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Bibliomane Streusel (1)

  • Am See halt man ja schon als belesen, wenn man die Überschriften des Gemeindeblättchens oder den Fahrplan im Timelkamer Bahnhof einigermaßen entziffern konnte. (Robert Seethaler: Der Trafikant)
  • Auch die verglaste Tür vom Bücherschrank knarrte. Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung, Hitler von Alan Bullock und die Bibel in unse Moderspraak: Ganz in den Anfang hett Gott Himmel un Eer maakt. Un up de Eer seeg dat wirr un wööst ut, un över dat Water weer dat pickendüster. Aver Gott sien Geist sweev över de Floot. (Gerhard Henschel: Kindheitsroman)
  • Volker und ich schmierten uns Marmeladenbrote, legten uns auf den Teppich und lasen um die Wette, Volker Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer und ich Jim Knopf und die Wilde 13. Wer zuerst durch war. Kopf auf die Hand gestützt, bis einem der Arm einschlief. (Gerhard Henschel: Kindheitsroman)
  • "Baudelaire sagt ..." "Nein", sagte Louis. (Nein! Nicht wieder in dem Mülleimer nach Sprüchen wühlen, in den sich die spruchwütigen Großmäuler der Vergangenheit übergeben haben.) (Hugo Claus: Der Kummer von Belgien)
  • Ein Leben erzählen als Geschichte von Gärten. Friederike Mayröcker: für sie sei das Schreiben wie ein Pflücken von beinahe schon Anwesendem, sie müsse nur die Hand ausstrecken, und deswegen könne sie niemanden besuchen oder sonstige Ablenkungen zulassen, denn dann würde die Frucht vielleicht gerade verdorren. (Annette Pehnt: Briefe an Charley)
  • Chirurgen trainieren vermutlich bereits in ihrer Kindheit, ohne Bücher auszukommen. (Paulus Hochgatterer: Über die Chirurgie)
  • ... ist Klage für Briefe gut geeignet, ja im Grunde nirgendwo sonst so gut aufgehoben wie in Briefen (wer will sie sonst schon hören). (Annette Pehnt: Briefe an Charley)
  • Es war ein äußerst beklemmender Ort, und ich fragte mich, ob ein geschulter Romanleser es des Nachts wagen würde, einen Blick hinter diese Tür zu werfen. (J.L. Carr: Ein Monat auf dem Land)
  • Rogier entschied sich wie sein Vater für die französische Romankunst und Essayistik, Bücher, mit denen unser Haus, das bis ans Ende seiner Tage zu bewohnen er ohnehin vorhatte, von oben bis unten angefüllt war. Zimmer, Flure, Dachboden, Bücher genug für ein Leben als reicher und autonomer Mensch. (Margriet de Moor: Mélodie d'amour)
  • "Sollen wir es machen, Atie?" hatte er noch am selben Abend nach einer knappen Darstellung des Sachverhalts, ohne einen Zentimeter Spielraum, gefragt. Sie hatte ihm, in eine Sofaecke gekuschelt, zugehört, einen Roman umgedreht auf dem Schoß. "Warum nicht?" antwortete sie träge und legte die Hand auf die Geschichte, als hielte sie alles, was darin geschah, sicherheitshalber mal eben fest, bis er zu Ende geredet hatte. (Margriet de Moor: Mélodie d'amour)
  • Ein Leben erzählen als Geschichte von Gärten. Friederike Mayröcker: für sie sei das Schreiben wie ein Pflücken von beinahe schon Anwesendem, sie müsse nur die Hand ausstrecken, und deswegen könne sie niemanden besuchen oder sonstige Ablenkungen zulassen, denn dann würde die Frucht vielleicht gerade verdorren. (Annette Pehnt: Briefe an Charley)
  • Außer mit Bleisoldaten war Salomon Toledanos Wohnung auch mit Wörterbüchern und Grammatiken aller möglichen Sprachen vollgestopft. Und der kleine Fernseher stand als extravagante Note auf einem Wandbord gegenüber dem WC. "Fernsehen ist für mich das beste Abführmittel", erklärte er mir. (Mario Vargas Llosa: Das böse Mädchen)
  • Flix las keine Bücher. Aus Schuldgefühl darüber entlieh er sich von Zeit zu Zeit Hörkassetten mit Romanen in der Blindenbibliothek, "für seine sehbehinderte Schwester". (A.Th.F. van der Heijden: Fallende Eltern)
  • Wir waren die einzigen Kunden im Keller des Ladens, Fenster gab es nicht, nur zwei nackte Glühbirnen. Dazu ein angenehm einschläfernder Staubgeruch, als hätten die Bücher den größten Teil der Luft verbraucht. (Ian McEwan: Honig)
  • "Wir haben uns umgehört, man hält ihn für vielversprechend. Obwohl ein Insider uns sagte, das sei die Standardbezeichnung für jeden jungen Schriftsteller." (Ian McEwan: Honig)
  • Manchmal schimmerte mein Alter Ego flüchtig zwischen den Zeilen auf, es schwebte mir wie ein freundliches Gespenst aus den Büchern von Doris Lessing, Margaret Drabble oder Iris Murdoch entgegen. Und verschwand gleich wieder – ihre Frauenfiguren waren zu gebildet oder zu klug oder nicht ganz einsam genug in der Welt, um ich zu sein. (Ian McEwan: Honig)
  • "Der Roman ist das eine strahlende Buch des Lebens. (...) Bücher sind nicht das Leben. Sie sind nur Vibrationen im Äther. Doch kann der Roman als Vibration den ganzen lebendigen Menschen erzittern lassen. (D. H. Lawrence)
  • Du kannst mir oft schreiben: brieflich fällt man sich nicht auf die Nerven. (Francois Mauriac: Der Jüngling Alain)
  • Ich ging nicht aus, und da ich diese durch den Gewitterregen abgekühlte Nacht voll und ganz genießen wollte, öffnete ich alle Fenster, was mich allerdings der Mücken halber dazu verdammte, im Dunkeln zu bleiben und nicht zu lesen. (Francois Mauriac: Der Jüngling Alain)
  • Er brachte ihnen ein Gesellschaftsspiel bei, das er während seines Studiums erfunden hatte. Dabei mußte jeder ein bekanntes Buch nennen, das er nicht gelesen hatte, und bekam einen Punkt für jeden Mitspieler, der es kannte. (David Lodge: Ortswechsel)
  • "Wie ich höre", sagte Ringbaum, "hat Karl sein Seminar über den 'Tod des Buches?' völlig umstrukturiert. Er läßt in diesem Semester das Fragezeichen weg." (David Lodge: Ortswechsel)
  • Marianne, die in jedem Haus den Weg zur Bibliothek zu finden wußte, wie sehr diese auch von der Familie im allgemeinen gemieden werden mochte, hatte sich bald ein Buch beschafft. (Jane Austen: Gefühl und Verstand)
  • "Gib mir das deutsche Buch her, das auf dem Kaminsims liegt, und eine Kerze; doch zünde sie nicht an; gib mir das Streichholz; ich werde sie hier drinnen anzünden. Das Buch enthält einige Ratschläge." (Mark Twain: Humoristische Erzählungen)
  • Er machte es gerade wie neugebackene Schriftsteller. Diese glauben auch immer, sie verständen ihre Sachen besser als jeder andere, wenn sie ihr erstes Buch herausgeben. Diese Leute lassen sich von niemandem etwas sagen. (Mark Twain: Humoristische Erzählungen)
  • An den Wochenenden zog sich mein Vater mit den Büchern, die unser Wohnzimmer in eine Art Seminarbibliothek verwandelt hatten, wo in seiner Anwesenheit nur im Flüsterton gesprochen werden durfte, in die imaginäre Welt seiner gescheiterten akademischen Karriere zurück. (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)
  • ... mag ich keine langen Dialoge. Ich mochte sie auch in Büchern nie. Sie zeugen meist nur von Erzählfaulheit. (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)
  • Wussten Sie, dass der immer verbreitetere Wunsch, den eigenen Namen nicht bloß am Türschild, sondern auch auf einem Buchumschlag zu sehen, der Tod des guten Buches ist? (Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis)
  • Unsere Geschichte ist dazu da, jetzt und für immer das spöttische Lächeln von den Lippen säuerlicher Gelehrter zu verbannen. (John Steinbeck: Tortilla Flat)
  • "Wenn du einen Satz schreibst, dann ist er da, und er ändert sich nicht, und er bewegt sich nicht, und so wird er zu einem Ort für mich." (Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe. Stories)
  • "Die Schriftstellerei ist auch so eine Sache. Mit ihr erreiche ich nur jene, die sowieso denselben metaphysischen Code haben wie ich." (Alex Capus: Das Leben ist gut)
  • "Die Welt der Bücher ist ihrem Wesen nach uneigennützig", sagte Jane dann. Sie sprach vom Verlagsgeschäft nie anders als von ‹der Welt der Bücher›. (Muriel Spark: Mädchen mit begrenzten Möglichkeiten)
  • Für ihn war die Natur entweder feindselig oder öde. Er erinnerte sich, dass er im Garten ein Buch lesen wollte und die Verbindung von wechselndem Sonneneinfall, Wind, Bienen, Ameisen, Fliegen, Marienkäfern, Vogelgezwitscher und seiner hin- und herrennenden Mutter das Lernen im Freien zum Albtraum machte. (Julian Barnes: Unbefugtes Betreten)
  • Im allgemeinen langweilte sich Jane mit Tilly, die, obschon sie nicht gerade Cabaret-Tänzerin gewesen war, die Welt der Bücher, wann immer sie Gelegenheit dazu hatte, aus der Perspektive einer Hupfdohle betrachtete, was Jane auf die Nerven ging, da ihre Ehrfurcht vor der Gewichtigkeit der Literatur noch jüngeren Datums war. (Muriel Spark: Mädchen mit begrenzten Möglichkeiten)
  • Er hat auch den Begriff eines "Komfortpegels bei 180" Fahrgästen eingeführt. Was mag das sein? Ein "Komfortpegel" in der Ubahn ist gegeben, "wenn ein Mann im Stehen die New York Times lesen kann". (Uwe Johnson: Jahrestage 1)
  • Ein heruntergefallenes Buch, das in der Dunkelheit wie eine offene, Buchstaben blutende Wunde dalag. (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)
  • Frau Gude ist die Vorsitzende der Norwegischen Literaturgesellschaft, das ist eine Clique von irgendwelchen... Fragen Sie mich nicht, was für Leute das sind. Verrückte jedenfalls, die so tun, als besäßen sie eine flatternde Buchseite, dort, wo andere ihre Herzklappe haben. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)
  • Lena brachte uns Bücher mit, jede Woche andere, sie und Natalja lasen ebenso viel wie ich. Manchmal versank ich beim Lesen in eine andere Zeit, in eine andere Welt. Als ich Sprechstundenhilfe war, las ich sogar in der Mittagspause und vergaß die Spritzen im Sterilisator. Der Doktor Ritter hat gesagt: "Emma, Sie sind süchtig. Sie missbrauchen die Literatur als Narkotikum." (Regina Scheer: Machandel)
  • Deine Begeisterung war dermaßen geballt, es gab jedes Mal einen Luftstoß, wenn du von Arno Schmidt geredet hast. (Uwe Timm: Freitisch)
  • "Ich stelle fest, dass auch Romane lesen zu den Tätigkeiten gehört, die man verlernen kann. Früher hab ich viel gelesen, jetzt sitze ich auf dem Balkon, und mein Kopf will mir einreden, es gebe Dringenderes zu tun." (Stephan Thome: Fliehkräfte)
  • Seine Spaziergänge wurden ihm nun immer interessanter; er ging mit Ideen, die er aus der Lektüre gesammlet hatte, hinaus und kehrte mit neuen Ideen, die er aus der Betrachtung der Natur geschöpft hatte, wieder herein. (Karl Philipp Moritz: Anton Reiser)
  • Tatsächlich hatte das unmäßige Lesen auf Helene manchmal die Wirkung eines schweren Rausches. (Irène Némirovsky: Die süße Einsamkeit)
  • Doch sie liebte den Unterricht und die Bücher, wie andere den Wein lieben, um der Macht des Vergessens willen. (Irène Némirovsky: Die süße Einsamkeit)
  • "Hier werden doch keine Akten geklaut, nicht wahr?" "Diese Bauern..." "Quatsch, Bauern klauen keine Akten. Kein Bauer wird in seinem Leben begreifen, daß beschmiertes Papier wertvoller sein kann als weißes. Also Sie finden den Befehl." (Hans Fallada: Bauern, Bonzen und Bomben)
  • Bücher sind von Belang. Meine arme Frau Doris ist von Büchern ruiniert worden, von Büchern und von einem heidnischen Engländer, nicht von schmutzigen Büchern, sondern von geistlichen Büchern. Aber Bücher haben sie ruiniert.(Laszlo Nemeth: Abscheu)
  • Ich begann zu lesen. Bücher hatten mich immer nervös gemacht, der zur Bewegungslosigkeit verdammende Vorgang des Lesens mich bedrängt und eingeengt, doch jetzt genoss ich die Ablenkung, genoss es, dass die reale Welt um mich herum verschwand. (Joachim Meyerhoff: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke)
  • Geneks Cousine Rosi, die grün und sauer aussieht und literarisch interessiert ist, hat sich dreimal hintereinander Bücher von mir aus der Leihbibliothek geholt. Sie glaubt, sie habe mich dadurch praktisch unterstützt, und fühlt sich als Mäzenin. (Irmgard Keun: Kind aller Länder)
  • ...ging ich im Park spazieren und erfreute mich des dreifachen Genusses der Einsamkeit, eines Buches und heiteren Wetters. (Anne Brontë: Agnes Grey)
  • ... das As einer anderen Seminargruppe, ein harter Büffler, der Schrecken aller Bibliothekarinnen, weil er nur mit Mühe beim Dienstschluß aus dem Lesezimmer zu vertreiben war und entliehene Bücher erst nach wiederholter Mahnung zurückgab. (Erich Loest: Der elfte Mann)
  • Da waren seine Augen schon über die Buchstaben einer Spalte gewandert, hatten getan, als läsen sie, hatten aber nicht weitergemeldet, also noch mal von vorn. (Erich Loest: Der elfte Mann)
  • Siehst Du, jetzt fange ich schon an, einen Brief-Roman zu schreiben. Das ist wohl ein Zeichen, daß ich vollkommen liederlich geworden bin. Ein Romanschriftsteller soll sich in seinen Briefen nicht literarisch gehen lassen. (Irmgard Keun: Kind aller Länder)
  • ... weil doch diese alten Römer und Griechen Bewohner von Schultaschen sind... (Heimito von Doderer: Ein Mord den jeder begeht)
  • Es war, wie einst der Schulbeginn im Herbste, als man ein wenig die Nase in die neuen Bücher gesteckt hatte, die noch leicht widerstrebend sich öffneten und buchhändlerisch rochen, noch nicht nach der Schule. (Heimito von Doderer: Ein Mord den jeder begeht)
  • "Ach, Herr Ask", warf Frau Madderson dazwischen, "ich habe eben erst dem Herrn Rechtsanwalt eines Ihrer Bücher vorgelesen. Wir lesen doch stets von acht bis zehn." Herr Seijer führte an, das Vorlesen sei wohl jetzt aus bestimmten Gründen in den Familien nicht mehr üblich: "Denn man kann dabei doch nicht so gut wie jede zweite Seite überspringen." (Herman Bang: Exzentrische und stille Existenzen. Erzählungen)
  • Fräulein Minna Hauch, die gerade festgestellt hatte, daß man nie wieder einen Tänzer wie Scharff finden würde, beteiligte sich an der Literaturdebatte und meinte: "Diesen Jens Peter Jacoben trifft man doch jetzt allgemein in vielen Familien an - zur Konfirmation." "Ja", berichtete Fräulein Ottilia, "wir selbst haben ihn auch schon verschenkt. Es sind zwei als Geschenk wirklich geeignete Bände." (Herman Bang: Exzentrische und stille Existenzen. Erzählungen)
  • Rechtsanwalt Schou indessen stülpte die Lippen vor: "Die Literatur ist für meine Frau da. Ich für mein Teil aber muß die Rechnungen und die Ledereinbände bezahlen." Der Sanitätsrat hob Grau Bella das Glas entgegen: "Vielleicht ist die moderne Literatur dennoch nützlich gewesen. Sie hat uns mitunter auf das vorbereitet, was uns bevorsteht." (Herman Bang: Exzentrische und stille Existenzen. Erzählungen)
  • Lyrikerin (...) mit Themenschwerpunkt Depression. (Peter Wawerzinek: Schluckspecht)
  • Meine elektrische Schreibmaschine mit dem einzeiligen Display war ein Entwicklungssprung, ich konnte jetzt schneller schreiben als denken. (Jochen Schmidt: Müller haut uns raus)
  • Sein Widerwille gegen elektronische Navigationsgeräte gründete darauf, dass Papier keine Zeit für den Download brauchte und die Informationen sich unter ungünstigen Bedingungen nicht einfach in Luft auflösen konnten. (Robert Galbraith: Die Ernte des Bösen)
  • War es ein Verbrechen, im Leben nur spazieren und lesen zu wollen? (Jochen Schmidt: Müller haut uns raus)
  • Achtunddreißig Jahre lang ermöglichte mir mein Gedächtnis, fehlerlos den Beruf des Bibliothekars auszuüben, in einer Zeit, in der die ersten Karteikästen von noch primitiven, monströsen Computern abgelöst wurden, man also noch größtenteils auf die biologisch abbaubaren Datenbank zwischen den Ohren angewiesen war. (Dimitri Verhulst: Der Bibliothekar, der lieber dement war als zu Hause bei seiner Frau)
  • A. gehörte nicht zur Gruppe der sich selbst, d.h. das eigene Wesen, ständig kontaminierenden Leser. (Andreas Maier: Der Ort)
  • Während die französische Wirtschaft in großen Teilen zusammenbrach, ging es dem Verlagswesen gut, es verzeichnete wachsende Gewinne, es war wirklich erstaunlich, man könnte glauben, Lesen sei das Letzte, was den Menschen in ihrer Hoffnungslosigkeit blieb. (Michel Houellebecq: Unterwerfung)
  • Was die Tanten über Sanyi schrieben, las Mutter nicht vor. Das Vorlesen wurde in diesem Winter überhaupt seltener; um so fieberhafter bevölkerte Mutter selbst Bogen um Bogen mit ihren unsicheren Buchstaben, die, voneinander getrennt, wie Kinder mit zittrigen Köpfen auf dem Papier nach einem Beschützer riefen. (Laszlo Nemeth: Abscheu)
  • Neue Zahlen bestätigen: Es wird weniger gelesen! Gegen diesen Trend ist die Branche machtlos. Es geht nicht um die Rettung des gedruckten Buches, es geht um die Verteidigung des Lesens als Fundament unserer Kultur. Wer kaum noch liest, weil überall, auch im Netz, Bewegtbild die Schrift verdrängt, verblödet allmählich. Lesen programmiert das Gehirn anders als Gucken. (Wolfgang Herles)
  • An der Universität spezialisierte er sich auf spätmittelalterliche Predigttexte, die in seltenen Handschriften vor sich hinschlummerten. (Annette Pehnt: Lexikon der Angst)
  • "Unterwegs", wiederholte er, "der abgegriffene belletristische Schwindel, ein Titel für Erbauungsschriften. Sie enttäuschen mich, meine Liebe, wenn Sie nicht mehr anzubieten haben als die Klischees einer heilen, jedenfalls sorgfältig gekitteten Welt." (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand)
  • Theoretisches über den Roman und den Prozeß des Romanschreibens; das Fragmentarische eines einzelnen Kapitels, das du mir nicht zeigen darfst, weil Mißverständnisse unvermeidbar wären; die Fragwürdigkeit des Versuchs, schreibend Wirklichkeit zu bewältigen. (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand)
  • Aber Bücher, sagte Franziska, und Gertrud schüttelte den Kopf: sie kann nichts mehr behalten, eine weiße oder eine bedruckte Buchseite, das läuft auf eins raus, ihr Kopf behält nichts mehr. (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand)
  • Du sitzt in deinem Zauberberg und spielst neunzehntes Jahrhundert, und Zola ist dir schon zu modern und ein brutaler Flachkopf, und als du mir den Hemingway zurückgabst, hast du ihn zwischen zwei Fingern gehalten wie eine eklige alte tote Ratte, und dabei hattest du keine drei Seiten gelesen. (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand)
  • "Autoren sind eine gnadenlose Brut, Mr. Strike. Wer lebenslange Freundschaft und selbstlose Kameraderie sucht, sollte zur Armee gehen und das Töten lernen. Wer sich ein Leben voller temporärer Allianzen mit Kollegen wünscht, die sich im Versagen des anderen sonnen, muss Romane schreiben." (Robert Galbraith: Der Seidenspinner)
  • Frederik (...), weil er in all den Jahren zuvor die Aufenthalte hier auf dem Land in vollendeter Griesgrämigkeit und hinter hoffnungslos veralteten Büchern verbracht hatte... (Verena Roßbacher: Schwätzen und Schlachten)
  • Die Literatur, sagte ich gewichtig, ist voll von Kommunikationsschwierigkeiten. Die Leute in den Büchern hätten nicht die vielen Probleme, wenn sie zu Zeiten anständig miteinander reden würden. Ja, in den Büchern. Wie auch im Leben. (Verena Roßbacher: Schwätzen und Schlachten)
  • Vielleicht sollte mal jemand endlich einen Lektorenroman schreiben, schlug ich vor, ein ungeschöntes Buch über das harte Los dieser vernachlässigten Spezies. (Verena Roßbacher: Schwätzen und Schlachten)
  • Jerry sagt immer, dass Owen jeden Tag, an dem seine Leser nicht mindestens zweimal würgen müssen, für verloren hält. (Robert Galbraith: Der Seidenspinner)
  • "Der Kakerlak nährt sich vom Mist, Die Motte frißt gern Tücher, Ja selbst der Wurm ist, was er ißt. Und ich, ich fresse Bücher." (Mascha Kaléko)
  • Der liebe Leser (...) möchte zumindest ein paar Anhaltspunkte, sie wohnt in Zürich, aha, und was macht sie so beruflich? Ich überlegte. Kunst, sagte ich, Neue Medien. Schon wieder ein Buch, in dem kein Mensch einer anständigen Arbeit nachgeht. (Verena Roßbacher: Schwätzen und Schlachten)
  • Jedes Wort so ungeheuer fleischlich werden und gefährlich. (Verena Roßbacher: Schwätzen und Schlachten)
  • Sie bekam den Mund nicht mehr zu. Es geschieht nur äußerst selten, daß das alltägliche Leben den Geschichten überlegen ist, und zwar nicht zu knapp, die einem mal nachts im Bett erzählt, ins Ohr geflüstert worden sind, der Urübertreibung, die Worte im Kopf hinterlassen können. (Margriet de Moor: Der Maler und das Mädchen)
  • "Schreibmaschinisten" - (Lutz Seiler: Kruso)
  • Ich hatte meine Bücher, um mich abzureagieren, und meine Philosophie zum Trost. Die Bücher besaßen den doppelten Vorzug, mir eine Ergänzung zum Leben zu geben und mein innersters Gefühl des Versagens zu mildern, indem sie mir schwarz auf weiß die Eitelkeit allen Strebens zeigten. (Henri-Frederic Blanc: Teufelei)
  • ... eine Zeitung, worin er mit der Gemächlichkeit eines gemachten Mannes las. (Robert Walser: Der kleine Tierpark)
  • Wenn die Schatten der Kirchtürme über den gleichmäßig fließenden Brunnen länger wurden, schloß ich mich zu Hause ein und machte mich über einen alten Folianten her, dessen herrlich schimmelige Seiten und der süße Geruch der Fäulnis mich mit dem letzten Empfänger versöhnten. (Henri-Frederic Blanc: Teufelei)
  • Die neugierige Brise pflegte an der Lektüre teilzunehmen und die Seiten unsanft umzublättern, um herauszufinden, wie es weiterging. (Vladimir Nabokov)
  • Ich könnte ihr zumindest danken, ihr berichten, daß Dr. Freud in meinem Bücherregal erneut umgezogen war. Jetzt: drei Etagen tiefer, also in unmittelbare Reichweite. Und etwas sonniger war es dort auch, der Schein der Flurlampe fiel in matten Strahlen auf die roten Buchrücken. (Jens Sparschuh: Ende der Sommerzeit)
  • Beschützt von Büchern, den Stützpfeilern meiner Einsamkeit, gegen die der Lärm der Menge brandete, existierte ich einzig für meine Ideen, meine innere Welt - Paradies und Hölle zugleich. (Henri- Frederic Blanc: Teufelei)
  • Im Unterschied zu manch anderen Romanen aus dem Berliner Emigrantenmilieu, die "das Leben geschrieben" habe, was unbedingt als Synonym für schlechtgeschriebene Romane zu verstehen sei - das Leben kann nicht schreiben, es liefert nur chaotische, undurchdachte Entwürfe! ... (Jens Sparschuh: Ende der Sommerzeit)
  • Meine Manuskripte sahen aus, als hätte ich sie schon in meiner Jugend getippt und dann fünfundzwanzig Jahre lang in einer Schublade aufbewahrt. (Wilhelm Genazino: Bei Regen im Saal)
  • Die Korrekturbögen waren durchgesehen; der Band sollte unter den Neuerscheinungen sein, die im Frühjahr herauskamen, wenn die Leserschaft sich von der Flut der Weihnachtsbücher erholt hatte. (William S. Maugham: Der Menschen Hörigkeit)
  • Die Welt? Phantasiegewölk der vielen Bücher, und im Mittelpunkte er selbst, in seinem Bette sich rekelnd, lesend. (Franz Werfel: Kleine Verhältnisse)
  • "Das Leben ist da, um gelebt zu werden, und nicht, damit man darüber schreibt. Mein Ziel ist, den vielfältigen Möglichkeiten, die es bietet, nachzuspüren und jedem Augenblick abzuringen, was er an Erlebenswertem enthält. Ich betrachte meine Schriftstellerei als eine anmutige Kunst, die das Dasein nicht aufzehrt, sondern verschönt. Und was die Nachwelt anbelangt – sie kann mir gestohlen bleiben." (W. Somerset Maugham: Der Menschen Hörigkeit)
  • "Sie lesen Griechisch wie ein Schulmeister", sagte er. "Ich lese als Dichter." "Und halten Sie es für poetischer, wenn Sie nicht genau wissen, was es bedeutet? Ich dachte, nur in Offenbarungsreligionen kann eine falsche Übersetzung unter Umständen den Sinn deutlicher machen." (W. Somerset Maugham: Der Menschen Hörigkeit)
  • Als Antiquarin, die ihr ganzes Leben zwischen verstaubten Klassiker-Ausgaben verbrachte, war Dascha im Zitatedreschen nicht zu schlagen. (Jaromir Konecny: Tatar mit Veilchen)
  • "literarische Bundesebene" (Petra Morsbach: Dichterliebe)
  • ...unverbindliche Anwendung der lyrischen Formen mit diesem flatternden Versmaß, das die Satzenden gewissermaßen willkürlich vom Zeilenbruch abtropfen läßt. (Petra Morsbach: Dichterliebe)
  • Ich erwähne, daß alle Kollegen Alkoholiker sind oder waren, nicht, um die Gedichte abzuwerten, sondern um die Alkoholiker aufzuwerten. (Petra Morsbach: Dichterliebe)
  • Wirkt wie eine Anfängerin. Westanfängerin. Wehe, sie schenkt mir ihr Erstlingswerk. (Petra Morsbach: Dichterliebe)
  • Manchmal, wenn er in die Bücher vertieft war, überkam ihn eine Ahnung dessen, was er alles nicht wusste, was er noch nicht gelesen hatte, und die Ruhe, auf die er hinarbeitete, wurde von der Erkenntnis erschüttert, wie wenig Zeit ihm doch im Leben blieb, um so viel lesen, um all das lernen zu können, was er wissen musste. (John Williams: Stoner)
  • So eine schöne Handschrift hatte ich noch nie gesehen. Kleine runde Buchstaben, die in ihrer Unverbundenheit frei, in ihrer perlenden Abfolge geordnet schienen. (Per Leo: Flut und Boden)
  • Erst als er sich seiner eigenen Welt sicher war, las er einige der Bücher, die dem Vater etwas bedeuteten. (Per Leo: Flut und Boden)
  • Stevenson meisterhaft wie immer, ich habe es dennoch wieder weggelegt. Das klingt übrigens immer noch besser und gepflegter als wieder weggeklickt, nicht wahr? Tatsächlich wurde es sogar eher weggewischt, wenn man es sprachlich genau nimmt. Ein Zeigefingerstrich durchs Menü. Am Ende ist das Lesen auf dem Tablet vielleicht doch etwas herabwürdigend für die Werke, wer weiß. (Maximilian Buddenbohm)
  • Das Lesen war eine Qual. Ich kratzte Zeile für Zeile zusammen und hatte keine Ahnung, wie aus diesen Wissenskrümeln je eine Seminararbeit entstehen sollte. (Per Leo: Flut und Boden)
  • "Das Romanschreiben? Na ja, ich weiß nicht. Man hat eine Geschichte, die man erzählen will, und statt einem Freund die Ohren vollzulabern, was das Natürlichste wäre, schließt man sich ein, hämmert sie in eine Remington und schickt sie an einen Verleger, so daß noch mehr Menschen sie hören können. Das ist vermutlich der einzige Unterschied - das und die Einnahmen", fügte er mit wohlgenährtem Kichern hinzu. (Edith Wharton: Ein altes Haus am Hudson River)
  • Fangen Sie ja nicht an, die Propheten zu lesen und Ihre Arbeit zu analysieren, sonst schreiben Sie am Ende noch fünfzig Seiten über einen Riss in der Zimmerdecke. (Edith Wharton: Ein altes Haus am Hudson River)
  • Heutzutage hatte man den wirklichen Erdball um einiges schneller umrundet als sich durch dieses Buch gekämpft. (Edith Wharton: Ein altes Haus am Hudson River)
  • Aha! nun schauen Sie, wie sie das Gehirn quälen – diese Bücher! – diese Bücher! Sie sollten nicht soviel studieren, werter Sir, und ein bißchen Kurzweil haben; sonst werden Sie sich an diese Nachtlaunen gewöhnen. (Nathaniel Hawthorne: Der scharlachrote Buchstabe)
  • "Es ist gar nicht so schlecht", fuhr er fort,"wenn ein junger Romancier, den ein erster Erfolg unter Druck setzt, ein oder zwei Manuskripte zerreißt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie nicht besonders gut waren, nur ein Abklatsch des ersten Buches." (Edith Wharton: Ein altes Haus am Hudson River)
  • Er hegte eine echte Liebe zu Büchern, ein abgeklärtes, gepflegtes Interesse für Kunst, und sein Geist war wie ein kühles, mondhelles Spiegelbild des ihren. (Edith Wharton: Ein altes Haus am Hudson River)
  • Auf den Einwand: "Sie haben sich verschrieben", antworte: "So sieht es, wenn ich schreibe, immer aus." (Daniil Charms: Die Kunst ist ein Schrank)
  • ... ein heruntergefallenes Buch, das in der Dunkelheit wie eine offene, Buchstaben blutende Wunde dalag... (Antonio Lobo Antunes: Fado Alexandrino)
  • Der Schriftsteller auf Stoffsuche, Heldenklau, wie die Alten sagen. (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand)
  • Ich habe vergessen zu bezahlen. Ich war noch an die Gefängnisbücherei gewöhnt. (Castle S03E03)
  • Faust fällt mir bloß ein, wenn ich besoffen bin. (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand)
  • Wenn der Verlag eingeht, wirst du ein Buch schreiben: Vierzig Jahre in der Wüste: Literatur verlegen in einem Land, dessen Bewohner Bücher hassen. (Paul Auster: Sunset Park)
  • Mit seinem Schreiben ist es auch nicht viel anders. Jedes Mal eine Flut ätzender Bemerkungen, wenn mal wieder eins seiner Stücke abgelehnt wird, eine abgrundtiefe Verachtung für die literarische Welt, ein ständiger Groll gegen jeden Lektor, der es verabsäumt hat, seine vielfältigen Begabungen zu erkennen. (Paul Auster: Sunset Park)
  • Louis Wiesmann (...) war dürr und grau. Ihm verdorrten sogar die Wörter auf der Zunge, die gar nicht von ihm waren. Er zitierte zuweilen Goethe, aber auch dessen Zauberwörtern gelang es nicht, unbeschädigt seinem Mund zu entrinnen. Das lebensvollste Gedicht klirrte tot zu Boden, wenn Louis Wiesmann es vorlas. (Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums. Autobiographie)
  • "Ich schneide meine Fußnägel selbst, über einer herausgerissenen Seite des London Review of Books." (Sue Townsend: Die Frau, die ein Jahr im Bett blieb)
  • Ein kleiner tückischer Geist spielt zuweilen mit den menschlichen Worten und macht oft gerade die zuschanden, die ihr Leben mit Wortabwägen und Wortverdrehen zugebracht haben. (Achim von Arnim: Mistris Lee)
  • Auf Regalen, Tischen, auch auf dem Fußboden lagen in Dutzenden schiefen Stapeln Bücher und Magazine herum - viele der Bücher lagen mit dem Rücken nach oben, so dass die Schwerkraft als Lesezeichen wirkte. (Hannes Stein: Der Komet)
  • Denn weil ich nun einmal im Bekennen bin, so gestehe ich Ihnen auch, daß dasjenige, was man sonst von allen Schriftstellern sagt, "daß sie sich selbst, sogar wider ihren Willen, in ihren Werken abbilden", in diesem Gedichte eine meiner Absichten war.(Wieland: Musarion)
  • Das Zimmer riecht nach den Büchern, die es beherbergt, also nach Papier und einer Trockenheit, die mit Zeit zu tun hat. (Stephan Thome: Grenzgang)
  • Warum die Zehntklässler im einundzwanzigsten Jahrhundert mit Maria Stuart traktiert werden, bleibt ihr ohnehin ein Rätsel. Besonders die fünf Aufstiegstürken in seiner Klasse, was die wohl später mit Schiller anfangen sollen? (Eva Menasse: Quasikristalle)
  • Vielleicht war er jetzt in einem Alter, in dem er mit einer gewissen Virtuosität schmalere Bücher produzieren konnte. (Remco Campert: Eine Liebe in Paris)
  • Die Lektüre war für ihn ein Zaubertrank; über einer halbgelesenen Seite konnte er sich in Träumen verlieren. (Anatol France: Die rote Lilie)
  • Buchgeschäfte sind immerhin so etwas wie die Pandabären des Einzelhandels. Alle finden sie schön und süß und keiner darf ihnen etwas tun, auch wenn ringsum alles andere zum Teufel geht und es immer schwieriger wird, sie am Leben zu erhalten. (Maximillian Buddenbohm)
  • ... jene "biographies romancees" (...), bei weitem die schlimmste aller bisher erfundenen Literaturgattungen... (Vladimir Nabokov: Das wahre Leben des Sebastian Knight)
  • Niederschrift meines ersten Romans - einer hochgestochenen Angelegenheit, die glücklicherweise von ebenso vielen Verlegern abgelehnt wurde, wie mein nächstes Buch Leser fand. (Vladimir Nabokov: Das wahre Leben des Sebastian Knight)
  • Selbst wenn wir dieselben Bücher lesen — im Wechselspiel mit unserer eigenen Geschichte machen sie nie dasselbe mit uns.
  • Ich habe vorläufig Unterschlupf bei der simpelsten aller Erzählpositionen: ich schreibe grad auf, wie es beim Militär 1939-1945 war. (Max Frisch an Elisabeth Johnson, 21.9.1973)
  • Cicero nannte die Bibliothek die Seele des Hauses; das Haus hier war ganz Seele. Teile des Fußbodens und die Hälfte aller Wände wurden von Bücherregalen beansprucht. (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • "Du solltest einen Roman schreiben. Die gewöhnliche Zuflucht von Leuten, die nicht genug ins Lebens gehen, um einen Roman zu erleben, ist, einen zu schreiben." (Thomas Hardy: Blaue Augen)
  • Als sie die Treppe herabkam und in ihrem Reitkleid, wie immer nach einem Wechsel der Garderobe, aussah wie die Neuausgabe eines Lieblingsbuches. (Thomas Hardy: Blaue Augen)


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