Bücherlei Notate [<<]

Bereich: Selbsterlebensbeschreibung (4)


[^^]  [<<]  [Tagebuch]


Was anderswo oft untergeht, in Archiven verschwindet - beispielsweise Getwittertes - diese kleinen Notate sollen hier thematisch gesammelt werden. An dieser Stelle selbst Erlebtes, Gedachtes & Gefühltes.

  Retweet: Ich finde, das zunehmend länger werdende Durchscrollenmüssen durch die Jahreszahlen, wenn ich mein Geburtsjahr eingebe, ist ein besseres memento mori als eine mittelalterliche Kathedrale oder ein vorlaufend zum Tode entschlossener Heidegger.

  Retweet: Nein. Es wird nicht entspannter. Das Leben nimmt nur neuen Anlauf für einen neuen Tritt in die Fresse.

  Im Rahmen ihrer Proteste blockierte Gelbwesten in eigigen Regionen Frankreichs Supermärkte, womit sie kleine Händler protegieren wollen. Die Widerstands- und Streikbereitschaft der Franzosen beeindruckte mich immer schon. Gewalt lehne ich ab. Kluger, kreativer, anhaltender und trotziger Protest aber ist ein potentes Mittel in einer Demokratie.

  Ich kränkele. Mehr als sonst mit dem üblichen Psychomimimi. Symptomatisch eher in Richtung Infekt, obschon fehlender Schnupfen und Halsweh nicht dafür sprechen. Äußerlich verändert sich nichts, weil ich nach wie vor in meiner Klause sitze und versauere. Vielleicht liege ich mehr. Der vorherrschende Gedanke von Suchtkranken ist ja: morgen beginnt mein neues Leben. Entsprechend gestaltet sich der jeweils gegenwärtige Tag, indem man nämlich die Veränderung und den Neubeginn niemals für jetzt denkt, sondern immer wieder für den nächsten Tag festlegt. Und solche physischen Deprivationen befeuern diesen Mechanismus leider. (9.12.2018)

  "Sex ist ein Jucken, und man kratzt sich einfach. Aber Liebe... ist ein Jucken weit unten am Rücken, da kommst du leider nicht ran." (River S01E04)

  Ich hatte eben einen Lachanfall, bei dem der ganze Tisch gewackelt hat und der Bildschirm bedenklich schwankte. "Ihr Anruf ist uns sehr wichtig. - Bitte genießen Sie das 40-minütige Flötensolo." (6.1.22018)

  Retweet: Habt ihr auch eine Person, zu der ihr kein Kontakt mehr habt, aber immer wenn was passiert, ihr am liebsten genau diesem Menschen davon erzählen möchtet?

  Man soll ja nicht stieren, aber gestern saß mir in der Straßenbahn ein Mann gegenüber, vielleicht Anfang 60, mit weißen Schlotterfrisur, extravaganter runder Intellektuellenbrille, nach der ich ihn gerne gefragt hätte, und einem überdimensionierten Lederranzen. (5.12.2018)

  "Wie steigt man um in ein anderes Leben? (Frl. Read On)

  Retweet: Klar halten Energy Drinks geil wach, aber habt ihr mal unverarbeitete Probleme versucht?

  Retweet: Probleme lösen ist was für Anfänger. Echte Profis erschaffen sie aus dem Nichts.

  Leider verenden Kontakte, wenn ICH als Impulsgeber ausfalle, meist abrupt. Schade, aber zu akzeptieren. Ich habe keine Kraft mehr, den Kommunikationshampelmann zu spielen. Lieber sterbe ich in Einsamkeit, als um einem dahinsiechenden Kontakt zu buhlen. Der Tank ist leer, die Schnauze voll, und das Herz vereist. (1.12.2018)

  Retweet: Für gutes Kopfkino ist bei vielen die Leinwand zu schmal.

  "Eigentlich bin ich ein Krieger. Aber bei der letzten Wiedergeburt muß ich irgendwo falsch abgebogen sein." (Schnell ermittelt S06E03)

  Retweet: Hoffe, bevor ich sterbe, zieht NICHT mein ganzes Leben an mir vorüber. Möchte da auf keinen Fall ein zweites Mal durch.

  "Bei den Daten und Fakten, die uns Klimaforscher präsentieren, laufen einem kalte Schauer den Rücken runter." (Kulturzeit, 9.10.2018)

  Den würde ich mir auch tätowieren oder an die Stirn tackern lassen: "Manchmal stehe ich am Rand des Nervenzusammenbruchs und denke mir: Och, eigentlich könnte ich mich auch setzen."

  Nerviger Spam, der für die "Partnersuche ab 50" trommelt, behauptet, der Herbst sei die beste Zeit, einen (neuen) Partner zu finden. Auch wenn MIR jede Jahreszeit als ideal und gleich geeignet erscheint, keinen Partner zu finden, rätsele ich, wie die das gemeint haben könnten. Bloße Behauptung? Oder gibt es statistisch tatsächlich mehr Anbandelungen im Herbst? (22.11.2018)

  Wieder einmal putzigen Spam erhalten: "Das Ende Ihrer Diabetes-Sorgen ist erreicht!"

  Sobald man nach einem längeren Urlaub ins Dienstzimmer kommt, wird man mit der Frage "Wie war dein Urlaub?" konfrontiert. Heute Abend werde ich sie wie folgt beantworten: "Er war insofern ein Erfolg, als ich jetzt vor euch stehe." (8.11.2018)

  Retweet: Ich grüße mittlerweile recht freundlich, wenn ich mir im Wege stehe. Ist ja nicht das erste Treffen.

  Bei einem längerem Urlaub verstreichen die Tage, ohne daß man das Unbelastetsein von Arbeit bewußt zu würdigen weiß. Spätestens zwei Tage vor dessen Ende jedoch wächst abends die Dankbarkeit, einen Nachmittag und Abend in dem Bewußtsein verleben zu dürfen, nachher noch nicht zum Dienst losfahren zu müssen. Ich genieße das durchaus. (6.11.2018)

  "Stell dir vor du erlebst etwas Großartiges und hast niemanden, mit dem du darüber sprechen kannst. Das ist auch eine Form von Armut." (GundelGaukeley) - Tja, GENAUSO ergeht es mir mit so vielem, dem ich täglich begegne, auch und gerade - wie im vorigen Eintrag erwähnt - mit den zahlreichen genialen Einfällen der Twitterer. Ich poste sie im Überschwang an Kollegen, Freunde und Bekannte und ernte in den allermeisten Fällen ein gequältes Lächelsmiley. Es können doch nicht alle humorlos sein. Ein Rätsel und eine stetige Enttäuschung und nun eben auch eine Art von Armut. Arm an Resonanz, an Gemeinsamkeit, an vereintem Gelächter und humorvollem Trotz in dieser so beschissenen und tollen Welt. (6.11.2018)

  Ich sammle in den Miszellen seit geraumer Zeit Tweets, also das, was Leute auf Twitter schreiben. Meist lustiges Zeugs, nicht selten aber auch Tiefgründiges, Wortgewandtes und Fantasievolles. Einen Spruch der letzten Tage würde ich mir gern an die Stirn oder besser noch, wenn es ginge, ins Hirn tackern: "Es ist immer ratsam, für schlechte Zeiten schon mal auf Vorrat zu lachen." (6.11.2018)

  Retweet: Verdrängst du noch oder verarbeitest du schon?

  Retweet: Die Liebe wächst oft mit ihrer Aussichtslosigkeit. Ein kapitaler Konstruktionsfehler der Evolution.

  Retweet: Das Schlimmste, wenn man durch die Hölle gegangen ist, ist nicht das Feuer darin, sondern die Kälte danach.

  Ich bin heute durch die erste Waffenverbotszone Sachsens gefahren und wurde trotz meines scharfen Mundwerks & Verstandes nicht zur Rechenschaft gezogen. Das in der Verbotszone befindliche Traditionsgeschäft "Messer Müller", bei dem ich schon 1984 als Koch meine Messer schleifen ließ, darf natürlich weiterarbeiten. (5.11.2018)

  Retweet: Ich war mal ganz nett und dann sind mir halt ein paar Menschen passiert.

  Wieder bei Claudia Klinger gewesen und kommentiert: "Brasilien ist ja der neueste Kandidat in Sachen Rechtsschwenk. Wenn man bedenkt, daß dieses Land die fünft- oder sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt hat, wird einem mulmig. Vielleicht täte man wirklich besser daran, die Schotten dicht zu machen, sich eine ungestörte Restzeit zu gönnen, bis irgendwelche politischen, ökonomischen oder gesellschaftlichen Auswirkungen das Refugium irreversibel plattmachen. Aber es geht nicht, wenn man wie ich regelmäßig Radio hört. Nur die Ablenkungen, die ich mir dazudosiere, machen die Situation erträglich. Im Alltag bin ich dankenswerterweise durch meine Arbeit und den engen Zeitrahmen etwas auf Distanz; im Urlaub wie im Moment jedoch prasseln die Bilder und Fakten ungefiltert herab und schmerzen mehr als sonst. Das hätte ich mir auch nie träumen lassen: der Alltag als Analgetikum gegen den konkreten, nachrichteninduzierten Pessimismus und der daraus von dir zur Sprache gebrachten Hilflosigkeit. Zum Glück träumte ich noch nie vom gegenwärtigen POTUS, stattdessen von Liisa, verursacht vielleicht durch den kürzlichen Tod von Robert Basic, der mir im Hirn vermutlich die sterbende Blogosphäre durcheinanderquirlte." (4.11.2018)

  In der vergangenen Nacht zweimal aus einem schönen Traum erwacht, weil ich pinkeln mußte, und zweimal prompt wieder eingeschlafen und am gleichen Thema weitergeträumt. Übrigens hat es zehn Tage gedauert, bis sich die biorhythmische Starre löste, in der ich gefangen war und die während der Monate zuvor enorme Schlafstörungen verursacht hatte. (4.11.2018)

  Robert Basic, ein Blogger der ersten Stunde, ist gestorben. Ich selbst blogge seit April 2001 und bin im Laufe der Jahre mit Netizens wie Don Dahlmann, Claudia Klinger, Jörg Kantel, Peter Glaser u.v.a. älter geworden. Nun ist einer der Altgedienten leider auf der Strecke geblieben. Die Liste mit Netizens, die ich kannte und von denen man sich verabschieden mußte, wird länger: Johannes Korten (1016), Sabine Nowak (2017), Andre Gottwald (2018) und nun Robert Basic. (2.11.2018)

  Mir auch neu, daß Mischpoke innerhalb des Judentums als wertneutral gilt und einfach Familie bedeutet. In Dresden veranstaltete die jüdische Gemeinde im Rahmen der jüdischen Woche einen "Mischpoke-Tag" genannten Familientag. Als ich noch las (ja, früher!), las ich auch viel im Judentum spielende Literatur (IBS), wobei mir die freundliche Konnotation des Begriffs jedoch nie auffiel. (2.11.2018)

  Beim Sachsenspiegel über die Sturmschäden 2017/18. Kannste dir nicht ausdenken: Hansi-Heike Lerche ist Forstbezirksleiterin im Sachsenforst Adorf. Da lacht man durch den Namen durch. Hansi-Heike als kurioser Vorname, "Hansi" als Vogelname, Lerche als Vogel bzw. die mitgedachte Lärche als Baum - alles in Verbindung zum Beruf / Amt im Forstbereich. - Letztens wunderte ich mich auch über den mir kurios erscheinenden Namen eines Dresdner Rechtsanwaltes: Otto Stolberg-Stolberg. Ist aber alter Adel und also per se verschroben. (2.11.2018)

  "Wer nur den Schimmel der Theorie reitet, hat nie Scheiße am Hacken."

  Retweet: Veni, vidi, mimimi.

  Ich bin ja so ungebildet. In einem Bericht über die Glocken der Leipziger Thomaskirche soeben mitbekommen, daß es nicht nur 1 Gloriosa gibt. Ich kannte bisher nur die größte Glocke des Erfurter Doms als Gloriosa, die Jürgen Kerth in seinem Blues einst besang - eines meiner erste Bluesplatten. Nun muß ich schamrot zur Kenntnis nehmen, daß die Erfurter unter den zehn als Gloriosa bezeichneten mittelalterlichen Kirchenglocken gar die jüngste ist.

  Retweet: Rettungsdienst ist schon super, zumindest weiss ich jetzt schon 4 Altenheime, in die ich mal nicht will.

  Retweet: Alles, was ich über Narzissmus weiß, hab ich mir selber beigebracht.

  Immer wenn ich Filme oder Serien aus früheren Zeiten sehe, wird mir die Rasanz der technischen Entwicklung bewußt. In der SF-Serie "Sliders" aus den 90ern hantiert man mit Disketten, Videokassetten und Mini-Discs und die kantigen 14-Zoll-Monitore stechen einem ins Auge, ebenso wie diie riesigen Mobiltelefone. Wie lange wird die heutige Fixierung und Großmachtstellung des Smartphone bestehen? In 20 Jahren müßten wir uns, wenn wir heutige Serien gucken, doch ähnlich lustig machen? Was löst das ab, von dem wir im Augenblick gar nicht zu glauben wagen, daß es jemals ver/untergehen könnten. Monopole wie Google oder Amazon. Was kommt dann? Wie wird die Zukunft der AR und VR (Augmented / Virtual Reality) aussehen? Welche Technik wird in unserem Körper implantiert sein und welche Möglichkeiten wird sie uns verschaffen? (29.10.2018)

  Retweet: Wenn man ehrlich ist, ist wohl alles unter tot ein "schwieriges" Alter.

  Die Wendung "jumping the shark" kannte ich nicht. Sie bezeichnet den Zeitpunkt, wenn eine Fernsehserie ihren Erfolgshöhepunkt überschritten hat und die Einschaltquoten sinken. Im Prinzip - auf's politische Terrain bezogen - erleben wir im Moment solch eine Phase, die mit der heutigen Erklärung von Merkel markiert werden wird, auf den weiteren Parteivorsitz zu verzichten und den Zeitpunkt des Endes ihrer politischen Karrieren zu benennen. Im Boxen spricht man übrigens von "over the hill". (29.10.2018)

  Endlich eine Eselsbrücke, um mir bei der Zeitumstellung die Position der kürzeren und längeren Nächte zu merken. Im Frühjahr wird's wärmer und die Frauenröcke folglich kürzer. Im Herbst wird's kälter, die Frauenröcke folglich länger. Im übrigen wäre mir egal, ob die Zeitumstellung abgeschafft oder beibehalten wird, wenn die Forscher nicht sagen würden, daß sich sowohl die alljährliche Umstellung als auch eine dauerhafte Sommerzeit bei vielen Menschen zwar nicht akut bzw. signifikant spürbar auswirkt, langfristig aber trotzdem negative Folgen zeitigt. Im hiesigen journalistischem Platzhirsch, der LVZ, kam der Chefarzt unseres Klinikstandortes zu Wort. Im erwähnten und abgebildeten Schlaflabor helfen wir nachts regelmäßig aus, indem wir Pausenvertretung machen oder BGAs im nachts unbesetzten Labor bestimmen. (27.10.2018)

  Ab dem 1. November kann man seine Vornamen tauschen, wenn man denn mehrere einzelne hat. Für Vornamen mit Bindestrich gilt es nicht. Und ich vermute auch nicht für "Maria", so daß Markus Maria Profitlich sich wohl nicht Maria Markus Profitlich wird nennen dürfen. Gegen Gebühr kann man sich sogar bei der Gesellschaft für Deutsche Sprache (Hotline: 09001/888128) oder der Gesellschaft für Namenskunde e. V. (Hotline: 09001/887735) namensrechtlich beraten lassen. Ich habe mal eine E-Mail geschickt mit einer Frage: "Mich ärgert das in meinen Augen rigide deutsche Namensrecht, besonders aber, von "Härtefällen" abgesehen, die Unmöglichkeit der freien Namenswahl. Mich wundert, daß sich diesbezüglich noch niemand durchklagte. Oder hat jemand? Gibt es ein Urteil und wie wurde begründet, daß man seinen Vornamen nicht beliebig ändern kann?" (27.10.2018)

  Wieder ein Begriff, dem ich noch nie in meinem Leben begegnet bin: Simulacrum. Und da sage noch einer, TV-Serien würde völlig verblöden. Allerdings erschließt sich mir die Bedeutung nicht richtig bzw. ist mir die Erklärung zu hoch / abstrakt.

  In einem Sachsenspiegel-Bericht über Einbruchsstatistiken in Sachsen hörte ich statt Messestadt "Messerstadt" Leipzig.

  Man muß die Österreicher einfach gern haben für ihre Sprache. Abgänglichkeitsanzeige statt Vermißtenanzeige. (Tatort E1068 - "Her mit der Marie!")

  Retweet: Wichtige Grammatikregel: Nach dem Begriff »Menschenrechte« ist kein relativierender Nebensatz möglich.

  Retweet: Ab sofort werde ich Menschen, die mich in irgendeiner Form nerven, einfach nur noch schwer anseufzen, bis sie weggehen.

  Retweet: Das Schöne am Älterwerden ist ja dieses dezente "Leck mich am Arsch " Gefühl in immer mehr Situationen.

  Retweet: Ich kapiere echt nicht, warum Leute in die Kirche rennen und zu einem Gott beten, dessen Schöpfung der Mensch sein soll. Für den Scheißjob, den er da abgeliefert haben will, wird einem für gewöhnlich fristlos gekündigt.

  Ich habe mich noch in keinster Weise von den letzten vier Nachtdiensten erholt. Sie haben mich so sehr geschlaucht, daß ich gestern Morgen nicht mehr zu motorischen Glanzleistungen fähig war. Beim Einkaufen bei Kaufland fielen mir Sachen herunter, überhaupt litt die Koordination von Bewegungen. Das Sprechen geriet zum Lallen. Diese Symptome nach dem Nachtdienst verstärken sich. Die letzte Woche war besonders scheußlich und in der letzten Nacht zum krönenden Abschluß auf der ohnhehin schon am unteren Ende der Amplitude schrammenden Leistungskurve morgens um 4.45 Uhr noch einen Verstorbenen mit allem Pipapo, so daß wir nach hektischen 45 Minuten zusätzlicher Arbeit gerade so fertig waren, als der Frühdienst kam. Ich hätte eigentlich gerne Videoaufnahmen von unseren Diensten an solchen Tagen. Ich werde in den letzten 15 Jahren bis zur Rente doch nicht etwa schwächeln? (16.10.2018)

  Retweet: Ich bleibe mit beiden Beinen fest neben der Spur.

  Retweet: Bitte nicht mehr so oft "Wie doof kann man sein?" fragen. Es gibt Menschen die sehen das als Herausforderung.

  Retweet: Natürlich tut Dummheit weh. Nur leider den falschen.

  Am 19. Juni war ich letztmalig beim Friseur. Zuletzt drängten mich bereits die Kollegen, diesen Schritt wieder zu wagen. Notfalls hätten sie Hand an meine Mähmaschine gelegt, die mein Bruder vor einiger Zeit wieder zum Leben erwecken konnte und die ihres ersten Einsatzes seit zig Jahren harrte. Gestern dann hatte ich selbst die Faxen dicke und scherte mich selbst, was ich aufgrund meiner kurzen Arme stets vermieden hatte, wobei ich mich eines Versuches vor vielen, vielen Jahren erinnerte, bei dem der Nacken nur sehr mühsam erreicht werden konnte. Aber der Leidensdruck war dementsprechend groß, so daß die Bedenken zerstreut wurden. Interessante Erfahrung. Normalerweise lasse ich mich in der Filiale "Cut and Colors die Juniors" beim Reudnitzer Kaufland von Auszubildenden für EUR 7,50 malträtieren. (7.10.2018)

  "Man ist vorsichtig optimistisch." "Wann hat man Grund zu mehr?" (Bosch S03E09)

  "Ich habe mit Jackson geredet. Er ist einer der wenigen mit einem schwarzen Gürtel im Umgang mit dir." (Convictions S01E04)

  "Mir gefällt Ihr Ton nicht." "Ich könnte Gesangsstunden nehmen." (Tatort E1065 - "Borowski und das Haus der Geister") - Hoffentlich fällt mir die Erwiderung gegebenenfalls an passender Stelle ein. Schon die zweite super Alternative, die mir in letzter Zeit begegnete und die man in konfrontativen Situationen einflechten kann. Die erste war "Sollen wir 2 bei einem warmen Kakao drüber reden?" (28.9.2018)

  Retweet: Erstaunlich, wie lange so ein „Es geht so nicht weiter“ weitergeht.

  Retweet: "Hallo, mein Name ist Rützel, ich habe ein Buch über Einsamkeit geschrieben und am liebsten mag ich die Widmung ('Für mich')."

  Ich habe den Callcenterhorst, der für 1&1 anruft, in weniger als 1 Minute mundtot gemacht. Regelmäßig wollen die mich für weitere Tarife, meist mobiler Natur, begeistern und hüpfen wie ein brünstiger Kläffer an meinem Bein hoch. (26.9.2018)

  Vorgestern bestellte ich eine Powerbank, meine erste, weil ich unterwegs mit dem Smartphone Videos gucken will und das Akku meines Videoguckhandys im Eimer ist. Die Bestellung sollte heute geliefert werden. Vorhin erhielt ich eine Mail, angeblich eine Amazon-Sicherheitswarnung, die ich allerdings als Spam werte, was Informationen durch die Amazon-Hilfe erhärten. Nur eben sehr merkwürdig, daß am Tag der angegebenen Lieferung, die dann auch noch tatsächlich fehlschlägt, mich solch paßgenauer Spam ereilt. Denn die Lieferung gilt tatsächlich als unzustellbar und geht an den Verkäufer zurück. Allerdings sind die Angaben widersprüchlich: Einerseits wäre die Lieferadresse unvollständig gewesen; andererseits sei das Päckchen entweder fehlerhaft oder Gefahrengut. Ziemlich mysteriös. Bleibt nur zu hoffen, daß die Rechnung nicht vom Konto abgebucht wird bzw. daß sie rückerstattet wird. So gläsern wir heute fühlte ich mich noch nie. (25.9.2018)

  Neben Verunreinigungen in Valsartan wurden - zwar nur bei einem Hersteller - auch welche in Losartan festgestellt, einem anderen Sartan (Gruppe von Blutdrucksenkern). Ich, der ich diverse Antihypertensiva und noch andere Medikamente einnehmen muß, möchte lieber nicht wissen, wo noch weitere unentdeckte Giftquellen lauern. Die Wahrheit wird, siehe VW-Skandal, meistens nur scheibchenweise und höchst zaghaft und unvollständig enthüllt. Was wir alles zu uns nehmen, welche Gifte uns zusetzen... Wenn man das in Gänze wüßte, würde man jedem Suizidgedanken abhold sein, weil er sich erübrigte. Apropo Spitze des Eisberges in Sachen Unentdecktes. Wie sehr Seehofer an Maaßen festhält, líeß ausländische Zeitungen vermuten, daß Maaßen eventuell über Wissen verfüge, welches andere in die Bredouille bringen könnte. (22.9.2018)

  "Sie sind niemandem ein normales Leben schuldig." (Die Heiland - Wir sind Anwalt S01E03)

  Es ist alles so schwierig und nervenaufreibend. Meine Bank hat ihre komplette Onlinearchitektur geändert. Das bisherige TAN-Verfahren via Desktopprogramm gilt nicht mehr. Stattdessen gibt es zwei Alternativen: Zum einen ein TAN-Generator (Hardware), den ich aber anschaffen müßte, zum anderen eine TAN-erzeugende Handy-App, die ich wohl vorübergehend verwenden werde, wenn meine Nummer nur noch bedingt einsatzfähig ist, weil der Vertrag im Juli beendet worden ist. Man sagte mir, daß es eine Weile dauern kann, bis die Telefonnummer inaktiv würde. Solange kann ich auch WhatsApp nutzen und eben das neue TAN-Verfahren, wenn es denn funktionierte. Die Bank gibt Umstellungsschwierigkeiten an, so daß ich momentan kein Online-Banking ausüben kann. Zudem fallen seit einiger Zeit Kontoführungsgebühren an (EUR 3,90 monatlich). Seitdem ich 1984 Kunde bei der Reichsbahnsparkasse wurde und die Sparda-Bank 1990 deren Nachfolge antrat, waren Grundgebühren zu Kontoführung nie ein Thema. Und heute waren gleich zwei Briefe mit Kontoauszügen in der Post, obwohl ich deren Zustellung seit Jahr und Tag eigentlich unterbunden hatte. Möglicherweise eine Folge der Umstellungsprozesse. Also baldigst in die Filiale vor Ort, um das abzuklären und drohende Portogebühren abzuwenden. Ärger im Alltag, den ich abgrundtief hasse. (18.9.2018)

  Vor Nachtdienst 1/5. Vor 11 Tagen hatte ich einen 5-Nächte-Zyklus beendet, nun folgt ein weiterer, der dadurch zustande gekommen ist, daß mich eine Kollegin bat, ihren Nachtdienst am kommenden Montag zu übernehmen. Und nur weitere zwei Wochen, Anfang Oktober, kommt nochmals ein 5er-Zyklus auf mich zu, ein bißchen happig das Ganze. Meine Entscheidung für 32 statt 40 Wochenstunden war 2016 gefällt worden und gilt bis Ende dieses Jahres. Sie kam nicht von ungefähr. Ich brauche die verlängerten Regenerationsphasen und kam mit ihnen bislang gut zurecht, weil der Dienstplan sie mir gewährte. Eine solche Häufung von 5 Diensten am Stück wie jetzt werde ich, sollte sie sich wiederholen, nicht hinnehmen. Das verkrafte ich nicht. Übrigens stellte ich am Montag beim Arbeitsgeber, zu dem ich mich nach dem letzten Nachtdienst morgens um 8 Uhr quälte, einen Antrag auf Verlängerung der Verkürzung meiner Wochenarbeitszeit auf 32 Stunden um weitere zwei Jahre bis Ende 2020. (13.9.2018)

  Retweet: "Man lernt doch nicht sprechen, nur um dann die Schnauze zu halten, wenn es darauf ankommt."

  Retweet: Nur, weil man damit lebt, heißt das nicht, dass man auch damit klar kommt.

  Laut einer Studie bedanken wir uns zu wenig und zu selten. Aus diesem Grund möchte ich mich bei allen, die das lesen, bedanken für Zuspruch, Ermutigung, Trost und Hilfe, die mir jemals zuteil geworden sind. Zurzeit vermisse ich gerade im beruflichen Umfeld Empathie, Verständnis und Nachfrage. In der Regel reagieren Menschen betroffen, wenn sie erfahren, daß sich Menschen in ihrem Umkreis das Leben nehmen. Scheinbar hätten sie nichts gewußt und geahnt. Das ist Schwachsinn. 80 Prozent aller suizidalen Menschen senden klare Signale aus, was sie bedrückt und welche Richtung sie in ihrem (Noch)Leben sehen. Leider sind die ach so kommunikativen Menschen (Whatsappitis) nicht fähig, von sich aus auf jedemanden zuzugehen und auch nur eine einfache Frage zu äußern. Man erwartet kein Gesamtpaket psychischer, psychotherapeutischer oder psychologischer Rundumbetreuung. Alles, was gegeben werden kann, wäre ein wenig Gnädigkeit, Auf- und Ermunterung. Stattdessen erfährt der Bedrückte eine Wand aus Granit und Schweigen. Menschen, die es gerade aus beruflicher Erfahrung besser wissen müßten, leben nebeneinander her und strotzen nur so vor Glätte und Nichtbeachtung. Noch einmal: Ich bin allen dankbar, die sich einen Notbedarf an Wärme und Emphathie mir gegenüber und überhaupt bewahrt haben. Für berühmte letzte Worte wäre das zu lang und gestelzt, nicht wahr? (28.8.2018)

  In der Nachbarschaft ululieren seit Stunden Leute - offenbar ein Zeichen einer Festivität von ausländischen Mitbürgern. Wenn man das länger hört, werden die Nerven schon ein bißchen strapaziert, vor allem wenn man diese Form des Ausdrucks nicht gewohnt ist. Gut, besoffenes Gröhlen von Deutschen wäre wahrscheinlich noch ein Tick schlimmer. (22.8.2018)

  "Freiheit ist nur ein Wort für eine neue Art, verarscht zu werden." (Dexter S01E05)

  "Intellektuelle Zentralverriegelung" - ein wunderbarer Ausdruck, den Roger Willemsen in seinem Vortrag benutzte.

  Nachts um 1 Uhr hämmerte es an der Tür. Eine Frau, die ich noch nie gesehen bzw. wahrgenommen hatte, sagte, die Feuerwehr sei informiert. Im Erdgeschoß könnte es brennen, der Rauchmelder in einer der beiden noch bewohnten Wohungen würde unentwegt piepen. Ich natürlich auf die Straße, wo dann 3 Lösch- und zwei weitere Einsatzfahrzeuge anrückten. Die Männer hämmerten gegen die Tür des jungen Mieters und bastelten, weil nichts passierte, an einer Leiter. Nach unglaublichen 10 Minuten öffnete der junge Kerl, offensichtlich zugedröhnt mit was weiß ich. Rauchmelder in den akustischen Ruhestand versetzt, Feuerwehr zog ziemlich unverrichteter Dinge ab, ich beendete die Konversation mit einer anderen Mieterin und schlich wieder ins Bett, wo ich bereits eingeduselt war. In dem Schock, als es an meiner Tür geklopft hatte, überlegte ich, was ich wohl im Ernstfall mit auf die Straße nehmen würde/müßte. Allzuviel unbedingt Erhaltenswertes fiel mir nicht ein. Auf die Bücher kann ich mittlerweile locker verzichten, der Computer selbst wäre schnell zu ersetzen. Mappen mit den wichtigsten Papieren wie Geburtsurkunde, Zeugnisse und Versicherungen vielleicht, die drei externen Festplatten dann doch. Obwohl. Wenn mir nicht klar wäre, wie schmerzhaft es sein würde zu verbrennen, würde ich, was meine derzeitige Verfaßtheit anbetrifft, lieber hier sitzen oder liegen bleiben. Dann wäre Ruhe, dann wäre endlich Ruhe.

  Jetzt ist es amtlich und erklärt so ziemlich alles bei mir: einsam durch Schlafmangel. Der Zombieeffekt: Man steckt auch die anderen an. Wenn man sehr schlecht drauf wäre und auch ein klein wenig sadistisch, würde man das gar nicht so schlimm finden.

  Während meiner Tage bei Freunden in Regensburg gelang ein Abstecher zu einem Freund, der im Kraftwerk Irsching tätig ist und mir einen Rundgang durch zwei Blöcke gewährte und ich auch die Aussicht von der 80 Meter hohen Plattform eines der Türme genießen konnte. Bei 36°C am Boden hätte ich mir am liebsten Schlafsack und Isomatte geholt und dort in luftiger Höhe übernachtet. Wenn ich auch wenig Verständnis für die technischen Details aufbringe, so beeindruckte mich doch, wie sehr der Mensch durch seine Klugheit hochkomplexe Technik entwickeln konnte, die funktioniert und der Natur etwas abringt. Die Apparaturen haben sogar Eleganz und in ihren gigantischen Ausmaßen eine stille Würde. Verblüfft hat mich ebenso, wie kompliziert und ausgefeilt die Netzstabilität beschaffen ist, und daß trotz der gefährlichen Stoffe, mit denen umgegangen wird, fast nie etwas Schlimmes passiert. Alles muß absolut dicht sein. Manchmal würden Mikromengen eines Gases oder einer Säure, die an eine nicht für sie vorgesehen Stelle gelangten, für einen Gau ausreichen. Absolut bewunderswert dieses Zusammenspiel von Mensch, Physik und Technik.

  Der Buchsbaumzünsler frißt sich gerade durch Sachsens Parks und Gärten und hat auch die Hecken meiner Regensburger Freunde verwüstet. Als Nichtbetroffener kann ich allerdings einem Schädling mit dem Namen "Zünsler" nicht wirklich böse sein. Ich sehe mich so pseudobetroffen ironisch kopfschüttelnd vor mich hinmurmeln: "Ts, ts, der Zünsler, der Zünsler also, ha?"

  Einsprengsel aus der Dokumentation (5): Am verblüffendsten finde ich die Bemerkungen Kulenkampffs oder der Gäste, die die Regisseurin aus den TV-Archiven hervorgeholt hat. Politische und gesellschaftliche Anspielungen verstand auch ich als Kind damals selbstverständlich nicht, weswegen ich jetzt beim Ansehen der Ausschnitte so perplex bin. - Wie der soignierte Herr in Zusammenhang mit möglicher Schummelei sagt: "Das habe ich bei Juden gelernt" und Kulenkampff verschämt ein "Zensur!" flüstert. Oder Kulenkampff, der bei der Schnapsverkostung die Wodkaflasche zurechtrückt und sagt, dies sei "das erste Mal, dass ich nicht bereue, in Russland gewesen zu sein?"

  Einsprengsel aus der Dokumentation (4): "Auch meine Eltern gingen ins Kino. Auf ärztliche Anweisung sogar. Meine Mutter wird nicht schwanger. Darum hat ihr der Hausarzt empfohlen, erstmal das Leben zu genießen und ins Kino zu gehen. Dann klappt das irgendwann schon mit dem Kinderwunsch."

  Einsprengsel aus der Dokumentation (3): Das von Kulenkampff beiläufig hingenuschelte "wegen seiner Jugend vom Gesetz nicht betroffen" konnte ich nicht näher recherchieren. Es war wohl eine Art Unbedenklichkeitszeugnis & Persilschein für Jugendliche.

  Einsprengsel aus der Dokumentation (2): "Was bin ich" - auch so eine TV-Ikone meiner Kindheit. Nur wußte ich nicht, daß das Original aus den USA stammte und "What's my line?" hieß.

  Einsprengsel aus der Dokumentation (1): "... daß der Störenfried in der Welt die Sowjetunion und der Kommunismus ist." (Adenauer)

  Starke Empfehlung, die Dokumentation "Kulenkampffs Schuhe" anzugucken. ttt führt in sie ein. Es war teilweise auch MEINE "gute alte Zeit", von der diese Rückblende berichtet. Auch ich saß Samstagabend frisch gebadet vor dem DDR-Fernseher und guckte Kulenkampff und Hans Rosenthal und die anderen Shows. Ein Bilderbogen zurück in die Kindheit, zu vielen Markenprodukten und Ereignissen, ein gemeinsamer Bilder/Wortschatz, denn die Einschaltquoten damals waren so geartet, daß von gemeinsamer Erinnerung gesprochen werden kann. Im Deutschlandfunk ein Interview mit der Regisseurin.

  Als ich kürzlich in den Flixbus einstieg, war es mein erstes Mal, und ich wußte nicht, wie genau es abläuft. Während ich noch bedeppert mit meinem Kärtchen dastand, die vom heißen Wetter und der Aufregung schweißnasse Hand um die viel zu große Reisetasche geklammert, hatten die anderen ihre Gepäck bereits verstaut, den QR-Code vom Busfahrer scannen lassen und waren im Bus verschwunden. Als ich ihn schließlich betrat, saßen alle da, vertieft in ihr Smartphone, eine Journaille oder bestenfalls in ein Buch. So fertig ich war nach den kräftzehrenden Nachtdiensten und den nur 2 Stunden Schlaf am Vormittag - mein Hirn setzte einfach aus. Ich war regelrecht blockiert. Weder wußte ich, ob die Sitzplätze bei der Buchung vergeben worden oder frei zu wählen sind, noch gelang es mir in diesem Moment, danach zu fragen. Ich stand wie ein Ölgötze auf dem Gang, und dies geschlagene 2 Stunden lang, bis mir das Durcheinander anläßlich des ersten Haltes in Hof die mentale Blockade löste und ich mich einfach auf den nächsten freien Sitzplatz fallen ließ. Die verkrampften Beine und schmerzenden Füße dankten es mir. Selber schuld, nicht wahr? Was ich aber sagen will: Wohin sind wir in dieser Gesellschaft gekommen? Es saßen drei Dutzend Menschen in diesem Bus und keiner fragt mal nach, keiner der vielleicht 8 allein sitzenden jungen Reisenden bot den freien Platz neben ihm an. Keine Frage, keine Nachfrage, auch mimisch und gestisch bei meinen Rundumblicken keinerlei Bereitschaft zur wie auch immer gearteten Kommunikation. Leergefegte Gesichter, wenn man sich anguckte. Was ich vermißte, war nur ein Fitzelchen von Feinfühligkeit, von Auf-den-anderen-Eingehen, von sozialem Engagment. (9.8.2018)

  Vor Nachtdienst 1/4. Tage ohne Alkohol: 968. Es stehen 11 Arbeitswochen an, bevor ich am 22. Oktober den letzten Urlaub für dieses Jahr antreten darf. Gleichzeitig mit den zuende gehenden arbeitsfreien Tagen endet heute die Hitze. In der kommenden Nacht wird es nochmals eine nahezu tropische Nacht geben (19°C), aber schon die Nacht auf Samstag lockt mit Temperaturen von 13 bis 14°C, worauf ich mich ausnehmend freue, auch wenn ich sie im Glutbunker unserer Station nur wahrnehmen kann, wenn ich mir die Zeit nehme, kurz auf den Balkon zu treten oder wenn ich es schaffe, mich fünf Minuten loszueisen, um in den Hof zu gehen oder gemächlich die Klinik zu umrunden. Solche Zäsuren gibt es normalerweise nicht und müssen abgesprochen werden. Aber gerade auf die nächtliche Abkühlungen der nächsten Tage freue ich mich besonders. (9.8.2018)

  Als ich am zweiten Tag in Regensburg sowohl in einem Pflegeheim auf einer Demenzstation gewesen war als auch abends in einem Biergarten, meinte ich zu meinen Freunden: "Nun habe ich Bayern gesehen und erlebt." Natürlich wurde ich angehalten, doch möglichst einen Brotzeitteller zu ordern. Im Visier hatte ich ein Schaschlyk, weil es zu DDR-Zeiten an jeden Imbißstand gehört, man heute aber regelrecht danach suchen muß. Dennoch ließ ich breitschlagen und bestellte die Brotzeit, von der ich allerdings ein bißchen enttäuscht war. Aufschnitt, um einen Fußballmannschaft zu sättigen, aber nur zwei Scheiben Brot nebst einer halben Tomate und einer Gurke. Die Wurstauswahl, wenn ihr mich fragt, etwas uninspiriert. Wer Deftiges erwartet, hätte mich Blut-, Zungen-, Preß- und/oder Leberwurst gerechnet. Freilich etwas Nußschinken, bayrischer Leberkäse, etwas Schnittkäse, Mortadella, Salami und einige kleine Stücke Pfefferbeißer. Hätte ich den Obatzter gewählt, den von der Nachbarin zu kosten bekam, hätte ich etwas Originelleres und Selbstgemachtes auf dem Teller gehabt. (7.8.2018)

  Wie ich gerade feststellen durfte, hat es der berühmte Schriftzug aus handgeblasenen Neonröhren "Mein Leipzig lob' ich mir...", der nach 11 Jahren Abstinenz wieder installiert worden ist und seit gestern wieder dank LED leuchtet, in die Tagesthemen gebracht. Da mein Arbeitsweg mich mit der TRAM 1 täglich daran vorbeiführt, freue ich mich besonders über diesen seit Kindertagen so gewohnten Schriftzug. (27.7.2018)

  Bei Claudia Klinger kommentiert und auf eine Einlassung reagiert, in der jemand schrieb: "Für mich macht es einen Unterschied, ob ein Mensch sich kalkuliert in Lebensgefahr begibt bzw. andere in Lebensgefahr bringt (wie die Schlepper), oder ob ein Mensch unabsichtlich in Lebensgefahr gerät." - Humanismus kann nicht ausgenutzt werden. Er gibt & gilt freiwillig jedem. Die Menschen, die zu uns flüchten, sagen sich nicht: Oh, jetzt setze ich mich mal in dieses Boot, weil ich die europäische Politik aufmischen will, was für ein Heidenspaß. Wenn man dein Kriterium der kalkulierten Lebensgefahr stringent anwenden wollte, dann müßte man 90% der Bronchialkarzinome unbehandelt lassen, weil Menschen geraucht haben. Man müßte den größten Teil der Herzinfarkte, Schlaganfälle und weitere durch falsche Lebensweise entstandene Krankheiten sich selbst überlassen. Man dürfte keine verunfallten Sportler mehr kurieren, keine schiefgegangenen Selbstmörder mehr therapieren. Jeder Verkehrsteilnehmer setzt sich freiwllig der Gefahr aus, vom nächsten LKW umgenietet oder der nächsten Straßenbahn 100 Meter mitgeschleift zu werden. Eine Gemeinschaft von 500 Millionen Menschen sollte fähig sein, sowohl kurzfristig den verzweifelten Menschen aus der Lebensgefahr zu helfen als auch langfristig die Weichen zu stellen, daß die Fluchtursachen in den Herkunftsländern ausgemerzt werden. Und wenn der Klimaschutz nicht gelingt, werden uns die vor Dürre und Wassernot Fliehenden sowieso die Bude einrennen. So abschotten können wir uns gar nicht, daß wir diesem Ansturm gewachsen wären. (23.7.2018)

  Retweet: Wie viele Menschen geboren werden und dann gar nicht leben.

  Daß Trump so mit Putin kuschelte, regt nun alle Welt auf. Daß Trump ausgerechnet bei dieser Sache Gegenwind spürt, regt mich nun wieder auf. Ich meine, er hat seit seinem Amtantritt als Präsident so unglaublich viele dumme Sachen gesagt und getan. Und jetzt, da er in den Augen seiner Landsleute nicht den starken Mann markiert hat, der er als Präsident des mächtigsten Landes der Welt zu sein hat, sind selbst viele seiner Parteileute pikiert. Ich begreife diese Welt echt nicht mehr. (17.7.2018)

  "Keine Veränderung tritt unverzüglich ein." Diese Bemerkung aus "The Handmaide's Tale" weist so genau auf das hin, was wir momentan erleben, diese schleichende Aufweichung der mühsam durch zivilisatorische Prozesse gewonnenen humanitären Errungenschaften. Früher schon wurde immer wieder gewarnt, wie dünn und fragil der Firnis der Zivilisation sei. Jetzt ist Der Niedergang längst real und miterlebbar. (17.7.2018)

  Retweet: Dass die hier lebenden Geflüchteten unsere Werte beigebracht bekommen - lässt sich das noch irgendwie aufhalten?

  Aufgeschnappt: "Die Vorstellung im Leben nichts zu meckern zu haben, ist mit einem deutschen Hirn einfach nicht kompatibel."

  Meine Hausärztin billigt mein Ansinnen, doch wenigstens einmal im Arbeitsleben eine Kur zu beantragen, prinzipiell, erhebt aber den Einwand, daß, da ich quasi als Pflege-Dracula lebe, eine Kur sich bei diesem verankerten und stabilen Nacht-Tag-Rhythmus eventuell störend auswirken könnte, indem sie diesen durcheinander brächte und ein Erholungseffekt möglicherweise nicht erzielt würde. Mit diesem ABER rechnete ich zugegebermaßen nicht. (11.7.2018)

  Gestern wollte ich beim Non-Food-Discounter MäcGeiz eine Wollmütze kaufen. Als fast Glatzköpfiger oder zumindest sehr Kahler freut man sich, wenn man zudem nicht andauernd einen Schirm mit sich herum schleppt, den man eh nur dann braucht, wenn er nicht zur Hand ist, - freut man sich also, wenn das Haupt mit einer Mütze bedeckt werden kann, sollte es stärker regnen. Nieselt es, kein Problem, schon gar nicht bei einem milden Sommerregen - ihr merkt, ich spreche höchst hypothetisch! ABER: die MäcGeiz-Verkäuferin guckte mich ebenso skeptisch an wie zuvor die Postschalterangestelle. "Im Sommer führen wir Basecaps, Wollmützen nur im Winter." Is klar. Daß man eine Mütze auch zum Schutz vor Regen einsetzen könnte, ist ein abstruses Konstrukt, mit dem man in der Marktwirtschaft niemals rechnet. (11.7.2018)

  Auf meinen Pessimismus bin ich stets stolz gewesen, bildete ich mir doch ein, die Welt annähernd realistisch zu beurteilen und den Schönrednern nicht auf den Leim zu gehen, den unausstehlichen Optimisten und Gutgelaunten. Doch offensichtlich haben alle Menschen Wahrnehmungsfilter. Einer nennt sich das "Gesetz der zunehmenden Penetranz der negativen Reste". Wenn Probleme gelöst werden, werden neue identifiziert bzw. wenn sich ein Problem verringert, "weiten Menschen reflexartig dessen Definition aus. Wir betrachten "automatisch mehr Umstände als problematisch".Es sieht so aus, als gucken wir "immer kritischer auf den Zustand der Welt", "je stärker sich dieser zum Positiven entwickelt," so daß sich der Fortschritt quasi selbst verbirgt. Der Mensch ist wahnsinnig anpassungsfähig. Umgekehrt gilt es auch, so daß Lottogewinner nach einiger Zeit dasselbe Glücksempfinden haben wie vor ihrem Gewinn. Das Gesetze der veränderten Wahrnehmung und Bewertung gilt auch in der Gesundheit: "Wo die Cholera wütet, klagen wohl kaum Menschen über eine Laktoseintoleranz." Daß die Welt besser ist als gedacht, zeigen Statistiker wie Hans Rosling. Mit seinem Buch "Factfulness" habe man eine Handhabe, um mit Fakten und Zahlen belegen zu können, daß sich Dinge meist zu ihrem Besseren entwickelt haben.

  Ein in der Mall hingeschmettertes "Hilde, da kommt dein Lieblingsladen" veranschaulicht, warum Einkaufen für mich keine grundsätzliche Erholung bedeutet.

  Nicht nur ich bin solcherart betroffen: "Älterer, belesener Herr hatte Schlaganfall, und tut sich seither schwer mit dem Schauen. Beim Optiker und beim Augenarzt funktionieren 3D-Sehen und lesen gut, im Alltag aber ist alles Mühsal und Stolpern. Ist eine Neurologin hier, die weiter weiß, was da zu tun ist?" (RT)

  geb. 2004 / voraussichtlich gest. 2018
innehof_chirugie2 Aufgrund eines politischen Beschlusses, der vorsieht, daß Notfallaufnahmen künftig über eine internistische UND chirurgische Abteilung verfügen müssen, soll unsere, bisher rein internistische, um eine chirurgische Einheit erweitert werden, damit sie bestehen bleiben kann. Nun sind wir ringsum von Bäumen umgeben, vom hier schon mehrfach beschriebenen und erwähnten Robert-Koch-Park. Um den Beschluß umzusetzen, wird die Idylle dennoch zerstört, indem dieser lauschigen und großartigen Innenhof plattgemacht und mit Blechcontainern zugebaut wird. Genießt also nochmal den Anblick!
innehof_chirugie

  Eigentlich könnten wir Pessimisten uns zurzeit rechthaberisch gebärden und in der Bestätigung der eigenen Schwarzsichtigkeit suhlen. Egal, wohin man blickt. Seehofer als Asylnörgli. Die Kriege sowieso und immer als Erhaltungsdosis. Der politische Rechtsruck in Europa, nicht nur in den Wischiwaschistaaten. Alice Weidel sprach gestern in Anlehnung an Gaulands 'Wir werden sie jagen' von einer schon begonnenen Jagd. Trump wird von mir als absurdes Theater wahrgenommen; da fehlen mir die Worte und Vergleiche. Und Sammellager "Kontrollierte Zentren" zu nennen - meine Güte, wie weit sind wir bereits auf einer nach unten offenen Naziskala. Und unter Kollegen schweige ich bei politischen Themen neuerdings, weil es einfach keinen Sinn ergibt, gegen Windmühlen anzukämpfen, selbst wenn sie ökologisch=nachhaltig betrieben werden. (3.7.2018)

  Retweet: Ich lese seit 30 Minuten Internet und könnte schon wieder Cognac. Oder Bolzenschussgerät.

  Retweet: Abend. Den Tag ins egal legen.

  Retweet: Die schrittweise Zunahme der politischen Schäbigkeiten ist so zermürbend, dass viele keine Energie zum Widerstand mehr haben werden, wenn es wirklich ernst wird.

  Mein Vater meint, es wird nix mehr mit der Integration. In vereinzelten Fällen vielleicht. Aber das Gros? Das im "Nahkampf" Erlebte scheint ihm das zu bestätigen. Syrer in der Nachbarschaft stellen ausrangierte Sachen wie Möbel, Teppiche und Hausrat auf die Straße, wo es naturgemäß stehenbleibt. Gestern erwischte er jemanden, der gerade einen Teppich ablegen wollte, schimpfte mit ihm. Der Syrer zeigte sich sehr verständnisvoll und einsichtig und schmiß den Teppich einige Zeit später an eine andere Straßenecke.

  Nachdem ich zwei Wochenenden hintereinander alleine Nachtdienst auf Station schieben mußte, waren wir während der vergangenen vierzehn Tage wieder zu zweit. Neuesten Gerüchten zufolge wird unserer Notfallaufnahme (NFA) eine chirurgische Einheit angegliedert, was etwas mit den Vorgaben zu tun hat, unter denen Finanzierungen erfolgen. Wie genau das vonstatten gehen soll, weiß ich noch nicht. Die Kinderstation, die seit September letzten Jahres an unserem Klinikstandort arbeitet, scheint zu florieren; zumindest werden in der NFA weit mehr pädiatrische Fälle behandelt als adulte. Bei chirurgischen Fällen, die über eine Platzwunde hinausgehen, werden die Notfallaufnahmen des Diakonissenkrankenhauses, des Universitätsklinikums oder die am Eutritzscher Standort angefahren. Pflegekräfte werden wohl allerorten gesucht. In den Werbeeinblendungen im Straßenbahn-TV sucht selbst das beliebte Diakonissenkrankenhaus Pflegekräfte für den stationären Bereich. Unsere Klinik dreht einen Imagefilm, mit dem ebenfalls händeringend neues Personal rekrutiert werden soll. Komparsen dafür wurden unter uns erfragt. Ich würde freilich nie mitwirken, weil - sagen wir so - meine Teilnahme an einem Werbespot für die Bundeswehr als legendärer Antikriegsfilm in die Annalen einginge. (26.6.2018)

  Retweet: Mich dünkt, es gereiche meiner Gesundheit nicht zum Wohle, mich regelmäßig über die Lage der Welt in umfassendem Maße zu informieren.

  Es ist vorzüglich, einen Bruder in der Hinterhand zu haben, der handwerkliche Skills mitbringt. Wenn die Dichtung in der Spüle schlappmacht und den halben Schrank flutet, kann er helfen und ich wieder aufatmen, nachdem ich den Schmodder, der Pfannen und Töpfe verschmiert hat, entfernt habe. Jetzt habe ich Spülhände und Tilly aus meiner Jugend weit weg. (20.6.2018)

  Heute war ich zum Reanimationskurs, der für uns alle zwei Jahre verpflichtend ist. Dies changiert im Lauf der Zeit. Gerne auch alljährlich. Die Richtlinien ändern sich immer wieder. So oft man die Abfolge und das Drumherum auch hört, jedes Mal fällt einem etwas Neues auf. Aber auch sonst lohnt es sich, weil man im Fall der CPR wie ein Automat funktionieren muß. Alles muß wie am Schnürchen klappen. Glücklicherweise bin ich bis jetzt verschont geblieben und mußte niemals jemanden außerhalb der Klinik wiederbeleben. (19.6.2018)

  Gestern Abend in der Straßenbahn ein Vater, dessen kleiner Junge im Buggy immer wieder gegen die Beine des Papas trat und offenbar mächtig viel Spaß dabei hatte. Der Papa ermahnte das Kind erfolglos und gab ihm schließlich mehrfach einen Klaps auf dessen Beine, woraufhin sofort ein danebensitzender Hipster dazwischenging und den genervten Papa maßregelte, ob er denn aufhören könnte, sein Kind zu schlagen. Ich mußt spontan die Bahn wechseln, weil mein Nervenkostüm in Anbetracht der allein zu bewältigenden Nachtschichten nicht vorzeitig lädiert werden darf. (10.6.2018)

  Das zweite Wochenende in Folge arbeite ich allein im Nachtdienst. Zusammen mit der Nachbarstation sollen wir auf 40 Betten begrenzt sein und uns gegenseitig helfen. Ein schwacher, brüchiger Kompromiß, der den Dienst zu zweit nicht ersetzt. Denn die Begrenzung auf 1 Ebene bewirkt eine ungleiche Verteilung von Kranken auf die zwei Teile unserer Ebene. Ich mußte in der vergangenen Nacht 22 Patienten versorgen, die Schwester nebenan lediglich 9. 22 Patienten mit geriatrischem oder onkologischem Krankheitsbild sind aufwendiger. 22 klingeln natürlich häufiger als 9. Und es genügen immer ein oder zwei Problemfälle, um einen Dienst seinen Stempel aufzudrücken. Jemand mit Durchfall, den man zigmal säubern und mit neuem Inkontinenzmaterial versehen muß, dazu jemand Dementes, der sich dauernd verirrt und mühsam davon abgehalten werden muß, Mitpatienten in anderen Zimmer zu beglücken oder Räumlichkeiten mit Urin zu bewässern, reichen allemal, daß man beim Tabletten stellen oder anderen Routinearbeiten gestört und aufgehalten wird. Es nervt, jedesmal neu ansetzen zu müssen. Von daher ist die "Etagen"-Regelung beschissener als die Gleichheitsregelung mit jeweils nicht mehr als 20 Patienten auf beiden Seiten, wie es in der Vorwoche gehandhabt worden war. (10.6.2018)

  Die Hitze ist einem Tagschlaf, wie er mir als Dauernachtdienstler auferlegt ist, nicht eben zuträglich. Trotzdem konnte ich heute bis kurz vor 17 Uhr schlafen, währenddessen es an freien Tagen eher mies aussieht und sich regelmäßig ein beträchtliches Schlafdefizit aufbaut. Zudem beeinträchtigen mich derzeit wieder Herzrhythmusstörungen, nachdem mir einige Monate der Beschwerdefreiheit gegönnt waren. Sie kommen und gehen, ohne daß irgendwelche Parameter oder Bedingungen ausgemacht werden könnten, die sie heraufbeschwören oder blockieren. Einzig das Schlafdefizit wirkt sich verschlimmernd aus. (9.6.2018)

  Von meinem Fenster aus kann ich es zwar nicht einsehen, aber in der Nachbarschaft scheppert es enorm. Ein Polterabend. Das habe ich seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr erlebt, daß hier mitten in der Stadt auf offener Straße seit mehr als einer Stunde immer wieder Geschirr zerdeppert wird. (9.6.2018)

  Auf Arbeit gibt es einen Tabubruch. Zum ersten Mal, seitdem wir mit den Fachbereichen Geriatrie / Onkologie arbeiten, d.h. seit mehreren Jahren, muß ich allein Nachtdienst machen. Das ist eine Zäsur und ein Aufreger, den ich, den wir noch verkraften müssen. Hineingeschmissen wurde ich gestern Abend, als ich zu einem Dienst antrat, von dem ich glaubte, ihn mit einer Kollegin absolvieren zu können, mit der ich seit Äonen zusammen arbeite. Psychisch ist das wichtig, wie man in den Dienst hinein/herangeht. Um so gravierender, plötzlich mit der Situation konfrontiert zu sein, allein arbeiten zu müssen. Das ist vor allem psychisch eine enorme Belastung und zehrt an den Nerven. Sollten diese Tage Schule machen und als Präzedenzfall dienen, ziehe ich so schnell wie nur möglich Konsequenzen und downsize von 32 Wochenstunden auf 24! (2.5.2018)

  Drei Tage lang hatte ich kein DSL-Signal und also auch weder Telefon noch Internet. Natürlich hatte ich wieder mal keine gültige Hotlinenummer parat bzw. funktionierte diejenige nicht, die eigentlich hätte funktionieren müssen. Gestern dann ein geglückter Anruf bei 1&1 und dreißig Minuten schwitzend und aufgeregt am Telefon meines Vaters. Der Servicemitarbeiter meines Providers war freundlich. Er fragte Informationen zu meiner Hardware ab, instruierte mich zum Herausziehen und Wiedereinstöpseln mancher Stecker, durchmaß die Leitung, stellte, wie er sagte, probeweise auf ein minimales DSL-Profil mit maximal 2,3 Mbit um, fand aber keine Lösung des Ausfalls bei sich, d.h. 1&1, und schickte die Meldung an die Telekom selbst und ich solle mich bis zu einem Tag gedulden und dann nochmals anrufen, wenn bis dahin nix passiert sei. Nachts - ich lebe inzwischen auch an freien Tage eher nachts und schlafe vom frühesten Morgen bis zum Mittag - im 3 Uhr war noch kein DSL-Signal vorhanden. Als ich vorhin um 12 Uhr aufwachte, war es wieder da. Ich - im Freudenrausch - startete den PC und mußte leider entdecken, daß statt der gewohnten 6 Mbit nurmehr 2,3 Mbit durch die Leitung kommen und die Downloads, die ich täglich mache und die sich durch den Ausfall angestaut haben, lausig langsam verlaufen. Ich vermute, daß jenes minimale DSL-Profil, das durch den 1&1-Servicmitarbeiter eingestellt worden war, so noch aktiv ist. Noch fehlt mir die Chupze, nochmals die Tortur eines Hotlineanrufes auf mich zu nehmen und damit Gefahr zu laufen, das jetzt wenigstens, wenn auch schleppend funktionierende Internet erneut lahmzulegen. (31.5.2018)

  Mein technisches Unverständnis geht so weit, daß ich beinahe meinen alten, seit vielen Jahren unbenutzten Haarschneider entsorgt hätte, weil er sich nicht mehr anschalten ließ. Weg einer Hautsache traue ich mich gerade nicht zum Friseur und müßte, wenn ich nicht komplett zuwuchern will, selbst Hand bzw. Scherer anlegen. Mein Bruder sprüht nur etwas Ölspray auf die Mechanik und, zack, sprang der Rasierer wieder an. (30.5.2018)

  Retweet: In meinem Leben würde ich alles noch mal genauso machen. Ich würde nur die Rollen mit anderen Charakteren besetzen.

  Nachdem ich vor einiger Zeit die superspannende neunteilige belgische Krimiserie "Tabula rasa" mit Veerle Baetens gesehen habe, die mit dem Topos anterograde Amnesie spielt, sendete arte nun die französische dreiteilige Horror-Miniserie "Hinter den Mauern" (Per Vorschlaghammer ins Gruselkabinett), die ich dank meines Mediatheken-Grabbers "MediathekView" auf die Festplatte hole und auf die ich mich sehr freue; denn Tabula rasa bescherte mir sagenhafte Stunden bibberndes Mitfieberns. Nur noch wenige Tage online abrufbar: Teil 1, Teil 2 und Teil 3. Beeilt euch also! Daneben habe ich von der belgischen Krimiserie Code 37 - ebenfalls mit Veerle Baetens - erst zwei der drei Staffeln gesehen. (19.5.2018)

  Zum Herdenschutz gegen Wölfe will man jetzt Esel einsetzen. "Esel rennen bei einem Angriff nicht weg. Im Gegenteil! Sie verteidigen sich aggressiv mit gezielten Tritten, Bissen und brüllen laut!" Im Prinzip wie ich auf Arbeit. (18.5.2018)

  Unser einst so beschaulicher Leipziger Osten wird zurzeit durchgerüttelt. Erst der Großbrand vom 29. März, bei dem ein gerade erst saniertes Mehrfamilienhaus einige Fußminuten von hier total unbewohnbar geworden ist und ein Todesopfer beklagt werden mußte, vorgestern eine Serie mit Bränden, von denen einer quasi vor meinem Fenster in der Plaußiger Straße, während ich aber auf Arbeit war, geschah, als eine Mülltonne angezündet wurde. Und in der Nacht zu gestern ein weiterer verheerender Dachstuhlbrand, der ein weiteres Haus in der Nähe unbewohnbar machte und durch den mindestens fünf Menschen verletzt wurden. In der vergangenen Nacht eine Minute von hier in der Wurzener Straße an meiner Straßenbahnhaltestelle ein Brand, zu dem mir weitere Informationen noch fehlen. Außerdem passierten in den letzten drei Wochen schwere Unfälle mit Fahrradfahrern: Ende April, am Ring am Wilhelm-Leuschner-Platz, starb ein 16-jähriges Mädchen, das von einem abbiegenden LKW erfaßt wurde; am Sonntagabend wurde in der Jahnallee eine Fahrradfahrerin von einer Straßenbahn erfaßt und nur einen Tag zuvor wieder unweit meines Wohnortes in der Torgauer Straße, Höhe Volkgarten, ein 80-jähriger Fahrradfahrer von der Linie 3 umgefahren. Beide wurden schwer verletzt. (15.5.2019)

  Mit nur 5 zu verbratenden Urlaubstagen stehen 10 arbeitsfreie Tage vor mir, denn angekoppelt an den eigentlichen Urlaub sind vorn- und hintendran meine mir zustehenden je 3 freien Wochentage. Da bedeutet, morgen früh beginnt mein Urlaub und in der Folgewoche muß ich erst am Donnerstag, dem 25. Mai, wieder auf Station antreten. So richtig nötig habe ich den Urlaub nicht, weil die letzten Wochen durch die aus den Feiertagen resultierenden zusätzlichen freien Tagen, einigen Zusatzurlaubtage und einer allgemein entspannteren Pflegesituation auf Station das Gefühl verminderten Arbeitsdruckes hatte. (13.5.2018)

  In Leipzig fanden gerade TangoTage statt. Obschon ich überhaupt nie tanzte, weiß ich Eleganz zu schätzen, die in diesem SP-Bericht den Zuschauer beeindruckt. Tanzen lernte man als Leipziger Kind in der DDR in der Tanzschule, die ich allerdings als wohl einziger meiner Klasse nie besuchte. Den Grund habe ich vergessen oder verdrängt. Ob es mein eigener Entschluß war oder Desinteresse meiner Eltern - keine Ahnung. (14.5.2018)

  In Claudia Klingers Blogbeitrag "Keiner bleibt allein – außer den Alten?" kommentierte ich: "Glücklicherweise werden neue Formen des Zusammenlebens ausprobiert. Mehrgenerationshäuser, Clusterwohnen sind zwei Möglichkeiten, etwas gegen die Vereinzelung zu unternehmen. Gestern sah ich einen Bericht über das Leipziger Startup bring-together ("Matching-Plattform für Gemeinschaftssuchende"), das als Vermittler für eine Wahlfamilie dienen will. Ob und wie alte Menschen mit anderen zusammenleben können, weiß ich nicht. Ich habe durch meine Arbeit auf der Geriatrie "nur" Kontakt mit jenen in der allerletzten Lebensphase, wo die gesundheitlichen Einbußen ein solches Ansinnen in den Hintergrund rücken lassen. Es sei denn, es würde Bedingungen geschaffen, daß selbst Sterbende und Menschen in dieser letzten Phase, wenn sie zwischen Wohnort und Krankenhaus Pingpong erleben, in solche gemeinschaftlichen Strukturen eingebunden würden.

  Retweet: Die Bedienungsanleitung für sich selbst wird einem auch nur nach und nach ausgehändigt.

  "Es ist 'n echter Fluch, so klar zu sehen." (Stranger Things S02E06)

  Als Katholik, der in Sachsen groß geworden ist und stets ein Faible für die monastische Lebensweise im besonderen und die klösterlichen im allgemeinen hatte, wußte ich selbstverständlich um die Existenz der Klöster und Ordensgemeinschaften im Bistum. Allerdings habe ich es erst heute geschnallt, daß in der Oberlausitz ja gleich zwei Zisterzienserinnen-Klöster existieren: Kloster St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau und Kloster St. Marienthal bei Ostritz. Irgendwie hatten sich beide in meinem Hirn vermischt und erst durch die sanierte Klosterkapelle des zweiten Konvents wurde mir diese Unkorrektheit bewußt. Als Jugendliche waren wir in verschiedenen Rahmen mehrmals in den Klöstern. Die Benediktiner errichteten ihr Priorat in Wechselburg erst nach der Wende. (10.5.2018)

  Infolge zweier Zusatzurlaubstage (gestern + vorgestern) muß ich nur zwei Dienste ableisten. Zusatzurlaubstage werden sporadisch in den Dienstplan eingefügt und werden je nach geleisteter Schichtarbeit zum Grundurlaub addiert (bis zu 5 Tage jährlich). Der Vorteil ist: sie überhaupt zu bekommen; der Nachteil: daß sie ungefragt & spontan einfach freien Tagen "angepappt" werden, man also im Vorhinein nichts planen kann. So hatte ich in dieser Woche von Montag bis Freitag frei und gehe gleich zu Nachtdienst 1/2 - ein kurzes Vergnügen, falls man die Arbeit als solches aufzufassen imstande ist.

  Die Kollegen plädieren für ein ständiges Vetorecht bei Dienstplänen.

  Retweet: Gebeugte Verben auch mal wieder aufrichten.

  Retweet: Löschpapier, aber nicht für Tinte, sondern für Traurigkeit.

  Retweet: Ein Kind in der Straßenbahn ist enttäuscht und man muss ihm erklären, dass das so bleiben kann, wenn man nicht aufpasst.

  Man bräuchte eine Kläranlage für Gedanken und all die Bösartigkeiten und den Schmutz, der täglich unsere Sinne erreicht.

  Im Zusammenhang mit dem Neonazitreffen in Ostritz hat ein Grünen-Politiker von der "kollektiven Unfriedlichkeit" einer Versammlung gesprochen. Diesen Zustand würde ich glatt der gesamten Menschheit zusprechen. (22.4.2018)

  Der Termin zur nächsten Routineblutabnahme bei meiner Hausärztin mußte neu verhandelt werden. Mir wurde eine Änderung per Anrufbeantworter von 8.15 Uhr auf 8.30 Uhr an einem anderen Tag mitgeteilt. Ich rief zurück, daß das schon zu spät für mich sei, wenn ich direkt von der Nachtwache in die Praxis käme und danach noch schlafen müßte. Ich bot an, das Blut mitzubringen, es mir also noch auf Station abnehmen zu lassen und dann nur zum Bekleben der Röhrchen vorbeizuschauen. War auch wieder nicht recht, weil man nicht wisse, welche Art von Röhrchen wir hätten und ob die Labormaschinen mit ihnen etwas anfangen könnten. Durch mein Genörgele bekam ich dann aber sogar die Polposition unter den Arztterminen, nämlich den ersten um 8 Uhr. Nach dem Auflegen freute ich mich wie ein Schneekönig über meine sensationelle Verhandlungstaktik, bis mir auffiel, daß der neue Termin auf einen Donnerstag fällt, an dem ich gar keinen Dienst habe und mich demnach sinnloserweise frühmorgens auf dem Bett quälen muß, um mir das Scheißblut abzapfen zu lassen. Ein weiterer Beweis meiner Lebensunfähigkeit. (19.4.2018)

  Die Bahn, mit der ich gestern Vormittag in Richtung Hauptbahnhof zum Johannisplatz zur Augenklinik fuhr, hatte eine widerborstige Tür, so daß bei jeder Haltestelle eine Minute mit nervtötendem Schließen, Öffnen und Wiederschließen verging, bis sie zublieb. Auf der Rückfahrt 90 Minuten später steige in in die gleiche Bahn ein, was ich an der Prozedur an der nächsten Haltstelle bemerkte. Offenbar hat es der Fahrer nicht für nötig befunden, die Tür an der Endstelle als defekt zu melden. Vier Haltestellen weiter reichte es dem Fahrer und er schloß die kaputte Tür zu. Basta. Meine Nerven! (19.4.2018)


[^^]  [<<]  [Miszellen]