schon gar nicht durch körperliche Aktivität hervortut: "Pat. geht auf die Urinflasche, das ist der Höhepunkt seines Tages."

  Beim Rundgang durch die Patientenzimmer wurde ein Kollege mit der Bemerkung empfangen: "Du kommst hier aber auch zu Zeiten!"

  Manche bettlägerige Patienten sind furchtsam, wenn sie gelagert und zur Seite gedreht werden. Sie krallen sich an allem fest, was sich in Reichweite befindet: am Bettgitter, an der Pflegeperson, die auf seiner Seite steht, an Infusionsständer oder Nachttischen. Letztens rief ein solcher Patient, der nur mühsam in seitliche Lage gebracht worden ist, in SEINER höchsten Not aus: "Komm, hör auf, ich werde hier ohnmächtig!"

  Jede Gruppe entwickelt eine Gruppensprache (Soziolekt). Auch wir in der Pflege, auf Station. Vor einiger Zeit kam das im Tagebuch beispielhaft vor. Auch Verhörer oder Versprecher finden Eingang in eine dynamische Kommunikation untereinander. Eine Kollegin las statt Analfissur - Analfrisur. Logisch, daß hierbei Bilderwelten zum Tragen kommen. Und den in der Krankenpflege täglich zu begegnenden Intertrigo (der gemeine Wolf in Leisten, Bauchfalte oder unter der Brust [submammär]) nennen wir gerade "Enrico". Außenstehende würden uns mittelfristig nicht mehr verstehen, wenn solche sprachlichen Eigenheiten nicht auch wieder verschwinden würden. Trotzdem machen sie in der Phase, in der sie virulent die Gruppensprache prägen und beeinflussen, einen Heidenspaß.

  Sichtung erstmal notieren, später ggf. in eine Liste packen: "Spritzenmässig. Kurioses, Krasses und Komisches aus der Notaufnahme". Die Krankenschwester Anna Tarneke berichtet aus den Niederungen einer deutschen Notfallambulanz. Solch ein Buch würde ich mir aus dem Betrieb einer Normalstation wünschen, wie wir sagen. Denn überwiegend wird, wenn das Thema in den Medien aufs Tapet kommt, aus OP-Sälen, Intensiv- und eben Aufnahmestationen berichtet.

  Der Bestand an Betäubungsmitteln (BTM) muß im stationären Betrieb streng dokumentiert werden. Dafür gibt es separate Karten, auf denen der Ab- und Zugang von Tabletten, Ampullen, Tropfen, Pflastern usw. akribisch verzeichnet wird. Nun geschah es, daß eine Fachkraft eine Packung Palexia vor sich sah, auf der 14x1 Retardtabletten angegeben war, und die Schachtel mit 15 Tabletten als Zugang dokumentierte. Wodurch bei einer späteren Kontrolle natürlich eine Tablette "fehlte", weil eben nur 14 Tabletten in der Schachtel vorhanden gewesen waren. Die kleinen Freinheiten der Wahrnehmung und deren mathematische Umsetzung sorgen also für Erheiterung bei den nicht beteiligten Personen. Man ist, was Humor betrifft, in der Pflege ja bereits für sehr wenig sehr dankbar.

  Kleine, leicht makabre Anekdote aus unserem Pflegealltag: Angehörige rücken in Schwarz an, um Abschied zu nehmen. Wer denn gestorben sei? Es stellt sich heraus, daß der Ehemann übermittelt habe, Frau X sei nun eingeschlafen, und habe das wortwörtlich gemeint, nämlich im Sinne des Einschlafens. Die anderen Verwandten begriffen "verstorben". Aber auch die gegenteilige Variante ist vor einiger Zeit vorgekommen. Eine Kollegin bemerkt, daß ein Patient verstorben ist, begegnet auf dem Gang den anrückenden Angehörigen, entgegnet ihnen, Herr X. sei eben eingeschlafen. Die erleichterte Reaktion der Verwandten: 'Gott sei Dank, daß er endlich einmal Schlaf findet!"

  Dieser eher unspektakuläre Hilferuf aus der Altenpflege beeindruckt mehr als so mancher reißerische journalistisch-investigative.

  Hoffentlich wir es nicht als sexuelle Belästigung empfunden, wenn ich der Kollegin die Kacke vom Schuh wische.

  Wir werden die Aufklärung zu einer Endoskopie ab sofort auch Sondierungsgespräch nennen.

  "Ich will Sie nicht quälen, kann Sie aber auch nicht schonen." (SOKO Wismar S11E07) - Super Satz für die Kommunikation mit Patienten. Muß ich mir merken.

  Retweet: "Sie erinnern mich an meinen dritten Ehemann!" "Wie viele hatten Sie denn?" "Zwei." Flirttechnisch ist die uralte Patientin hellwach.

  In den gestrigen Tagesthemen, die ich wie alle anderen Sendungen jetzt nachgucke, wird vom Hungerstreik von Ärzten in Polen berichtet. Anlaß war der Tod einer Kollegin durch Überarbeitung, also wohl das, was die Japaner Karoshi nennen.

  Patientin zu uns beim nächtlichen Rundgang: "Eure Nester sind aber kalt!"

  Wahrscheinlicher Beginn der Dienstübergabe: wenn Kollegen sich die Flecken auf ihren Kittel erklären.

  Der Oberknaller an Patientenausssagen und ein Anwärter für die Top 5: "Ich bin tot. Können Sie mal jemanden holen, der das bestätigen kann."

  "Das Lächeln der aus dem Schlaf aufwachenden, sich verloren wissenden Frauen, die feststellen, daß sie noch immer in der qualvollen Welt sind, ist Grauen, sonst nichts." (Thomas Bernhard: Verstörung) - Präzise Beschreibung der für uns Pflegekräfte allnächtlichen Erfahrung, wenn wir die betagten, bettlägerigen Patienten wach machen müssen, um sie zu lagern und zu windeln.

  Da der Tag nach einem Nachtschichtzyklus als so genannter Ausschlaf- bzw. Jetlagtag für die Lektüre erfahrungsgemäß verloren ist, folgt nun der gestrige Polizeiruf 110: Nachtdienst, der genau in dem Milieu spielt, in dem ich arbeite. Auch wenn ich nicht in einem Pflegeheim arbeite, sind unsere Patienten auf der Geriatrie und Onkologie doch dem Klientel eines Altenheims sehr ähnlich, wenn nicht eigentlich deckungsgleich - mit der Ausnahme, daß wir nur die "komplizierten" Fälle haben, bei denen eine stationäre Behandlung erforderlich wurde, während in einem Wohnbereich eines Seniorenheims ja auch noch rüstige und selbstständige Heimbewohner leben. (8.5.2017)

  Eine betagte, demente und adipöse Patientin, die durchaus der Hilfe bedarf, belehrt uns jovial: "Ich komme ganz gut allein zurecht! Mach dir da mal keine Sorgen, Dicker!"

  Auf der Patientenkurve wird oben die Kostform eingegeben, die für einen Patienten gilt, meist Vollkost, oft noch Diabeteskost, obwohl Diabetiker heutzutage nichts anderes erhalten als Nichtdiabetiker, nämlich eine gesunde Mischkost. Wir in der Geriatrie haben oft noch Seniorenkost oder für diejenigen mit Schluckstörungen die Dysphagiekost. Unsere onkologischen Patienten dürfen unabhängig vom Speiseplan des Krankenhaus-Caterers ihre Essen zusammenstellen, was dann als Wunschkost bezeichnet wird. Als absolut neu begegnete mir gestern auf einer Kurve der Ausdruck "Moslemkost", über den mein Kollege und ich uns nachts beömmelten. Dabei kennt ihn Google, er scheint gar nicht mal so ungängig zu sein. Nur in unserem Stationsbetrieb ist er mir zum ersten Mal hochuntergekommen. Gängigerweise wird für Muslime eine "Vollkost ohne Schwein" bestellt. Inwieweit in Zukunft im Krankenhaus auch Halal-Fleisch zum Zug bzw. in den Topf kommt, wird man sehen bzw. essen. (1.5.2017)

  Heute hatte ich einen Alptraum, der mit meiner Arbeit als Krankenpfleger zu tun hatte und sich an einem Erlebnis der vergangenen Nacht mit einem Patienten aufhängte, der uns übelst beschimpft hatte. So wirr waren die Verwicklungen, so bedrohlich die Situation, als ein Patient, dem ich körperlich nicht gewachsen war, mich in die Zange nahm, mich physisch UND psychisch unter Druck setzte. Eine Gemengelage, wie sie Stephen King gerne erfunden hätte und deren adäquate Verfilmung ich sicherlich auch gemocht hätte, wenn das Erlebnis nicht mir gegolten hätte. (8.1.2017)

  Eine Kollegin erzählte eine Anekdote von ihrer Arbeit als Krankenschwester zu DDR-Zeiten. Eine Patientin hatte zwei edle Westwaschlappen, in die die Buchstaben "G" und "A" eingenäht waren. Wir antworteten einmütig, das wäre ja wohl klar: G stünde für Gesicht und A für Arsch oder bestenfalls Anus. Weit gefehlt! Das "G" war für "Gesäß" gedacht und mit "A" wäre Antlitz gemeint. Wobei - Schlußpointe der Geschichte - eine recht junge Kollegin mit diesem Begriff Antlitz nichts anzufangen wußte. (3.1.2017)

  Ich bin immer noch geschockt über eine Patientin, die in der vergangenen Nacht zu mir meinte: "Das ist aber schade, daß Sie heute Abend nicht nochmal kommen. Sie waren so nett!" Wer mich kennt, wird über diese abstruse Wahrnehmung ebenso verblüfft sein. (24.12.21016)

  Die Chefärztin unserer Onkologie, Frau Dr. Luisa Mantovani-Löffler, erhält heute die Bundesverdienstmedaille. Unsere Station gliedert sich in die Bereiche Onkologie / Geriatrie. Für die Onkologie mit 14 Betten an unserem Standort Grünau ist ebenjene nun geehrte Chefärztin zuständig, wenn sie hier auch nur wöchentlich bzw. zweiwöchentlich erscheint. Die tägliche Arbeit macht Oberarzt Dr. Falk Moritz, der merkwürdigerweise auf der Webseite der Onkologie unserer Klinik keine Erwähnung findet. Die andere Abteilung unserer Station mit 22 Betten ist die Akutgeriatrie. Zusammen behandeln und pflegen wir also 36 Patienten. Die Zweiteilung der Fachrichtungen ist im praktischen Alltag nicht einfach. (23.11.2016)

  So, wie es jetzt ist, kann es im Gesundheitswesen eigentlich nicht mehr weitergehen, sagt der neuseeländische Arzt Robin Youngson in seinem Buch "Time to care. Wie Sie Ihre Patienten und Ihren Job lieben". Beispielsweise nähmen als Ausdruck der Überforderung kleinkindhafte Wutausbrüche bei Pflegepersonal zu (disruptive behavior).

  Pflegepatient fragt uns während der nächtlichen Routinebettenrunde: "Helfen Sie mir bitte beim Aussteigen?" Ich: "??" Patient bestimmt und zuversichtlich: "Da muß doch 1 Weg nach draußen sein!"

  Ein Patient mit der Diagnose LAE (Lungenarterienembolie) und einem Pflegedienst namens LEA. Es sind die kleinen Dinge, die einen im Pflegalltag überraschen und erfreuen.

  Ein Patient, der, wenn ich das Zimmer betrat, stets am Bettrand saß und alles kommentierte, sollte am Montag vormittag in die Reha verlegt werden, benahm sich seit dem Vortag widerborstiger und desorientierter als vordem. Dies läßt sich übrigens häufig beobachten, daß sich, sobald für einen Patienten die Entlassung ansteht, die Dinge komplizieren. Jedenfalls befiel den Patienten schon im sonntäglichen Spätdienst das Verlangen nach einer Kippe. Nachts deutete er auf die Fernbedienung des Fernsehers: "Gib mal das Feuerzeug da her!". Kurz vor unserem Feierabend gegen 5.30 Uhr beim letzten Rundgang im Zimmer ein mächtiger Fladen breit getretener Stuhlgang, dessen Spur ins Bad wies, wo der Patient ohne Katheterbeutel stand und sich nur widerwillig einer Reinigungsprodedur unterzog. Unseren freundlichen Bemühungen begegnete er mit einem barschen: "Hört auf, mich hier anzuschwulen!" (28.9.2016)

  Retweet: Kann man Kollegen wieder auswildern?

  Retweet: Sobald ich ein tragfähiges Wirtschaftskonzept für eine Klinik OHNE Patienten habe, werde ich sie gründen!

  Ein Pflegepatient bittet um etwas zu trinken. Als ihm die Flasche Wasser überreicht wurde, bedankt er sich herzlich: "Das ist echte Kameradschaft!"

  Onkologische Patienten bekommen sehr oft eine parenterale Ernährung als Unterstützung bei Mangelernährung oder zuletzt als neben der enteralen per dauerhafter Magensonde (PEG) einzige Option der Kalorienzufuhr. Letztens fragte, als ich den globigen Infusionbeutel, der leer war, abmachte, ein Patient: "Kann man da nicht Bier reinfüllen? Das wäre wesentlich humaner!"

  Zum ersten Mal erschien auf unserer Station ein Pope (russisch-orthodoxer Priester). Ich vermute - genau kann mir das von meinen atheistischen und damit in allen religiösen Belangen naturgemäß unkundigen KollegInnen niemand übermitteln -, um einer unserer Patienten das Mysterium des Heiligen Öls zu spenden, wie die Krankensalbung in der Orthodoxie heißt. Die jungen, weit nach der Wende geborenen Kollegen, des Russischen in keinster Weise mächtig, konnten mit der Bitte der Patientin, "Pítj!" (Trinken!) freilich nichts anfangen. Sie verstanden Peach (Pfirsich). Mein nächtliches Amüsement war dementsprechend.

  Beim Betten bettlägeriger Patienten wird viel geredet. Mit und über den Patienten, aber auch über alles andere. Was eben der Zufall an Gesprächsthemen anbietet. Wenn eine 20-Jährige noch nie etwas von Minne / Minnesang gehört hat, darf man doch grundsätzliche Zweifel an der heutigen Schulbildung haben? Oder aber eher an der Aufmerksamkeit der Schüler im Geschichts- und Literaturunterricht?

  Da ich wieder arbeite, gibt es auch wieder Anekdoten aus der Krankenpflege. Wir betten nachts eine Patientin, die mich langsam zu sich heranwinkt und fragt: "Bin ich eigentlich noch am Leben?"

  Was ist zu erreichen an einem Arbeitsplatz, wo das eigentlich Wichtige untergeht im Ansturm des momentan Dringenden? (Stephan Thome: Fliehkräfte)

  Wir kommen ins Zimmer und sehen, daß eine bettlägerige Patientin sich die Flexüle (Venenzugang) entfernt hat, wodurch das halbe Bett mitsamt Bettwäsche und Patientin vollgeblutet worden ist. Ich: "Um Gottes Willen, Frau L., welch ein Malheur! Sie wollten doch eigentlich zur Blutspende gehen. Und nun das!" Frau L.: Dahin gehe ich schon noch. Das vergesse ich doch nicht!"

  Geriatrischer Patient läuft mit einer Schnitte Richtung Zimmerausgang und wird dort von einer Schwester angetroffen, die ihn fragt: "Wohin des Weges?" "Ich muß noch die Hühner füttern!"

  Im Patientenzimmer. Ich: "Und? Wie sieht's so aus, politisch, gesundheitlich und allgemein?" Patient: "Es schleicht sich so hin!"

  Ein Patient mit Weglauftendenz wurde vermißt. Auch die Ehefrau konnte ich weder im Park noch bei sich zuhause finden. Die Polizei mußte eingeschaltet werden. Schließlich wurde der vermißte Patient in der Unterführung am Leipziger HBF aufgegriffen. In der Hand ein Zettel mit einer Zugauskunft Leipzig-Jena. Er bemerkte jovial gegenüber den Beamten: "Ich habe den Anschluß an meine Reisegruppe verloren."

  Tatendurstige Patienten sind durchaus erfreulich und willkommen. Nur wenn sie bedenkliche Handlungen vollziehen, entstehen fragwürdige Situationen: "Ich habe mal bei der Mitpatientin den Sauerstoff abgedreht. Bei dem Geblubber kann ich nicht schlafen."

  Auf der Geriatrie, zumal im Dauernachtdienst, entstehen die meisten Anekdoten, während wir Patienten = Pflegefälle betten, das heißt Inkontinenzmaterial erneuern, Unterlagen glatt ziehen und die Lage des Patienten verändern. Wir betten also eine Patientin und ich frage: "Wie alt sind sie?". Die Patientin überlegt. - "92 Jahre." - Nach einer bedeutungsvollen Kunstpause setzt sie hinzu: "Kann aber auch 93 sein."

  Wir betten und versorgen einen Pflegepatienten und mühen uns sichtlich und vor allem hörbar ab, weil er durch eine Halbseitenlähmung schwer auf die Seite zu drehen ist. Vom Nachbarbett, wo ein dementer, freundlicher Patient liegt, ertönt eine Stimme: "Kann ich Ihnen irgendwie helfen?"

  Was hört ein Krankenpfleger statt "Bluetooth? in einer Serienfolge? - Bluthusten.

  Das Pflegepersonal hat sich schon nicht um die Leute gekümmert, die noch klingeln und sagen konnten, wo sie der Schuh drückte. Oder der Schlauch. (Karsten Krampitz: Wasserstand und Tauchtiefe)

  Retweet: Die, die uns bis 70 arbeiten lassen wollen, und die, die keinen über 50 mehr einstellen, das sind dieselben, oder?

  Retweet: Patientin fragte, wie das Essen hier schmeckt. "Haben Sie schon mal im Hochsommer in einer überfüllten U-Bahn an der Haltestange geleckt?"

  Retweet: "Notrufzentrale? Wir brauchen dringend einen Rettungswagen! Herzinfarkt!" "Versicherung?" "Kasse..." "Haben Sie die 'Rent-a-Bike'-App?"

  Peter Wawerzinek in "Schluckspecht" über seine Erfahrungen als Patient im KH: "Man gewöhnt sich rasch an den garstig-scharfen Essigton des Personals".

  Das Brimborium, welches Lehrer mit einem Klassenbuch veranstalten, läßt sich mit dem vergleichen, welches auf Station (und viel mehr noch in der Altenpflege) mit der Patientenkurve betrieben wird. Der Vergleich stammt von einem Lehrer und leuchtete mir als Pflegekraft sofort ein. (5.4.2016)

  Nach dem Betten einer Pflegepatientin sind wir dabei, das Zimmer zu verlassen und verabschieden uns: "See you later!" - Die Patientin: "Hä? Wieviele Kilometer?"

  "Wo arbeitest du?" "AG Urin & Kacke." "AkutGeriatrie?". "Yep".

  "Ich habe Kriegserfahrungen!" "Du hattest Nachtdienst auf Station." "Yep".

  Patientin bat mich beim Betten, nicht mehr von Leichen zu reden. Fällt einem auf 'ner Geriatrie aber auch urst schwer.

  "An apple a day keeps the docor away" - außer, wenn mißbräuchlich, bei Diabetikern.

  Eine der Hauptdiagnosen auf der Geriatrie: Gebrechlichkeit. In meinen 26 Berufsjahren zuvor so nie gesehen.

  Patientin in der vergangenen Nacht zu uns: "Halt den Kopf kühl und die Füße warm, das macht den besten Doktor arm."

  Als Patientenessen gab es auf Station gestern zum Karfreitag übrigens Broiler. In einem atheistischen Umfeld zu leben, hat Vorteile. Alle Scherze bezüglich eines Fastens am Karfreitag prallten auf Station mangels Wissen über Traditionen an Patienten UND Kollegen ab.

  Wenn man auf Station ausnahmsweise mal Zeit hat, sind Pflegefälle ja durchaus auch drollig.

  Wir betten einen Pflegefall. Die Patientin sagt alle 10 Sekunden monoton: "Ja". Nach mehreren Malen frage ich sie: "Sie können wohl nur Ja sagen?" Wie aus der Pistole geschossen kommt furztrocken: "Ich kann Ihnen auch gleich in die Fresse hauen!" (23.3.2016)

  Patient vor einigen Tagen zu uns: "Und? Fühlen Sie sich in Ihrer Rolle wohl?" Derselbe etwas später: "Machen Sie Ihre Arbeit ordentlich! Sonst kriegen Sie gleich paar aufs Maul!" (20.3.2016)

  Verwandtenbesuch. Ein Patient ließ minutenlang an sich herumrütteln, um seine Nächsten, die zuhauf sehr besorgt um ihn herum saßen, anzublaffen: "Was fummelt ihr wie an einer Leiche an mir herum?" 12.3.2016)

  Wir wechseln bei einer Patientin die Windelhose und lagern sie: Sie: "Was soll'n das hier". Ich: "Wir müssen Ihre Windel wechseln. Die ist naß." Sie: "Aua. Raus hier!" Ich: "Wenn wir fertig sind." Sie: "Aua. Es zieht". Ich: "Gleich fertig. Wir kommen dann noch einmal um 4 Uhr." Sie: "Aua. Raus hier! Licht aus!" Ich: "Sind schon weg." Sie: "Ist auch besser so!" (11.3.2016)

  Auf Station ein sehr hohes Pflegeaufkommen. Einige Tage lang der letzten Arbeitswoche war die Situation entspannter und Gelegenheit zum Luftholen. Jetzt wieder 8 Stunden im Schweinsgalopp durch die Patientenzimmer. Und sich gegenseitig immer an regelmäßiges Trinken erinnern, damit man nicht selbst wie in der Geriatrie allgemein üblich, wegen Exsikkose behandelt werden muß. (11.3.2016)

  Als wir kürzlich zur Bettenrunde versuchten, einen Patienten gerade hinzulegen und auch die verrutschen und verknitterten Laken und Unterlagen geradezurücken, meinte ich: "Vorsicht beim Pflege-Tetris. Nicht daß am Ende der Patient verschwunden ist."

  Auf Station haben wir jetzt Windeln mit verbesserter Rezeptur. Da macht die Bettenrunde gleich nochmal so viel Spaß.

  Wie ich gehört habe, beschäftigen inzwischen immer mehr Einrichtungen mit Erfolg Haustiere als Therapeuten. Der Preis einer Dose Hundefutter ist nichts im Vergleich zum - wenn auch erbärmlichen - Lohn einer Kraft in der Pflege. Und dann ist erst noch die Frage, was einem Menschen kurz vorm Erlöschen mehr Freude bereitet: ein stiller, zufriedener Genießer auf dem Schoß oder ein plärrender Arschabwischer mit vor Unterbezahlung vergrätzter Stimmung am Bett. (Dimitri Verhulst: Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau)

  Retweet: Pflege ist wenn im Supermarkt 6 Kassen offen sind bei 4 Kassierern. Diese müssen nebenbei aber noch die Regale auffüllen.

  Retweet: Berufswunsch: irgendwas ohne Menschen.

  In 26 Dienstjahren als Krankenpfleger erst das zweite Mal erlebt, daß ein Angehöriger beim Tod des Verwandten dabei war. Sonst eher immer knapp verpaßt oder ganz weit weg.

  Pflegepatientin zu einem meiner Kollegen: "Sie sind aber häßlich." Hat sie ihn mit mir verwechselt?

  Ich muß ja täglich, ähm, nächtlich demente Patienten beruhigen, die sich wundern, daß ich urplötzlich in ihrem Schlafzimmer stehe.

  Sohn, der bei der syrischer Mutter im Krankenhausbett schläft, sich nicht abwimmeln läßt. Ist das kulturell verbürgt, glaubhaft? Irritiert.

  Was auf unserer Station (Onkologie/Geriatrie) immer flutscht: Bestellung von Totenscheinen und Zehenzetteln.

  Während wir eine Pflegepatientin lagern, schaut diese aussschließlich mich an und würdigt meine Kollegin keines Blickes. Ich: "Schauen Sie doch nicht mich an, sondern meine viel hübschere Kollegin!" Patientin kontert: "Ich gucke Sie gar nicht an, ich gucke geradeaus!"

  Daß nicht nur wir unseren Pflegepatienten Aufmerksamkeit schenken, sondern sie auch uns, bestätigt die Anmerkung "Sie müssen sich mal wieder rasieren!", die ich entgegennehmen durfte.

  Als wir einer Patienten etwas mühsam eine neue Windel umgelegt hatten, meinte sie: Für die Woche reicht's; Sonntag machen wir's besser.

  "Ich bin Palliativmedizinerin. Ich komme, wenn alles zu spät, aber noch nichts vorbei ist." (Pfarrer Braun: Brauns Heimkehr)

  "Schulen werden dicht-, Pflegeheime aufgemacht." (Land ohne Kinder)

  Auf Station sind die Grenzen strikt gezogen. Die Ärzte als Vampire, die Patienten als Zombies.

  Ich brauche ja kein WGT. Schwarz sehe ich auch täglich auf Station.

  Retweet: Angehörigen die einem ins Gesicht sagen: Was sie da machen kann doch wirklich jeder! Die darf man doch mit der Axt bearbeitet, oder? ODER?

  "Ich geb' Ihnen mal einen guten Tipp. Wenn Sie einen weißen Kittel sehen, dann rennen Sie!" (SOKO Wien S09E05)

  "Ein guter Arzt hört jedem Patienten zu. Auch wenn der keinen Puls mehr hat." (Pathologenspruch in SOKO Wien S09E05)

  Statt Dauernachtdienste schrieb ich in einer E-Mail gerade Sauernachtdienste. Ist auch nicht unbedingt grundverkehrt, oder?

  Retweet: Nach diesen Nachtdiensten klingt irgendwie jedes Wort aus meinem Mund klingonisch.

  Aufgeschnappt: "Pflegst du schon, oder dokumentierst du noch?"

  Patientin: "Aua. Aua. Aua." "Ich: "Wo tuts denn weh?" Patientin: "Weiß nicht. Hab ich vergessen."

  Patient verschluckte untere Zahnprothese. Überraschenderweise die vierthäufigste Ursache für Aspiration im Alter. Für uns wars neu.

  Nachterlebnisse eines Pflegers. Korsakow-Patient mit alkoholischer Enzephalopathie: "Ich bin kein Dieb. Ich mause nur selten."

  Pflegepatient, nachdem wir dessen Windel gewechselt haben und im Begriff waren, das Zimmer zu verlassen: "Und? Seid ihr glücklich?"

  Mail mit dem Betreff "Kuschelweich und sauber". Begriff zunächst nicht, daß es nicht um meine Patienten geht.

  Pflegebedürftiger Patient, der bislang nicht durch verbale Glanzleistungen aufgefallen war, in der letzten Nacht urplötzlich: "Das verbitte ich mir, nachts das Fenster aufzumachen!"

  Patientin: "Sind wir schon da?" - Ich: "Wo denn?" - Patientin: "Auf dem Friedhof!"

  Patient gestern Nacht, als wir während unseres Rundganges ins Zimmer kamen: "Ich habe ja mit allem gerechnet, mit Euch aber nicht!"

  Auf die nächtliche Frage des Patienten "Wo bin ich hier eigentlich?" habe ich bisweilen nur die Antwort: "Das frage ich mich auch!"

  Wie wir am Feierabend sagen: Alles in trockenen Windeln.

  "Ein guter Arzt hört jedem Patienten zu. Auch wenn der keinen Puls mehr hat." (Pathologenspruch in SOKO Wien S09E05)

  Kleine Anekdote: Eine Patientin ist nachmittags in ihrem Zimmer gestürzt, wobei allen neu war, daß sie überhaupt das Bett zu verlassen in der Lage sein könnte. Sie galt als sehr pflegebedürftig; auch die Kommunikation schien eminent reduziert. Als ich sie nachts bettete & beim Small Talk erwähnte, daß sie ja wohl nachmittags gestürzt sei, antwortete sie: "Ach, das hat sich also auch bis zu Ihnen herumgesprochen!"

  Apropo Sprache. Ein schwieriges Wort in der pflegerischen Dokumentation ist "Exsikkose", übrigens eine der am häufigsten gebrauchten Einweisungsdiagnose für Patienten mit einem Versorgungsproblem. Meistens wird es durch Schwestern und Pfleger verhunzt. Man sollte annehmen dürfen, daß Ärzte als akademisch gebildete mit einer exorbitant langwierigen Ausbildung in der Lage sind, diesen Begriff zu beherrschen. Was las ich aber letztens in der ärztlichen Dokumentation in der Krankenakte: "Exikose".

  Retweet: Stell dir vor, eine Pflegeroboter biegt auf Station um die Ecke und das Windows Geräusch erklingt.

  Auf unserem Notfallplan steht 1. Ruhe bewahren. 2. Menschen retten. - Ja was denn nun?!

  Wenn man wie ich auf einer Krebsstation arbeitet, kann man mit dem Begriff & Postulat "Altersvorsorge" nurmehr wenig anfangen!

  Wenn mir langweilig ist, bereite ich den Kolleginnen mit "Kephalgie" im Pflegebericht Kopfschmerzen.

  Eine gewisse Verächtlichkeit gehört übrigens zum Schutzmechanismus einer Pflegekraft.

  In SOKO Leipzig S09E16 ein Verdächtiger, dem der Arzt noch 6 Monate zu leben gibt. "Wenn der Docht schon flackert, macht das vieles einfacher".

  IceBucketChallenge? Das machen wir täglich auf Station mit den fiebernden Patienten.

  ... diese Hippie-Krankenpfleger, die den ganzen Tag Schamhaare rasieren müssen, nur der eigene Vollbart hat noch nie eine Schere gesehen. (Wolf Haas: Komm, süßer Tod)

  Retweets: "Wenn die Patienten nicht wären, könnte man die Pflegestandards prima umsetzen."

  Retweet: Ich bin mir ziemlich sicher, dass indianische Zeichensprache von Pflegekräften in einem deutschen Altenheim entwickelt wurde.

  Während meiner zwei freien Tage am Montag + Dienstag sind gleich drei unserer Patienten verstorben. Man muß schon ein unbelehrbarer Optimist sein, um mit ungetrübter Lebensfreude auf einer onkologischen Station zu arbeiten.

  Aus der ZEIT-Rubrik "Was mein Leben reicher macht": Zwei süßverwirrte Opis liegen in einem Krankenzimmer unserer Klinik. Der eine schafft es, nachts in das Bett des anderen zu kriechen. Eng aneinandergekuschelt findet sie die Nachtschwester beim Rundgang vor und fragt: "Was machen Sie denn im Bett Ihres Zimmernachbarn?" Leicht empörte Antwort: "Man muß ja nicht immer gleich an Sex denken!"

  In einem Tweet gelesen: "Auf 100 zu pflegende Personen über 80 Jahre: Schweden 33,2 Vollzeitstellen, Norwegen 22, Niederlande 19, Deutschland 11,2 (OECD)". Wir sind eine internistische 72-Betten-Station (36/36); das Alter kommt hin! Im Frühdienst pro Seite 3 Pflegekräfte, also 6 für alle 72 Patienten. Im Spätdienst pro Seite 2 Pflegekräfte; im Nachtdienst 3, immer öfter nur 2. Ich im Dauernachtdienst bin dann der Leidtragende. Gar nicht auszudenken, wenn wir, wie in Schweden, dreimal so viele Pflegende wären! Oder auch nur doppelt so viele. Das sind traumhafte Gedanken, die mich nach dem Lesen der Zahlen umsäuselten.

  Retweet: Ich will ja nicht sagen das meine Kollegin langsam arbeitet, aber einen zweistündlichen Lagerungswechsel kann ich nicht gewährleisten!

  Wenn meine Kolleginnen von ihren Männern angerufen werden und ich abnehme, reiche ich den Hörer an sie weiter mit dem Vermerk: "Vati!"

  Letzte Nacht zweimal wegen meiner Ruhe und Freundlichkeit gelobt worden. Wenn das meine Kolleginnen wüßten...

  Retweet: "Mist, immer bin ich zur falschen Zeit am falschen Ort." "Das heißt Arbeitsplatz."

  Wenn Patienten einen mit Vornamen anreden, wird man entweder bald ausgenutzt oder landet in der Erbfolge ganz vorne.

  Ich würde ja zu gerne wissen, wie sich ein normaler Mensch vor fünf anstehenden Nachtdiensten fühlt.

  Zum gewohnten Nachtdienst eines Krankenpflegers gehört der obligatorische Bettsturz mindestens eines Patienten.

  Was soll man davon halten, wenn jemand aus dem Team den Kalender mit Abbildungen von Farbigen immer wieder zur Wand dreht?

  Retweet: Der Praktikant ruft immer, wenn er eine Aufgabe erledigt hat:"ICH BIN FERTIG!" Irgendwann putze ich ihm aus Reflex den Hintern ab.

  Pflegekraftlos.

  "In der Drogensucht steckt ja immer auch der Wunsch nach Zuwendung." "Ein Wunder, daß wir nicht alle auf Heroin sind." (Soko Kitzbühel)

  Immer wieder lustig, wenn eine 80-jährige Frau PDE-5-Hemmer (z.B. Viagra) bekommt.

  Eine Amsel, eine Heuschrecke, mehrere Motten aus Patientenzimmern befreit. Völlig normaler Nachtdienst.

  Dementer Patient zu mir: "Wer bist du?" - Ich: "Ich bin der Weihnachtsmann." - Patient: "So siehst du auch aus." Derselbe einen Tag früher zu mir: "Na, du Fettsack, wo kommst du denn her?"

  Plädiere für einen Putsch, der mich des heutigen Nachtdienstes entheben würde.

  David Wagners Alter Ego denkt in "Leben" über seine "Transplantationsgeschwister" nach, also all jene, die von dem Spender, der ihm zu einer neuen Leber verhalf, ebenso Organe erhalten haben könnten.

  Wenn ich das schon lese: "Auf der Trage hockend, reanimierte die Notärztin ihren Patienten, bevor er mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren wurde." Jede REA (Reanimation) ist ein Zusammenspiel vieler Kräfte. Jede ist unverzichtbar und NUR im Teamwork gelingt die Wiederbelebung.

  "Brauner Sumpf" hat in der Krankenpflege eine etwas andere Bedeutung.

  Erfahrene Kolleginnen erkennt man daran, daß rechtzeitig etwas zu essen bereit steht, um Amokläufe oder Schlimmeres zu verhüten.

  Mit meinem Kollegen haben wir eben beim Betten der Patienten GPSP gespielt - Guter Pfleger, Schlechter Pfleger.

  Beim Windelwechseln im Nachtdienst üben wir die Kampfpflegesportart Dung Fu aus.

  In Deutschland sterben jährlich bereits 25.000 Menschen, weil Antibiotika bei ihnen versagten.

  Wir hatten einen Patient, der als Ausrede seiner vernachlässigten medizinischen Behandlung angab, Hartz 4 zu bekommen und für die Praxisgebühr nicht aufkommen zu können. Gegen ärztlichen Rat ließ er sich zwei Stunden nach Notfallaufnahmen wieder entlassen und bestellte sich ein - Taxi.

  In mindestens der Hälfte aller Blutdruckmessungen auf Station werde ich unmittelbar nach Bekanntgabe des Wertes gefragt: "Und? Ist das gut?"

  Es gibt in der Pflege beinah-sakrale Handlungen bzw. solche, die mich an sie erinnern. Der sogenannte Bettenwagen wird mit einem grünen OP-Tuch abgedeckt. Diese überwerfende Bewegung erinnert mich stark an ein Kelchvelum.

  Patient, dem wir das Mittagessen hinstellen, fragt die Schwester: "Essen Sie mit mir? Ich füttere Sie auch!"

  Patientin, eben, der zwei Tabletten heruntergefallen sind: "Heben Sie mir bitte mal die Bonbons auf!"

  Auf der Neonatologie hat quasi jede Pflegekraft und jeder Arzt immer Frühchen-Schicht.

  Toaster auf Station sind verboten. Man vertraut uns Leben an, hält uns aber für zu doof, eine Scheibe Brot nicht in Brand zu setzen.

  Die Krankheit, unter der Patienten aus Sicht des Personals fast ausnahmslos leiden, nennt man "Angehörige".

  Auf einer Station mit Rheumapatienten muß man so viele Flaschen öffnen, daß man die Zusatzbezeichnung "Barkeeper" beanspruchen könnte.

  Suche noch nach passenden Ausreden, um die Krankenbetttournee am Wochenende abzusagen.

  Eine Patientin war letztens so vegetarisch, daß sie Eierkuchen als Zumutung zurückwies und damit ein mittleres logistisches Beben auslöste.

  Gehöre einer Berufsgruppe an, die offiziell bei ihrer Tätigkeit Abstriche machen kann.

  Unsere Patienten haben nicht nur Einlagen auf dem Konto. #Inkontinenztweet

  "Sich krankenhausreif arbeiten" ist in meinem Job kein Manko, sondern Voraussetzung.

  Heute bin ich von einem Pflegefall, den zu waschen ich vorhatte, begrüßt worden mit: "Schön, daß du da bist. Wir beide sind eigentlich immer ganz gut miteinander ausgekommen!"

  Wir betteten singend eine Patientin. Kommentar der Nachbarin: "Nicht daß ich jetzt noch einen Kulturbeitrag zu zahlen habe!"

  Es gibt Ärzte, die Exsikkose falsch schreiben. Dieses Wort ist das Trauma jeder dokumentierenden Pflegekraft.

  Streßtest in der Pflege ist ein Synonym eines x-beliebigen Dienstes.

  Habe mich heute vielleicht 20mal bei ein- und derselben dementen Patientin vorgestellt und wurde immer herzlich begrüßt.

  Wenn ich heute als Krankenpfleger zurückträte, könnte ich morgen ausschlafen #versuchung

  Jetzt verstehe ich auch, warum ich überhaupt auf Arbeit gehe. Bernhard sagte eben in der Dokumentation: "Man sollte immer dorthin gehen, wo ein Kontrast ist."

  Täglicher Kalauer in der Krankenpflege, wenn ein Pflegefall entlassen wird. "Herr X. geht morgen nach Hause!" Ich: "Ein Wunder! Kniet nieder und staunt! Bis heute war er noch bettlägerig!"

  Eine Patientin, die sich Kaffee über ihr hübsches geblümtes Nachthemd gekippt hatte, fragte mich während des Bettenmachen: "Ist das nun ein Motiv oder wirklich Kaffee"?

  ... weil 5 mg von i.v.-Haldol einen Patienten sensationell kooperativ machen. (Dr. House)

  Bei einem Wort mit den Buchstaben "D", "i", o", "x" und "n" denke ich noch lange nicht an das, was derzeit durch die Medien geht, sondern gewohnterweise weiter an Digitoxin.

  Angesichts der Nachricht, britische Transplantationsmediziner plädieren für eine Kommerzialisierung der Organspenden, bleibt mir erstmal der Mund offen stehen.

  Gucke gerade Polizeiruf 110 "Risiko" von 2010. Ein Verdächtiger im Krankenhausbett. An Infusion angeschlossen und Pulsxoxymeter, aber keinen Sauerstoffschlauch in der Nase. Ich hoffe, das Witzige daran weiß jemand zu würdigen.

  Auf Facebook: "Schnee geschippt. Keller aufgeräumt. Alle Computer im Haus auf Vordermann gebracht. Aber sie werden sich nur daran erinnern, dass du nicht den Tisch mit abgeräumt hast." - Ich darauf: "Großartig! So isses auch mit Patienten. 6 Tage ihnen gegenüber scheißfreundlich gewesen, am 7. ein klitzekleines Widerwort, und zack, bist du für ewig der Arsch."

  86-jährige Patientin beim Nachthemdenwechsel. Ich: "Muß der oberste Knopf wirklich zugeknöpft sein?" Sie: "Klar, sonst flutscht doch der Busen raus!" Nach kurzem Innehalten sie: "Obwohl, SO viel ist da auch nicht drin."

  "Bist du ein Junge oder Mädchen", fragte mich vorhin eine Patientin beim Abendbrot austeilen.

  Der Personalstand auf Station ab Januar wieder wie seit Monaten. Grund: Die Schwester, die am 1.12. anfing, geht an eine andere Stelle in einer anderen Klinik. Und die Schwester, die heute anfangen sollte, kommt auch nicht, Respektive unsere Dauerkranken sind also weiterhin 3 Planstellen nicht besetzt bzw arbeitsfähig. Ich zähle die grauen Haare meiner Stationsschwester.

  Sehr alte Patientin ist unruhig und drängt darauf, ihren Ehemann anrufen zu können. Als sie ihn an der Strippe hat, schimpft sie auf ihn ein, wie nur alte Ehegesponsinnen es können, er solle doch gefälligst Hustentropfen mitbringen. Der Hinweis, daß wir uns durchaus in der Lage sähen, für ein Hustenmittel zu sorgen, vermochte sie nicht zu beruhigen.

  Liegt das nun an Pisa oder bin ICH die Ausnahme, daß ich das Geburtsdatum meiner Großmutter weiß. Schon der zweite Enkel in dieser Woche, der seine Oma sucht, aber nicht weiß, wann sie geboren worden ist.

  Die Spontanerwiderung der Patientin auf meinen Small-Talk-Seufzer Hach, man hats nicht leicht!" - Was biste auch so fett!"

  Als wir eine Patientin mit Höhenangst bekommen hatten, meinte eine Kollegin zur Dienstübergabe: "Da ist sie bei uns in der 2. Etage auch nicht gerade gut aufgehoben."

  "Wann haben Sie je die Handschrift eines Arztes entziffern können?" "Dann ist sie eben präzise. Wollen Sie das damit sagen?" "Ja. Aber auch die Möglichkeit, daß Dr Brook Harper gar keine Ärztin ist." "Nur weil sie ne saubere Handschrift hat?" "Und weil sie nicht die Kälte und Überheblichkeit wie alle Ärzte ausstrahlt." "Ah, nicht alle Ärzte sind kalt und überheblich." "An ihrem ersten Studientag kriegen sie ‘nen Stapel Bücher und ‘ne Leiche vorgesetzt. Ich fürchte, das verdirbt den Charakter." (The Mentalist, S01E21)


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