Männer & Frauen (2) [<<]

Was eigentlich nicht zusammenpaßt [^^] [^]


Themenstreusel: Männer/Frauen
Eingeredetes Bedürfnis
Zartgefühl oder Aufopferung
Einer alles forever
Romantische Liebe
Frauen im Wien Arthur Schnitzlers
Die Ehe als Sportart
Sex
Wie eine Französin
Als betrogener Mann
Er liebte die Frauen
Wer ist der Handelnde?
Kochen verlernt
Mangelnder Wagemut
Eheliche Rechte
Fallstricke
Ehebruch III
Ehebruch I + II
Sich gegenseitig anschweigen
Eifersucht
Eine alte Jungfer
Zank und Verwundbarkeiten
Das Lob der Frau als solche
Zerwürfnisse
Ich will nicht
Typisch mit den lieben Männern
Der echte Geisterdialog
Tod einer Ehe (2)
Tod einer Ehe (1)
Kein Frauenschwarm
6 Kilo mehr
Gleichberechtigung
Die kleinen Stiche
Wundmale
Männliche Ungeduld
Zwei Arten
Die Größe der Aufgaben
Recht behalten
Fremdgehen
Eskalationsstufen
Raumbedarf
Ein vorübergehendes Gefühl
Glückliche Gruppen
Generalnenner
Nicht alles zusammen
Erfahrungen
Der Erste
Das Niveau halten
Riechorgan
Das beste Alter
Tyrannei und Täuschung
Überlegungen
So viele Arten der Liebe
Zerfall oder Übereinstimmung
Freizeittrinker
Soziale Akademiker
Verliebt
Wimmelmännlein
Zu Ende gehende Beziehungen
Leere Versprechungen
Die Suche nach der Schleimhaut
Sex vor den 60ern
Befremdliche Männerzerstreuungen
Nicht mehr
Der Kreislauf des Alltäglichen
Eifersucht
Der Mensch verdient es
Frauen sind immer die anderen
Streit(un)kultur
Fortwursteln
Sentimentales Gewäsch
Ehe - permanente Überforderung
Von der Ehe
Man muß durchhalten
Vorwürfe
Schlimmer als Löwen und Drachen
Der Propfreis
Wie ein Brunneneimer
Geliebte, Gattin oder?
Schlafkriechen
Das Problem der Ehe
Disziplin und Ordnung
Frauen sind autark
Männliche & weibliche Schachspieler
Bermudadreieck
Ein perfekter Plan
Was plötzlich trennt...
Schwiegermutter
Zum Leben konvertiert
Kinderwünsche
Endlich Sorge tragen
Ritual, Litanei, Spiel
In der Warteschleife


Eingeredetes Bedürfnis

"Es ist die Tragik meines Lebens, daß ich immer, wenn ich über ein einfaches Thema nachdenken will, unweigerlich auf solche krassen Widersprüche stoße. Haben Sie jemals über die Ehe nachgedacht - ich meine natürlich theoretisch?" "Ich fürchte nein." "Meiner Ansicht nach", sagte Mr. Prendergast, "würden sich die Leute nie im Leben verlieben oder verheiraten, wenn man es ihnen nicht vorher eingeredet hätte. Es ist wie mit dem Ausland: Kein Mensch hätte das Bedürfnis hinzureisen, wenn man ihm nicht erzählt hätte, daß es so etwas gibt. Meinen Sie nicht?" (Evelyn Waugh: Lust und Laster) ^


Zartgefühl oder Aufopferung

"Oft haben die Männer mehr Zartgefühl als wir", seufzte Madame Humbert. "Oh, glauben Sie?" rief Blanche Jacquelain aus, die mit jener prüden und säuerlichen Miene zugehört hatte, mit der eine Katze die in einem Topf kochende Milch beobachtet (sie streckt die Pfote vor und zieht sie mit beleidigten kurzem Miauen zurück). "Glauben Sie? Nur wir verstehen es, uns ohne Hintergedanken aufzuopfern." (Irène Némirovsky: Feuer im Herbst)  ^


Einer alles forever

Es gibt so einige Herzkammern verschiedener Menschen, in denen sich Erinnerungen an mich frisch halten, aber breite Streuung ist, wenn man geliebt werden will, keine gute Strategie, jeder ein bisschen von mir anstatt einer alles forever (auch mit Schweiß und trockenem Husten), dieser eine käme und würde gar nicht hinschauen, wie ich aussehe, dieser eine würde mich überblenden können mit vielen eleganten, flirrenden Zaubereien, mit Serien innerer Schnappschüsse von mir und dir, und er würde auch den richtigen Tee kennen, und die Kräuter handgetrocknet in kleinen Sträußen an der Vorhangstange. (Annette Pehnt: Briefe an Charley) ^


Romantische Liebe

Fränze, fand Max, hatte die Augen eines teuren Pferdes. Wenn sie ihn direkt ansah, war er wie gelähmt. Ihren Samtblick senkte Fränze allerdings umso lieber in seine Augen, sobald sie seine Schwäche witterte. Für Schwäche, Angst und Unsicherheit hatte Franziska schon damals einen fast animalischen Instinkt und fand an der Nutzbarkeit dieser Gabe rasch ein perverses Vergnügen. "In Fränze steckt ein Dibbuk!", behauptete Max deshalb und wurde dabei so rot, dass seine Ohren wie zwei Hufeisen unter dem Schmiedehammer glühten. Für Samuel Kohanim war das ein willkommener Anlass, das Gespräch bei Tisch auf die Zukunft der Mädchen zu lenken, insbesondere auf die Frage, welche Heiratskandidaten überhaupt in Betracht kämen und mit welchen würdigen Eltern man vielleicht in nicht allzu ferner Zeit Gespräche führen sollte. "Ich will aber nur einen Mann, den ich liebe", rief Martha kategorisch. Mindel und Samuel wechselten besorgte Blicke. Offenbar trat ein, was man seit langem befürchtet hatte. "Was sollen denn diese gojischen Moden?", fuhr Mindel auf. Romantische Liebe war für Mindel gleichbedeutend mit Unzucht und allgemeinem Sittenverfall. "So was endet nur in der Gosse oder im Leichenschauhaus." Dafür hatte sie unzählige schreckliche Beispiele parat, von der Hanni, die ins Wasser gegangen war, und "Denkt an Bertha!", bis zu einer "Person" um sieben Ecken, die ihrem Herzen folgend in einem schlimmen Haus endete und so weiter und so fort. Wenn das alles nicht half, kam das abschreckende Beispiel von Romeo und Julia, oder nur ein Wort: "Berlin!" Angesichts der Front von sieben schmollenden Töchtern wollte Samuel Kohanim beschwichtigen. Vage ahnte er, dass er dabei genau auf demselben verlorenen Posten stand wie all die anderen jüdischen Eltern seiner Generation: gegen den Zug der Zeit. (Marcia Zuckermann: Mischpoke!)  ^


Frauen im Wien Arthur Schnitzlers

... als Salten Karl Kraus ohrfeigte, weil der seine Freundin und künftige Frau beleidigt hatte. Salten glaubte die Frauen seiner Zeit zu verstehen. Sie lebten im Wien Arthur Schnitzlers, Sigmund Freuds und Otto Weiningers in gesellschaftlichen Zwangslagen, die aufgrund ihrer seit Jahrhunderten angestammten Unumstößlichkeit etwas Urgeschichtliches angenommen hatten. Bloß noch Hysterie verschaffte Erleichterung. Seelische Erkrankung war die einzige Alternative zu einem gesellschaftlichen Leben, das sich akzeptable (oder überhaupt nur verständliche) weibliche Daseinskarrieren nur in den Sozialschablonen der frustrierten Matrone, des süßen Madl, der frühgealterten Arbeiterfrau oder anderer Verlierermodelle vorstellen konnte. (Stephan Wackwitz: Die Bilder meiner Mutter)  ^


Die Ehe als Sportart

Reis regnete. Die Glückwünsche regneten. Offenbar stammten sie alle aus ein und derselben Fabrik, einer klang wie der andere. Fiel den Leuten nichts ein oder hatten sie sich vorher abgesprochen? Die Ehe schien zu den Laufsportarten zu gehören, man mußte hoch hinauf, es gab Durststrecken, unwegsames Gelände, Sackgassen und Stürze. Ich hatte den Verdacht, nicht ausreichend trainiert zu haben, in meinem Zustand würde ich nach der Hälfte der Strecke schlappmachen. (Michael Kumpfmüller: Die Erziehung des Mannes)  ^


Sex

Es war Monate her, daß wir zuletzt miteinander geschlafen hatten, ohne daß es ihr viel bedeutete hätte. Ihre eigenen Bedürfnisse hatten sich in Luft aufgelöst. Na gut, Sex, schien sie zu denken, er ist ein Mann, Männer können nicht anders. Oder hatte ich nur den Deal nicht rechtzeitig begriffen? Ein paar Jahre bekommst du Sex, wir gründen eine Familie, und danach mußt du eben sehen, wie du dich zurechtfindest? (Michael Kumpfmüller: Die Erziehung des Mannes)  ^


Wie eine Französin

... wie sie (...) sich um die Ecke in eine Bar zurückzieht, um angestrengt beiläufig einen Kaffee zu bestellen in der immer wieder enttäuschten Hoffnung, der Kellner möge ihren Akzent nicht bemerken und sie auf Französisch wie eine Einheimische anschnauzen, statt sie mit charmant gemeintem Trümmerenglisch als Ausländerin zu entlarven; denn im Grunde ihres Herzens, das ist wissenschaftlich erwiesen, möchte jede Frau eine Französin sein. Zumindest einen Tag lang. Bis sie wüsste, wie sich das anfühlt. Und dann nur noch so aussehen. (Alex Capus: Das Leben ist gut)  ^


Als betrogener Mann

June ging fremd, und ich wußte es. Die Frauen haben anders Sex mit dir, wenn du momentan für sie nur der Zweitbeliebteste bist. Sie leisten den Sex wie eine lästiger Pflicht ab, um sich nicht verdächtig zu machen, und jeder Mann mit ein wenig Feingefühl spürt den Unterschied. (...) Frauen kommen zurück oder nicht, aber es ist beinahe unmöglich, sie zu beeinflussen. Versucht man es doch, fühlen sie sich bedrängt oder manipuliert. Versucht man es zuwenig, sind sie beleidigt. Man ist als betrogener Mann einfach nicht souverän genug, um das Richtige zu tun. Wenn einem an der Frau noch etwas liegt, dann gibt es nur eine erfolgverheißende Strategie. Erstens: zu tun, als hätte man nichts bemerkt, um die Frau nicht in Streß zu bringen, denn jeglichen Streß wird sie DIR ankreiden, nicht dem anderen. Zweitens: Man muß die Frau in erotischer Hinsicht in Ruhe lassen, darf nur mit ihr ins Bett gehen, wenn sie einen partout dazu auffordert. Und drittens: Man muß sie, sooft es geht, zum Lachen bringen. (Helmut Krausser: Alles ist gut) ^


Er liebte die Frauen

Er wurde von jeder Gelegenheit ergriffen. Er liebte die Frauen, aber noch mehr und eigentlich das, was die Frauen ankündigt, und, was sie umhüllt. Er liebte die Frauenkleider. Und von den Kleidern wieder eine bestimmte Art: Er liebte die Wäsche. Gewiß hätte er keiner Frau widerstanden, die ihm in Unterhöschen erschienen wäre. Denn er widerstand nicht einmal den Zeitschriften, die auf ihren Titelblättern kolorierte Frauen in halber Kleidung zeigten. Diese Literatur begleitete Herrn Perlefter auf seinen Reisen, sie regte seine Phantasie an und bereitete jene Stimmung vor, die nötig ist, damit das sittliche Fundament des Mannes wanke, stürze und ihn selbst mit sich fallen lasse. (Joseph Roth: Perlefter. Fragmente und Feuilletons aus dem Nachlaß) ^


Wer ist der Handelnde?

"Entgegen dümmlicher Vorurteile oder auch absichtlich herbeigeführter Irrtümer", referierte Straka, "sind Frauen keine Bauchmenschen, sondern Kopfmenschen. Planende Charaktere. Viel eher Technokraten als die technokratischen Hampelmänner es je sein werden. Das, Cheng, müßten Sie selbst am besten wissen. Frauen sind modern. Auch wenn sie auf sensibel machen, wissen sie, warum und wozu. Darin steckt eine vollkommen andere Qualität. Wir Männer mögen als die Handelnden dastehen, oder sagen wir, das Handeln mutet männlich an. Aber dieses Handeln entspricht dem Auffangen eines Tellers, den jemand anderer geworfen hat. Verstehen Sie? Es ist wie auf einem Witzbild: Frauen werfen Teller, und Männer versuchen, die Teller aufzufangen. Jetzt frage ich Sie: Wer ist hier der wirklich Handelnde?" (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)


Kochen verlernt

Andererseits sprach nichts dagegen, sich von dieser Frau einmal bekochen zu lassen. Auch wenn es kaum noch Frauen gab, die kochen konnten. - Das muß man sagen dürfen. Es hat sich als unnötiger, selbstzerfleischender, brachialer Akt der Emanzipation herausgestellt, mit der Verweigerung der Männerbedienung unsinnigerweise das Kochen verlernt zu haben, als würde ein Unkraut jätender Gärtner zur Sicherheit gleich seinen ganzen Garten in die Luft sprengen. Schade drum. (Heinrich Steinfest: Ein dickes Fell)


Mangelnder Wagemut

In Liebesdingen durchschauen die Männer ihre eigenen Angelegenheiten nicht. Sie sagen: "Wer nicht wagt, gewinnt nicht", und ich finde es verblüffend; wie viele Mädchen gewonnen werden, obwohl die Männer oft so wenig wagen! Wären die Frauen in ihrem Wesen nicht so liebenswürdig, daß sie sich angesichts unseres mangelnden Wagemuts mitunter von ihren uneinnehmbaren Festungen herabbegeben und uns von sich aus helfen, um ihre eigene Niederlage zu bewirken, dann würden sie zu oft unerobert, wenn auch nicht ohne Schaden davonkommen, am Leibe frei, wenn auch nicht in ihrem Herzen. (Anthony Trollope: Septimus Harding, Vorsteher des Spitals zu Barchester)


Eheliche Rechte

Wir hatten uns seit Samanthas Tod nicht mehr geliebt. Ich wollte schon, aber Doris hatte so eine Art, den Kopf zu senken und zu seufzen und ein elegisches Gesicht zu machen, daß mir die Lust verging und ich mich außerdem noch schuldig fühlte. Es gibt ein verfluchtes weibliches Talent, einen Mann zu beschämen, ihn nicht bloß zurückzuweisen, sondern ihm auch noch die Schuld zu geben. Ich fühlte mich wie ein Schuljunge mit unreinen Gedanken. Oder noch schlimmer: wie eine Ehemann mit "ehelichen Rechten", und das genügt, um das heißeste Herz abzukühlen. (Laszlo Nemeth: Abscheu)


Fallstricke

"Ihr müßt doch wissen, daß man ein Mädchen nicht mehr mit Drohungen und Prügeln verheiraten kann. Ich bin keines dieser Mädchen aus dem Andaruni vor hundert Jahren, das man während der Trauung zwickte, damit es 'Ja' sagte. Diese Zeiten sind vorbei. Außerdem behauptet Papa zum Glück, ein Intellektueller zu sein." Die Mutter antwortete in gequältem Ton: "Nein, Sudabeh Chanum, diese Zeiten werden niemals vorbei sein. Seit sich Töchter und Söhne in die ungeeigneten Menschen verliebten, hat es dieses Problem zwischen Eltern und Kindern gegeben, und das wird auch in Zukunft so sein. Seit Väter und Mütter die Fallgruben vor den Füßten ihrer Kinder sehen, ohne ihnen die Augen öffnen zu können, und vor Aufregung ganz außer sich sind..." (Fattaneh Haj Seyed Javadi: Der Morgen der Trunkenheit)


Ehebruch III

Der Ehebruch derer, die in ihren Vierzigern sind, erlangt wieder eine gewisse Unbeschwertheit, eine windspielartige Ausgelassenheit und ein pfauenhaftes Glänzen. Kinder gehen aus dem Haus, Eltern sterben, Geld verliert an Wert. Nichts ist so schwierig, wie es einst schien. Launen werden Anlaß zur Trennung (der letzte Dessertteller zerbrochen, das letzte unerträgliche Zigarrenbrandloch im Sessel) oder die Ehen werden durch Kapitulation verlängert. Das Rennen zwischen Freiheit und Erschöpfung ist entschieden. Und dann gibt es im religiösen Sinne keinen Ehebruch mehr, so wie es zwischen Schulkindern oder Sklaven oder den über jedes Abrechnen erhabenen Reichen keinen Ehebruch gibt. (John Updike: Der Sonntagsmonat)


Ehebruch I + II

Der Ehebruch Jungverheirateter ist ein flittrig beschwingtes Desaster, ein Phönix aus heißer Asche, die Offenbarung, daß man falsch gewählt, einen das Leben verschlingenden Irrtum begangen hat. Hilfe, Hilfe, es ist nicht zu spät, die Babies kennen kaum ihren Vater, die Hochzeitsgeschenke sind noch ohne Narben, der Fehler kann ungeschehen gemacht werden, ein anderer Gefährte kann gewählt und das als Drache erscheinende Universum kann geschlagen werden.{*} Morde, Entführungen und andere Hirngespinste huschen aus der hektischen Umgebung dieser Spezies in die Zeitungsspalten. Der Ehebruch der hoffnungslos Verheirateten, der Paare in den Dreißigern mit nur langsam größer werdenden Kindern und nur langsam kleiner werdenden Hypotheken, ist eine schwerfälligere, häuslichere Kreatur, ein Lasttier, in der Tat, denn dieser Ehebruch dient dem Zweck, das Unabänderliche erträglich zu machen. Der Flirt beim Wohltätigkeitsball, die in ein Firmentelefon gestotterte Einladung zum Lunch, das Treffen mittags im Motel, ohne einen Augenblick die Uhrzeit zu vergessen, die geschmuggelten Briefe, das schmerzliche und sensible Auseinandergehen – das sind Eheriten, Ferien für die Verfolgten, doch werden sie ergreifenderweise oft nicht als solche verstanden von den Beteiligten, die sich gegenseitig mit Vorwürfen geißeln, während sie gleichzeitig einander als Sandsäcke gegen die Überschwemmung ihrer Heime in Position zerren. (John Updike: Der Sonntagsmonat)


Sich gegenseitig anschweigen

Ich hatte oft genug in Restaurants oder Cafés ältere Ehepaare dabei beobachtet, wie sie schweigend zusammensaßen. Kein Wort über die Lippen brachten. Was fürchterlich war. Nicht nur für das Ehepaar. Sondern auch für den, der dabei zusah. Geradezu unerträglich, solchen Ehepaaren beim gegenseitigen Anschweigen zuzuschauen. Beim beleidigten Anschweigen. Die Eheleute waren offenbar beleidigt, weil sie miteinander verheiratet waren. Oder waren sie gar nicht beleidigt, sondern nur leer im Kopf, wussten auf Teufel komm raus nicht, worüber sie miteinander reden sollten? Doch wenn man sich schon nichts zu sagen hatte, dann hätte man wenigstens lesen können. In Italien hatte ich des Öfteren gesehen, dass der Mann Zeitung las, wenn er mit seiner Frau in einem Restaurant oder einem Café saß. Der Mann las, und die Frau schwieg. Und manchmal lasen auch beide. Auch während des Essens. Das war dann möglicherweise ein Akademiker-Ehepaar. Ein Akademiker-Ehepaar, das sich nichts mehr zu sagen hatte. Da spritzte die Tomatensauce schon mal aufs Feuilleton. Blutiges Feuilleton. Doch der Betrachter solch einer Szene konnte sich einbilden, dass es sich um eine friedliche Ehe handelte, in der jeder seinen Interessen nachging. Lesen und lesen lassen war die Parole. Besser als sich trotzig anzuschweigen, wie es die deutschen Ehepaare taten. Die waren gepanzert mit Leere und Interesselosigkeit. Das war das Schlimmste, was man dem Ehepartner antun konnte: ihn mit der eigenen Leere attackieren. Dann lieber Zeitung lesen, daraus konnte sich ja vielleicht doch noch ein Gesprächsthema ergeben. (Hans-Ulrich Treichel: Frühe Störung)


Eifersucht

Laut einem hervorragenden Fachmann auf diesem Gebiet ist Eifersucht die 'Hydra des Elends, der siebenfältige Tod'. Bei Arthur Welsh war sie nicht nur das, sondern noch ein bißchen mehr. Wie ein ständiger Schatten lag sie auf Mauds Glück. Kein gerecht denkendes Mädchen hat gegen eine gewisse Spur von Eifersucht etwas einzuwenden. Innerhalb bestimmter Grenzen ist sie ein Kompliment, sorgt sie für Pikantheit, ist sie der klare Schnaps zum Glas Bier der Anbetung. Aber immer sollte sie eine Würze und kein Getränk sein. (Pelham G. Wodehouse: Der Pennymillionär. Lustige Geschichten)


Eine alte Jungfer

Miss Pillinger war eine vorsichtige alte Jungfer mit strengen Ansichten, unbestimmten Alters und von tiefverwurzeltem Mißtrauen gegenüber den Männern - einem Mißtrauen, das zu beseitigen die Männer nichts unternommen hatten; auch das muß an dieser Stelle gesagt werden, um einem verkümmerten Geschlecht Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Im Umgang mit Miss Pillenger hatten die Männer sich in ihrer Korrektheit beinahe kühl benommen. In den zwanzig Jahren ihrer Erfahrung als Stenotypistin und Sekretärin hatte sie ihre Arbeitgeber höchstens wegen einer Schachtel Pralinen mit Zorn und Empörung zurückzuweisen brauchen. Trotzdem bleib sie weiterhin gespannt auf der Hut. Die geballte Faust ihrer Wohlanständigkeit lag immer dicht an ihrem Körper, bereit, dem ersten männlichen Wesen entgegenzufliegen, das die Grenzen beruflicher Höflichkeit überschritt. (Pelham G. Wodehouse: Der Pennymillionär. Lustige Geschichten)


Zank und Verwundbarkeiten

Franziska sagte: Warum liest du nicht, Wolf? Solange wir verheiratet sind, hast du noch kein Buch gelesen. Ich hab's versucht, dir zuliebe, sagte er friedlich. Nach zwei Seiten schlaf ich ein, mach was dagegen. ich bin eben kein Studiker - Am nächsten Tag sollte sie in eine Prüfung, sie war nervös und rauchte zuviel. Sie sagte scharf: Bitte, kokettier nicht mit deinem Mangel an Bildung. Es ist kein Zeichen von Urwüchsigkeit, wenn man mir und mich verwechselt. Red bloß nicht so hochtrabend. Du hast doch gewußt, daß du einen einfachen Arbeiter heiratest... Sie zankten sich noch nicht mit der tödlichen Routine wie in den letzten Jahren, aber sie hatten schon den untrüglichen Instinkt von Eheleuten, und jeder wußte, wo sein intimer Gegner verwundbar war. Sie spielten ihr Thema mit Variationen, Franziska war erfinderisch und zungenfertig, und sie führte diese Fertigkeit erbarmungslos ins Feld, lockte ihn mit giftigem Spott aus seiner Bastion selbstzufriedener Dumpfheit und beschoß ihn mit Fremdwörtern, Regerschen Vokabeln und lateinischen Zitaten (später, als sie zu stottern anfing, rächte er sich mit der naiven Grausamkeit eines Kindes, indem er ihr Stammeln nachahmte oder sie ermunterte: Na los, sprich erst mal ins Unreine); Wolfgangs Waffe war geheuchelte Friedsamkeit, und mit der Zeit entdeckte er die Wirkung von solchen Reizworten: deine feine Familie, ihr Intelligenzler, deine Freunde, die Spinner, mein gesunder Menschenverstand... Genug. Wir wollen uns mit einem Zank-Schema begnügen, mit einer Szene für hundert andere. (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand)


Das Lob der Frau als solche

Ich hatte mich dann vertieft mit den Mysterien der Frau auseinandergesetzt, Menstruationsbeschwerden, Laufmaschen, Kind und Beruf, dieses ganze Mysterium und wie Frauen es eigentlich schaffen, trotz dieser schier unüberwindlichen Schwierigkeiten, das Leben so bravourös zu meistern, wie sies geschafft haben, trotz alledem von den evolutionären Wogen nicht untergenudelt zu werden und abgeschafft zu werden. Wären sie nicht so robust, wären sie im evolutionären Gerangel längst untergegangen. Ich meine, die Evolutionstheorie, Charles Darwin, die Selektion, survival of the fittest, man muss ja schon sehr fit sein, nicht wahr, wenn man da als Gattung nicht aussterben will, die Säbelzahntiger, das Wollhaarmammut, ihre Fitness hat ganz einfach nicht ausgereicht. Man muss ungeheuere Kräfte lockermachen, diese ganzen Hürden im weiblichen Lebenskosmos zu überwinden, wären die Frauen zu schwach, wären sie schon längst ausgestorben. Immerhin, gab Sydow zu bedenken, sind bei den Mammuts und den Säbelzahntigern immer alle ausgestorben, Männer, Frauen, alle ausgestorben. Kann schon sein, bei den Menschen bin ich mir aber absolut nicht sicher, ob Männer und Frauen überhaupt der gleichen Art angehören. Ich bin einfach nicht sicher. Nach meinen umfassenden Studien zu Schulzeiten hat sich mein Verdacht, dass es sich bei Frauen und Männern einfach um zwei völlig verschiedene, miteinander im Grunde überhaupt nicht verwandte Arten zu tun hat, eher erhärtet. (Verena Roßbacher: Schwätzen und Schlachten)


Zerwürfnisse

Im Spätsommer 2012 schienen ihr die Krisen und Zerwürfnisse zwischen Ehe- und anderen Paaren in Großbritannien anzuschwellen wie eine unberechenbare Springflut, die ganze Familien fortschwemmte, Besitztümer und hoffnungsvolle Träume auseinanderriss und jeden hinwegspülte, der keinen starken Überlebensinstinkt besaß. Liebesschwüre wurden widerrufen oder umformuliert, gute Gefährten wurden zu raffinierten Kriegern, die ohne Rücksicht auf die Kosten ihre Anwälte aufeinanderhetzten. Einst kaum beachtete Haushaltsgegenstände waren auf einmal heftig umkämpft, einst unbefangenes Vertrauen wurde durch sorgfältig formulierte "Abmachungen" ersetzt. Die Duellanten schrieben die Geschichte ihrer Ehe um: Von Anfang an war sie zum Scheitern verurteilt, die Liebe nichts als ein leerer Wahn. Und die Kinder? Figuren in einem Spiel, Faustpfand der Mütter, Druckmittel gegen die Väter, die sie finanziell oder emotional vernachlässigten; Vorwand für konkrete oder eingebildete oder zynisch konstruierte Missbrauchsanschuldigungen, meist von Seiten der Mütter, manchmal auch der Väter; verstörte Kinder, die im Wochenrhythmus gemeinsamer Sorgerechtsregelungen zwischen zwei Haushalten pendelten, wobei jeder verlegte Mantel, jedes verlegte [140] Federmäppchen zum Beweisstück wurde, das ein Anwalt dem anderen zeternd um die Ohren schlug; Kinder, dazu verdammt, ihre Väter nur ein- oder zweimal im Monat zu sehen; oder gar nicht mehr, falls die das Eisen schmiedeten, solange es heiß war, sich gleich in den Schmelzofen einer neuen Ehe stürzten und neue Nachkommen zeugten. (Ian McEwan: Kindeswohl)


Ich will nicht

Als sie mich zur Tür begleitete, murmelte sie: "Weißt du, wir beide... ich will nicht..." Ich hielt diese Worte nicht für endgültig, denn ich hatte festgestellt, daß viele Mädchen ihre Entscheidungen nicht deshalb treffen, weil sie genau wissen, was sie wollen, sondern weil sie sich über die eigene Unentschlossenheit ärgern. Dennoch waren die folgenden Tage für mich sehr schmerzhaft. Es gibt mindestens zwei unbegreifliche Dinge: Das erste ist, geliebt zu werden; das zweite, nicht geliebt zu werden. (Henri-Frederic Blanc: Teufelei)


Typisch mit den lieben Männern

Ja, das ist jetzt wieder typisch mit den lieben Männern. Weil sie zu solchen immer erst werden, wenn Gott sie schon selig hat. Noch nie hab ich gehört: Mein lieber Mann, der grad im Wirtshaus beim Schafkopfen hockt. Oder: Mein lieber Mann, der momentan mit seinen Kumpels die Welt umsegelt. Oder wenigstens: Mein lieber Mann, der in der Küche grad die Zeitung liest. Nein. Immer nur: Gott-hab-ihn-selig. Da braucht man sich dann auch wirklich nicht wundern, dass unsereiner nicht heiraten will, oder? Wenn man erst geliebt wird, wenn man schon selig ist. (Rita Falk: Schweinskopf al dente)


Der echte Geisterdialog

Ich werde mein Tagebuch jetzt nach unserem Festmahl noch etwas rückwärts studieren. Diese Monologe belehren mich schon jetzt über mich selbst, wieviel mehr müssen sie es künftig in meinem Alter tun. Kann ein Tagebuch etwas andres als Monologe enthalten? Doch, ein recht großer Künstlergeist könnte ein solches dialogisch denken und schreiben. Wir vernehmen aber nur gar zu selten diese zweite Stimme in uns selbst. Natürlich! Gibt es unter Tausenden doch kaum einen, der in der Wirklichkeit den Verständigen und dessen Antworten vernimmt, wenn sie anders lauten, als der Sprechende sich die seinigen und seine Fragen angewöhnt hat." "Sehr wahr", bemerkte Clara, "und darum ist in ihrer höchsten Weihe die Ehe erfunden. Das Weib hat in ihrer Liebe immer jene zweite, antwortende Stimme oder den richtigen Gegenruf des Geistes. Und glaube mir, was ihr so oft in euerm männlichen Übermut unsre Dummheit oder Kurzsichtigkeit benennt, oder Mangel an Philosophie, Unfähigkeit, in die Wirklichkeit einzudringen, und dergleichen Phrasen mehr, das ist, wie oft, der echte Geisterdialog, die Ergänzung oder der harmonische Einklang in euer Seelengeheimnis. Aber freilich, die meisten Männer erfreuen sich nur eines nachhallenden Echos, und nennen das Naturlaut, Seelenklang, was nur nachbetender oder nachbuchstabierter Schall unverstandener Floskeln ist. Oft ist das sogar ihr Ideal der Weiblichkeit, in welches sie sich sterblich verlieben." (Ludwig Tieck: Des Lebens Überfluß)


Tod einer Ehe (2)

Seine rastlose Eitelkeit fand niemals genügend Weidefläche, und als die Jahre vergingen, ohne dass der Name Lewis Tarrant auf zwei Kontinenten zu einem geläufigen Begriff geworden war oder zumindest im englischen "Who's Who" auftauchte, merkte seine Frau, dass seine Gier nach Lob immer ungezügelter wurde. All dies erkannte Halo mit dem hellwachen Zweiten Gesicht der erfahrenen Ehefrau. Solange sie ihren Mann noch mochte, hatte sie ihn unvollständig und undeutlich gesehen, aber unter den Röntgenstrahlen ihrer abgeklärten Gleichgültigkeit waren jeder Muskel und jedes Gelenk sichtbar geworden. Manchmal erschreckte es sie fast, wie genau sie seine Geistesregungen berechnen und den unvermeidlichen Ablauf seines Handelns vorhersagen konnte. (Edith Wharton: Ein altes Haus am Hudson River)


Tod einer Ehe (1)

Dabei hatte er bei diesem Resümee den leeren Raum in der Mitte noch ausgelassen, das ungelöste Rätsel seiner Ehe. Er konnte sich heute kaum noch an den Glanz des Glücks erinnern, den Laura Lous Gegenwart ihren ersten Ehetagen verliehen hatte. Er hatte sich eingebildet, dass sie all seine Vorstellungen teilte, dabei war sie nur der Resonanzboden seines jugendlichen Überschwangs gewesen. Jetzt war aller Wahn, alle Verzückung dahin. Wenn er und sie ein eigenes Haus hätten, statt zusammen in einem Zimmer hausen zu müssen, wie oft würde er sie dann noch aufsuchen? Von seinem lodernden Traum war nichts geblieben als kaltes, etwas ungeduldiges Mitleid. Er hatte die dumpfe Vermutung, dass der wahre Zweck der Ehe, das Bedürfnis, das sie trotz aller Widerstände und Spötteleien als Institution aufrechterhielt, das menschliche Urverlangen nach einem Zuhause, nach Kindern, nach einem moralischen Ankerplatz war. Ihm hatte die Ehe nichts davon beschert. Welchen Sinn hatte es, mit einer untätigen, kinderlosen Frau, die er schon lange nicht mehr wahrnahm, obwohl sie immer da war, in einem einzigen Zimmer zu leben? Er verachtete sich selbst, weil er sich der erzwungenen Nähe fügte und ihr das gab, worum ihre leisen Koseworte baten, aber so nachlässig, als wäre sie nur die zufällige Bettgenossin für eine Nacht. (Edith Wharton: Ein altes Haus am Hudson River)


Kein Frauenschwarm

Inzwischen war er in sie verliebt, verliebt in sie auf eine Weise, wie er noch nie im Leben in jemanden verliebt gewesen war, und hatte furchtbare Angst, sie könnte ihm eine Abfuhr erteilen; die Vorstellung war ihm unerträglich. Er war neunundzwanzig Jahre alt, und vor jenem letzten Tag des Frühlings, an dem er Millie nach einem Mob-Rule- Gig im Barb's kennengelernt hatte, waren seine Frauengeschichten samt und sonders nichts als Fehlschläge gewesen. Er war der dicke Junge, der auf der Schule nie eine Freundin hatte, der tollpatschige Naivling, der seine Jungfernschaft erst mit zwanzig verlor, der Jazzdrummer, der in den Clubs nie eine Frau abschleppte, der Trottel, der sich, wenn er verzweifelt war, von Nutten einen blasen ließ, der sexhungrige Schwachkopf, der sich im Dunkel seines Schlafzimmers vor Pornos einen runterholte. Von Frauen hatte er keine Ahnung. Die meisten Heranwachsenden hatten schon mehr Erfahrung mit Frauen als er. Er hatte von Frauen geträumt, er war Frauen nachgelaufen, er hatte Frauen seine Liebe erklärt, und wieder und wieder war er abgeblitzt. Und jetzt, als er das größte Wagnis seines Lebens einging, als er ein Haus in Sunset Park besetzen wollte und dafür womöglich im Gefängnis landen würde, trat er mit einem Team an, das ausschließlich aus Frauen bestand. Endlich war die Stunde seines Triumphs gekommen. (Paul Auster: Sunset Park)


6 Kilo mehr

Sie war schon immer kräftig gebaut, kräftiger als ihre Schulkameradinnen ... größer, breiter, stärker, athletischer, nicht dick, nicht zu schwer für ihre Größe, nur kräftig. Als sie Jake vor zweieinhalb Jahren kennenlernte, war sie einen Meter siebenundsiebzig groß und wog einundsiebzig Kilogramm. Sie ist immer noch eins siebenundsiebzig, wiegt aber jetzt siebenundsiebzig. Diese sechs Kilo machen aus einer starken, eindrucksvollen Frau ein Monstrum. (Paul Auster: Sunset Park)


Gleichberechtigung

Wovon fühlen sich die Gegner der absoluten Gleichberechtigung aller eigentlich bedrängt? Leiden sie an ihrem eigenen Lebensentwurf so sehr, dass sie andere bestrafen wollen? Denken sie: Wenn es mir schlechtgeht, der ich gesellschaftliche Normen erfülle, dann sollen andere auch keinen Spaß haben? Von was fühlt sich der gemeine Sexist verdammt noch mal bedroht, was ekelt ihn, was macht ihn hassen? Die Kinderlosigkeit Europas wird nicht dadurch beendet, dass man Homosexuellen die komplette gesellschaftliche Gleichberechtigung gesetzlich zugesteht; der Untergang unserer Kultur wird zu Recht erfolgen, wenn sie es nicht schafft, Menschen zum Denken anzuregen. Also was ist es genau? Der Gott? Die Gott? Die eigene Begrenzung der geistigen Möglichkeiten sollte die Menschen weit intensiver beschäftigen als neue Familienmodelle. Unser träges Hirn ist es, das wir fürchten sollten. Hunderttausend Franzosen und eine Milliarde religiöser Fanatiker weltweit gehen auf die Knie und flehen um eine Erweiterung ihrer Hirnkapazität. Sie betteln darum, zu begreifen, dass es andere Lebensentwürfe als den eignen gibt, dass wir alle in unserer Dummheit gleichwertig sind. Das wäre eine Schlagzeile nach meiner Fasson, und ich kniete mich mit auf die Champs-Élysées und bäte um das geistige Vermögen, restlos alle zu verstehen, die anders denken als ich. (Sibylle Berg: Wie halte ich das nur alles aus?)


Die kleinen Stiche

"... Und die schlimmsten Ehen sind die, lieber Krola, wo furchtbar "gebildet" gestritten wird, wo, wenn Sie mir den Ausdruck gestatten wollen, eine Kriegsführung mit Sammethandschuhen stattfindet, oder richtiger noch, wo man sich, wie beim römischen Carneval, Confetti ins Gesicht wirft. Es sieht hübsch aus, aber verwundet doch (...)" "Kein Donnerwetter, nur kleine Worte mit dem Giftgehalt eines halben Mückenstichs, oder aber Schweigen, Stummheit, Muffeln, das innere Düppel der Ehe, während nach außen hin das Gesicht keine Falte schlägt. Das sind so die Formen." (Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel)


Wundmale

Treibel wiegte den Kopf. "Ja, sehen Sie, Krola, Sie sind nun ein so gescheidter Kerl und kennen die Weiber, ja, wie soll ich sagen, Sie kennen sie, wie sie nur ein Tenor kennen kann. Denn ein Tenor geht noch weit übern Lieutenant. Und doch offenbaren Sie hier in dem speziell Ehelichen, was noch wieder ein Gebiet für sich ist, ein furchtbares Manquement. Und warum? Weil Sie's in Ihrer eigenen Ehe, gleichviel nun, ob durch Ihr oder Ihrer Frau Verdienst, ausnahmsweise gut getroffen haben. Natürlich, wie Ihr Fall beweist, kommt auch das vor. Aber die Folge davon ist einfach die, daß Sie - auch das Beste hat seine Kehrseite - daß Sie, sag' ich, kein richtiger Ehemann sind, daß Sie keine volle Kenntnis von der Sache haben; Sie kennen den Ausnahmefall, aber nicht die Regel. Über Ehe kann nur sprechen, wer sie durchgefochten hat, nur der Veteran, der auf Wundenmale zeigt ... (Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel)


Männliche Ungeduld

Was war er doch für ein Ungeheuer an Unaufrichtigkeit, wenn er wie jetzt eine Frau in seinen Armen wiegte (...), während er (...) doch nur ohne jedes Vorgeplänkel mit ihr ins Bett wollte (...). Ein ausgiebiger Zungenkuss (...), das Gesicht über dem duftenden Dunkel ihrer aufgeknöpften Bluse, sein ganzes Blickfeld ausgefüllt von dem Spalt zwischen ihren schwellenden Brüsten ... warum es ihn mehr bedrückte als sonst, all das Reden, Zuhören, Kochen, bevor irgendetwas wirklich Lohnendes stattfinden konnte. Vielleicht hatte er die Geduld mit dem Kleingedruckten in den zwischenmenschlichen Beziehungen verloren... (Ian McEwan: Solar)


Zwei Arten

"In unserer Gesellschaft herrschen zur Zeit zwei Arten der Einstellung zu Frauen vor. Die einen messen die weiblichen Schädel, um zu beweisen, daß die Frau tiefer steht als der Mann, sie suchen nach ihren Unzulänglichkeiten, um sie zu verspotten, sie wollen in ihren Augen originell sein und die Tatsache rechtfertigen, daß sie selbst Tiere sind. Die anderen dagegen sind aus Leibeskräften bestrebt, die Frau zu sich emporzuziehen, das heißt, sie zu zwingen, sich die fünfunddreißigtausend Arten einzupauken, die gleichen Dummheiten zu sagen und zu schreiben, die sie selbst sagen und schreiben." (Anton Cechov: Gespräch eines Betrunkenen mit einem nüchternen Teufel. Erzählungen)


Die Größe der Aufgaben

Frauen und Personalchefs werden nie begreifen, dass Männer einen Ekel vor zu geringen Aufgaben haben. Männer weigern sich bis zur Scheidungsklage, drei abgebrannte Streichhölzer unter dem Herd hervorzufegen, während sie der Aufforderung, aus drei Millionen Streichhölzern das Reiterstandbild vorm Hannoveraner Hauptbahnhof nachzubauen, sofort mit Interesse und Tatkraft nachkommen. Der ganze Sozialismus ist ohne die männliche Begeisterung für gigantischen Unfug überhaupt nicht zu begreifen. (Stefan Schwarz: Hüftkreisen mit Nancy)


Recht behalten

Für einen Moment erinnert sie ihn so sehr an Konstanze, dass es ihm wie eine Anmaßung vorkommt. Wie sie ihm Recht gibt und trotzdem Recht behält, auf eine Art, die nur Frauen beherrschen, nämlich im Wortsinn: als wäre es vollständig ihr Recht, und sie teilte ihm die Portion zu, die sie für angemessen hält. Eine kleine Portion natürlich, Männer kriegen im eigenen Interesse nur teelöffelweise von dieser Medizin mit Suchtpotenzial. Und das nachgeschobene 'Oder' ist auch keine Frage, sondern einer dieser leichten Schläge auf den Hinterkopf, die angeblich die Intelligenz erhöhen. Aber was er empfindet, ist nicht Ärger, sondern die fast nicht zu bezwingende Lust zur Kapitulation. Auch die kommt ihm bekannt vor, und deshalb gibt er ihr nicht nach - im eigenen Interesse. (Stephan Thome: Grenzgang)


Fremdgehen

Kein Klammern an physische Fetische. Als Geschenke nur Bücher und Postkarten, Mails sofort löschen, Kinokarten, Fahrkarten im öffentlichen Abfall deponieren, bloß nicht zu Hause. Hotelrechnungen in Fetzen reißen und im Klo runterspülen, am besten noch im Hotel. Jeden Hinweis entsorgen, einmal passt dieses neumodische Verb. Aber das alles ist mühevoll, würdelos. Und selbst abseits vom Erwischtwerden fallen mir nur Verwicklungen ein, Befürchtungen, Komplikationen. Ein fremder Mann macht fremde Geräusche, trägt andere Unterhosen und ist im schlimmsten Fall genauso nervös wie man selbst. Erster Sex ist, bei Licht betrachtet, kompliziert und peinlich. Aber genau dieses Verstandeslicht wird vermieden, (...) ausgeknipst. (Eva Menasse: Quasikristalle)


Eskalationsstufen

Ich hatte irgendwie keine Kraft mehr, sanft zu sein, und eine Abkürzung drängte sich mir auf wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Ach, fick dich doch selbst! Du kannst mich mal mit deinem arschlosen Pluspunkt- Gequatsche! So wäre Dorit durchaus männlich Bescheid zu geben. Es würde vielleicht einige der Anwesenden irritieren, dass bei uns zwischen freundlichem Prosit und Unterschichtengebell weniger als eine Minute lag, aber wir waren seit fünfzehn Jahren ein Paar, und da fallen beim Streiten schnell mal ein paar Eskalationsstufen einfach weg. (Stefan Schwarz: Hüftkreisen mit Nancy)


Raumbedarf

Du hast keinen Begriff davon, Fritz, wie es gerade die Weiber sind, die sich in der Not zusammenzudrücken wissen, wenn sie auch sonst noch so viele überflüssige Kisten, Kasten und Hutschachteln mit sich herumschleppen und die Räumlichkeit auf dem Schiff, im Postwagen und auf der Eisenbahn beengen. Mit uns Mannsvolk ist's genau das Umgekehrte. Geht es uns gut, so haben wir in einem Winkel mit einer Zigarre genug; aber geht es uns schlimm, so brauchen wir in unserer Phantasie zum mindesten das halbe Weltall, um Ellbogenraum für neue Dummheiten zu gewinnen. (Wilhelm Raabe: Alte Nester)


Ein vorübergehendes Gefühl

In Sachen Liebe ziehen wir der Unterscheidung zwischen "moralisch" und "unmoralisch" das Begriffspaar "wahrhaftig" und "oberflächlich" vor. Wir sind zu verständig, um unsere Handlungen zu verurteilen; stattdessen verurteilen wir unsere Motive. Haben wir uns vom herrschenden Verhaltenskodex befreit, unterwerfen wir uns einem Motivationskodex, um jenes Scham- und Angstgefühl zu erlangen, das unsere Altvorderen auf weniger komplizierte Weise erreichten. Ihre in der Religion verwurzelten Moralvorstellungen lehnten wir ab, weil sie den Menschen gegen seine Triebe aufhetzten und ihn mit einer Schuld an Sünden befrachteten, die in Wahrheit nichts anderes als die Auswirkungen der Naturgesetze waren. Doch wir büßen noch immer für die Schöpfung: Wir halten uns für Versager, statt unserem Glauben an eine mögliche Vollkommenheit abzuschwören. Wir klammern uns an die Hoffnung auf die ewige Liebe und bestreiten, daß es sie auch als vorübergehendes Phänomen geben kann. Es ist weniger schmerzlich, sich einzureden "Ich bin oberflächlich", "Sie ist egozentrisch", "Wir haben uns nicht verstanden" oder "Es war rein körperlich", als die schlichte Tatsache zu akzeptieren, daß Liebe ein vergängliches Gefühl ist, und zwar aus Gründen, auf die wir keinen Einfluß und die nicht mit unserer Persönlichkeit zu tun haben. Aber wer kann sich schon selbst mit rationalen Überlegungen trösten? Kein Argument vermag die Leere zu füllen, die ein abgestorbenes Gefühl zurückläßt und die uns an die endgültige Leere, an unsere letztendliche Treulosigkeit erinnert. Sogar dem Leben sind wir untreu. (Stephen Vizinczey: Wie ich lernte, die Frauen zu lieben)


Glückliche Gruppen

Um auf die Zölibatsfrage zurückzukommen, die für einen katholischen Jungen früher oder später Grund zur Besorgnis ist, muß ich sagen, daß die Frauen, die ich vom Fenster unserer Wohnung aus sah, nicht allein an meinen vorzeitigen Ängsten schuld waren. So wie ich im Kloster am Leben einer Gruppe von Männern teilhaben durfte, wurde ich zu Hause oft in eine Frauenrunde aufgenommen. Meine Mutter lud nämlich jede Woche ihre Freundinnen, Witwen und allein stehende Frauen ihres Alters, also zwischen dreißig und vierzig, zu Tee und Gebäck ein. Ich weiß noch, daß ich es seltsam und zugleich wundervoll fand, wie sehr sich die Atmossphäre im Kloster und die bei der wöchentlichen Teerunde meiner Mutter ähnelten. Sowohl die Franziskaner als auch die Freundinnen meiner Mutter waren ein fröhlicher, lustiger Haufen und offensichtlich ganz zufrieden damit, allein zu leben. Ich kam mir wie das einzige menschliche Bindeglied zwischen diesen in sich geschlossenen Welten vor. Ich war stolz darauf, daß ich in ihnen willkommen war, und fühlte mich in beiden wohl. Ein Leben ohne die eine oder andere konnte ich mir nicht vorstellen, und manchmal denke ich heute noch, daß es sich als Franziskanermönch mit einem Harem vierzigjähriger Frauen wohl am besten leben würde. (Stephen Vizinczey: Wie ich lernte, die Frauen zu lieben)


Generalnenner

"Wenn der Gedanke an ein Weib uns zu beißen anfängt, wie der bekannte spartanische Fuchs aus der Geschichtsstunde – na – dann muß was geschehen... Wenn ein Weib eine unbequeme große Rolle in unseren Vorstellungen zu spielen beginnt, ja – dann müssen wir es eben besitzen, um es loszuwerden. Kann ich auf dich rechnen?" "Gewiß, gewiß, mein Alter", erwiderte Günther. "Soweit bei Mareile von Rechnen die Rede ist... Sie ist unberechenbar." "Ach Gott! Die Mädchen haben ja doch alle denselben Generalnenner!" meinte Berkow. (Eduard Graf von Keyserling: Beate und Mareile)


Nicht alles zusammen

Es ist ja nun sehr selten, nein, um die Wahrheit zu gestehen, es trifft sich nie auf Erden, daß man alles, also Schönheit, Geist, Unterhaltungsgabe, Nichtlangweiligsein, guten Geschmack, willensfreudigen und gut gepflegten Körper in einer und derselben Frau vereinigt vorfindet. Das gibt es nicht. Weil es gegen die Naturgesetze geht. Daß es so etwas gibt, glaubt man nur zwischen sechszehn und fünfundzwanzig, und das ist die Zeit, wo man seine größte Dummheit macht, das ist, die Unrechte zu heiraten. (B. Traven: Die weiße Rose, S. 62)


Erfahrungen

Mr. Collins mußte jetzt häufig an die Affäre des Mr. Ayres denken. Mr. Ayres war sein intimer Freund. Sie hatten beide dieselbe High School besucht und gehörten beide denselben Clubs an. Deshalb war Mr. Collins in alle Einzelheiten jener Affäre eingeweiht. Die genaue Kenntnis jener Geschichte war ihm nützlich. Sie half ihm, auf der Hut zu sein. Aber wie kann man auf seiner Hut sein, wenn die untere Hälfte des Körpers größere Ansprüche stellt als im Alter von zwanzig Jahren? Mit zwanzig Jahren hat man romantische Ideen, in denen manche rein natürliche Wünsche des Körpers einem als schmutzig erscheinen und man an Keuschheit und an Reinheit in der Liebe glaubt. Nicht weil der Mensch in jenem Alter edler ist, sondern weil er furchtsamer ist den Mädchen gegenüber und Mysterien wittert, in die er nicht eindringen zu können glaubt, ohne sich in schwere Gefahr zu begeben. Im Alter von fünzig Jahren, nachdem man fünfundzwanzig Jahre Ehe und fünzig Gelegenheitsbigamien mit allen Stürmen, Orkanen, Taifunen, Klippen, Sandbänken, Sonneschein und Regenschauern, die man auf seiner Fahrstraße vorfindet, mehr oder weniger mutig und erfolgreich überwunden hat, ist die Gewohnheit des reifen Mannes an die Stelle romantischer Eseleien getreten. (B. Traven: Die weiße Rose, S. 59)


Der Erste

Nach vielen Erfahrungen kommt der Mann endlich zu der Erkenntnis, daß von allen Frauen die erste, die er besaß, die beste war. Denn die Erinnerung an sie liegt am weitesten zurück und ist am nächsten der Erinnerung an seine Jugend, die ihm romantisch erscheint, weil sie das Vergangene ist. Auch für die Frau ist der Mann, den sie zuerst liebte, meist der Mann, den sie für den besten hält und den sie immer lieben wird, schon darum, weil er ihr nicht mehr im Wege ist. Der Grund ist der gleiche wie beim Manne. (B. Traven: Die weiße Rose, S. 48)


Das Niveau halten

Es ist Frauensache, dafür zu sorgen, daß die Familie ihr Niveau hält. Männer sind nicht stark genug. Die Frauen, die darauf achteten, daß sie nicht aus der Reihe tanzen, auch nicht aus der Ahnenreihe. Das hat mir meine Großmutter beigebracht. Mein bloßes Auftreten müsse, sobald ich irgendwo erscheine, die Männer veranlassen, unwillkürlich an ihre Hose zu greifen und zu prüfen, ob sie auch zugeknöpft ist. Als sie mir das erklärte, war ich sieben. (Irene Dische: Großmama packt aus, S. 9)


Riechorgan

Der Mensch jagt den Fuchs mit Hilfe von Hunden und weiß, daß er sich dabei des ausgeprägten Riechorgans dieser Tiere bedient. Doch er hat keine Ahnung, wieso dieser Sinn so zuverlässig funktioniert. Das Organ, mit dem Frauen sozusagen instinktiv erkennen und spüren, wie andere Frauen von Männern beurteilt werden - und auch Männer von anderen Frauen -, ist gleichermaßen leistungsfähig und gleichernmaßen unbegreiflich. (Anthony Trollope: Die Türme von Barchester, S. 629)


Das beste Alter

Es ist, so glauben wir, unter jungen Männern von fünfundzwanzig üblich, ältere Männer - sagen wir, doppelt so alte Männer - als fühllose Klötze zu betrachten, das heißt, als fühllose Klötze bezogen auf weibliche Schönheit. Das ist ein ganz großer Irrtum. Die meisten Frauen wissen es zwar besser, aber die Männer der einen Altersgruppe haben auf diesem Gebiet nicht die geringste Ahnung vom wirklichen Zustand der Männer anderer Altersgruppen. Weder Welterfahrung noch Geschichtsklektüre, noch Lebensweisheit sind imstande, die Wahrheit aufzudecken. Männer mit fünzig tanzen zwar keine Mazurkas, sind meistens dick und asthmatisch und sitzen nicht mehr stundenlang zu Füßen ihrer Geliebten am Flußufer, weil sie nämlich ein wenig Angst vor Rheumatismus haben. Aber für die echte, wahre Liebe - für die Liebe auf den ersten Blick, die Liebe bis zur Hingabe, die Liebe, die einem Mann den Schlaf raubt, die Liebe, deren "Auge schaut den Adler blind", deren "Ohr vernimmt den schwächsten Laut, wo selbst des Diebs argwöhnisch Horchen taub", für die Liebe, die "wie Herkules der Hesperiden Bäum' erklimmt" - ist das beste Alter wohl zwischen fünfundvierzig und siebzig. Später begnügen sich die Männer mit dem Flirten. (Anthony Trollope: Die Türme von Barchester, S. 621)


Tyrannei und Täuschung

Du willst doch nicht behaupten, daß nur ein Verrückter eine Frau lieben kann?" "Genau das will ich sagen - daß jeder Mann, der seine vorteilhafte Position aufgibt, um in den Besitz eines hübschen Gesichts zu gelangen, verrückt ist, Hübsche Gesichter sind billiger zu haben. Mir ist deine kitschige Sentimentalität zuwider, Lotte. Du weißt genausogut wie ich, auf welche Weise Männer und Frauen normalerweise zusammenleben; du weißt, wie lange die eheliche Liebesglut Prüfungen wie einem mißlungenen Essen, einem Regentag oder auch nur der kleinsten Entbehrung infolge von Armut standhält; du weißt, welch sklavische Ergebenheit er von seiner Frau fordern würde, wenn er könnte. Und du weißt auch, wie Frauen normalerweise gehorchen. Ehe bedeutet Tyrannei auf der einen Seite und Täuschung auf der anderen. Ich finde, ein Mann, der seine Interessen für einen solchen Handel opfert, ist ein Narr. (Anthony Trollope: Die Türme von Barchester, S. 224f.)


Überlegungen

"Wenn ich dir empfehle, du solltest nicht ohne zu lieben eine Ehe eingehen, heißt dies nicht, du solltest einzig und allein aus Liebe heiraten - so viele, viele andere Dinge sind hier noch zu berücksichtigen. Bewahre du dir Herz und Hand, bis du guten Grund hast, beides zu verschenken, und falls sich diese Gelegenheit niemals bietet, tröste deine Seele mit der Überlegung, daß, wer ledig bleibt, vielleicht nicht sehr viele Freuden hat, aber zumindest auch nicht mehr Kümmernisse, als man ertragen kann. Die Ehe mag deine Verhältnisse zum Besseren wenden, doch ist meine persönliche Meinung, daß sie weit eher die gegenteilige Wirkung hervorbringt." (Anne Brontë: Die Herrin von Wildfell Hall, S. 566)


So viele Arten der Liebe

"Ist es denn wahr, daß die Wlasjewa, die jüngere, den Topoff heiraten wird?" "Man sagt, es sei völlig sicher." "Ich wundere mich über die Eltern. Man sagt, diese Ehe werde aus Liebe geschlossen?" "Aus Liebe? Was sind das für antediluvianische Ideen, die Ihr da habt? Wer spricht heute noch von Liebe?" äußerte die Frau des Gesandten. "Was ist zu thun? Diese alte dumme Mode ist noch immer nicht abgeschafft," sagte Wronskiy. "Um so schlimmer für diejenigen, welche sich noch von ihr beherrschen lassen. Ich kenne glückliche Ehen, die nur vernunftgemäß geschlossen worden sind." "Mag sein, aber auch im Gegenteil; wie häufig verfliegt das Glück der Vernunftehen gleich dem Staub, besonders dadurch, daß sich eben jene Leidenschaft plötzlich zeigt, die wir nicht anerkannt haben," sagte Wronskiy. "Aber Vernunftehen nennen wir die, welche nur von Leuten geschlossen werden, die sich im Leben ausgetobt haben. Es ist hier wie mit dem Scharlachfieber, man muß eben erst hindurch sein." "Dann muß man eben lernen die Liebe künstlich abzuimpfen, wie die Pockenkrankheit." "In meiner Jugend war ich einmal in einen Kurrendesänger verliebt," sagte die Fürstin Mjagkaja, ich weiß aber wirklich nicht, ob es mir etwas genützt hat." "Nein, ohne Scherz, ich glaube, daß man, um die Liebe zu erkennen, sich erst in ihr täuschen muß um sich dann zu bessern," sagte die Fürstin Bezzy. "Auch noch nach der Heirat?" frug scherzend die Frau des Gesandten. "Man kann nie zu spät Reue empfinden," sagte der Diplomat in einem englischen Sprichwort. "Das ist es eben," rief Bezzy, "man muß sich bessern, wenn man geirrt hat. Wie denkt Ihr darüber?" wandte sie sich an Anna, die mit kaum bemerkbarem, kaltem Lächeln auf den Lippen, dem Gespräch schweigend zugehört hatte. "Ich denke," antwortete Anna, mit dem abgestreiften Handschuh spielend, "ich denke wie viel Köpfe, so viel Sinne und ebenfalls, wie viel Herzen so viel Arten von Liebe." (Lew Tolstoj: Anna Karenina)


Zerfall oder Übereinstimmung

Soll im Familienleben etwas unternommen werden, so bedarf es dazu entweder eines vollständigen Zerfalls unter den Gatten, oder einer liebevollen Übereinstimmung. Wenn aber die Beziehungen unter den Gatten unbestimmte sind, weder so noch so, dann kann nichts unternommen werden. Viele Familien bleiben Jahre lang auf dem alten Platze, der den beiden Gatten gleichgültig geworden ist, nur aus dem Grunde, weil weder ein völliger Zerfall, noch ein ebensolches Einverständnis vorhanden ist. (Lew N. Tolstoj: Anna Karenina)


Freizeittrinker

Auf dem Markt vor dem Rathaus wie gewöhnlich ein paar Freizeittrinker. Der letzte Rest Verstand mußte doch auch noch wegzusaufen sein. Einer stand auf dem kleinen Rasenstück und pinkelte gegen einen Strauch. Der alte Kindertrick: Wen ich nicht sehe, der sieht mich nicht. Das Sichtfeld schnurrte zusammen auf Reichweite eines Urinstrahls. Der freihängende Penis, ein Primat der Primaten. Schon beeindruckend, mit welcher konzentrierten Beiläufigkeit dieses Geschäft verrichtet wurde. Schamlose Selbstverständlichkeit. Frei wie ein Tier. Ein größeres Geschlecht als Kompensation für den verlorengegangenen Schwanz. Bestimmt waren Männer traurig, daß sie ihr Geschlecht nicht wie Hunde lecken konnten. (Judith Schalansky: Der Hals der Giraffe, S. 62)


Soziale Akademiker

Als Junggeselle kannst du dir sagen: 'Ich werde nur diese bestimmte Summe an Lächerlichkeit haben; die Leute können von mir nur das denken, was zu denken ich ihnen gestatten werde.' Bist du aber verheiratet, so stürzt du in die Unendlichkeit des Lächerlichen! Als Junggeselle schaffst du dir selber dein Glück, du faßt es heute beim Schopf und läßt es morgen fahren; bist du verheiratet, so nimmst du es, wie es ist, und an dem Tag, da du davon genug hast, verzichtest du darauf. Bist du verheiratet, wirst du schwerfällig, berechnest Mitgiften, redest über gesellschaftliche und religiöse Moral, findest die jungen Menschen unmoralisch und gefährlich; kurzum, zu wirst ein sozialer Akademiker. (Honore de Balzac: Der Ehekontrakt)


Verliebt

Wenn Männer als Jünglinge zum erstenmal lieben, so tun sie es aus der Mitte ihres Herzens heraus, und nichts sonst hat Teil an dem Vorgang. Mit wachsenden Jahren suchen sie auch andere Seelenkräfte an der Leidenschaft zu beteiligen, bis in Knights Alter auch der Verstand gern sich einmengen würde. Er sollte lieber außen vor bleiben. Ein Verliebter, der seine Lage mittels seines Gehirns ermessen will, ist einer, der den Längengrad eines Schiffes anhand der Positionsleuchten am Mast zu bestimmen versucht. (Thomas Hardy: Blaue Augen)


Wimmelmännlein

Wir müssen alle finalen Rezepte überwinden, schließlich sind wir ja nur Vorzeichnungen von dem, was aus uns werden soll. Man muß den Absolutismus der Wirklichkeit abbauen und zu einer Figur der schönen Resignation werden. Dazu hob sie mit der Gabel eine einzelne Nudel in die Höhe und betrachtete sie versonnen. Plötzlich fing sie an zu kichern: Der Feminismus verleibt sich die Männer ratzekahl ein, jammerschade, irgendwann ist von den vielen kleinen Wimmelmännlein nichts mehr übrig. Dann wurde der Ton verschwörerisch: Wir müssen sehr, sehr achtgeben, damit uns der letzte Mann nicht auch noch von Bord geht geht; wobei der Ton gleich wieder ins Heitere umschlug: Vielleicht sind dann nur noch die Philosophen übrig, aber deren Interesse an Frauen ist nur so-la-la. (Sibylle Lewitscharoff: Blumenberg, S. 60)


Zu Ende gehende Beziehungen

Zwar wußte Wank damals schon, daß die Schlußphase einer Beziehung fast immer gekennzeichnet war durch den Nachholebedarf an Rücksichtslosigkeit, daß sich gegen Ende hin - so wie die Schattenlänge bei sinkender Sonne wuchs - die Mangelhaftigkeit des Partners vervielfachte oder zu vervielfachen schien. Das eigentlich Betrübende war dann nicht mehr die Trennung, sondern der Verdacht, mit einem Scheusal zusammengelebt zu haben. (Markus Werner: Die kalte Schulter, S. 49)


Leere Versprechungen

Wenn es eines gab, das er der Welt mitzuteilen hatte, dann dies: Man sollte nie, niemals Kinder bekommen, ohne sich zuvor eine verläßliche Geliebte zugelegt zu haben. Und man sollte sich nicht von trügerischen Horizonten täuschen lassen: "Wenn ich nicht mehr stille; wenn er die Nacht in seinem eigenen Bett durchschläft; wenn er studiert." Wie ein Gespann von durchgehenden Pferden schleiften diese leeren Versprechen einen Mann über Geröll und Riesenkakteen, während er darum betete, daß die verhedderten Zügel rissen. Es war vorbei, die Ehe hielt keinen Trost bereit, nur Pflichten und Verbindlichkeiten. (Edward St. Aubyn: Muttermilch, S. 165)


Die Suche nach der Schleimhaut

Die Geschichte der Sexualität in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts trägt die Überschrift: "Niedergang und Aufstieg des Kondoms". Das Kondom ist wieder da. Und mit ihm ist alles zurückgekehrt, was in den sechziger Jahren über Bord geworfen ist. Welcher Mann kann behaupten, daß ihm Sex mit Kondom soviel Spaß macht wie ohne? Was bringt ihm das eigentlich? Das ist der Grund, warum die der Verdauung dienenden Körperöffnungen in sexueller Hinsicht so populär geworden sind. Die verzweifelte Suche nach einer Schleimhaut. (Philip Roth: Das sterbende Tier, S. 77)


Sex vor den 60ern

Als ich heranwuchs, besaß man als Mann im Reich des Sex keine Bürgerrechte. Man war ein Fassadenkletterer. Man war ein Dieb im Reich des Sex. Man grapschte. Man stahl sich Sex. Man überredete, man bettelte, man schmeichelte, man beharrte - alles, was mit Sex zu tun hatte, mußte gegen die Werte, wenn nicht gar den Willen des Mädchens erkämpft werden. Die Regeln besagten, daß man ihr seinen Willen aufzuzwingen hatte. Auf diese Weise, hatte man ihr beigebracht, könne sie den Anschein der Tugend wahren. Es hätte mich verwirrt, wenn ein ganz normales Mädchen diese Regeln freiwillig und ohne endloses Drängen gebrochen und in einen sexuellen Akt eingewilligt hätte. Niemand, ganz gleich welchen Geschlechts, hatte nämlich das Gefühl, ein angestammtes Recht auf Erotik zu haben. Dergleichen war unbekannt. Wenn sie sich verknallt hatte, war sie unter Umständen bereit, es einem mit der Hand zu besorgen - was im Grunde bedeutete, daß man das selbst erledigte und dabei ihre Hand führte -, aber daß ein Mädchen sich ohne das Ritual psychologischer Belagerung und unablässiger, monomanischer Hartnäckigkeit und Beschwörung auf irgend etwas einließ, war schlicht undenkbar. Auf jeden Fall erforderte es eine geradezu übermenschliche Beharrlichkeit, einen geblasen zu bekommen. (Philip Roth: Das sterbende Tier, S. 74f.)


Befremdliche Männerzerstreuungen

Ob es zutrifft, daß die Männer sich immer mehr aufs Sachliche zurückziehen und den Frauen das "Schöngeistige" überlassen, wage ich nicht zu beurteilen - weil es auf den mir bekannten Kreis von Leuten zutrifft: also unterstelle ich mir subjektive Sicht und scheue vor Verallgemeinerung. Ich weiß nur soviel, daß mich die meisten Männer - die "Linken" nehme ich aus - nach kurzer [Zeit] entsetzlich langweilen, weil sie nichts zu bieten haben außer ihrem Fachwissen. Und sage mir keiner, ihre vernachlässigte Bildung sei Folge von Überlastung und Zeitmangel: jedenfalls haben sie allemal noch Zeit für ihre befremdlichen Männer-Zerstreuungen, Fußball (via Fernsehen) oder Skat oder dergleichen. (Brigitte Reimann, in: Reimann/Wolf: Sei gegrüßt und lebe. Eine Freundschaft in Briefen. 1964-1973)


Nicht mehr

"Wer fängt an?"
"Womit?"
"Mit den Fragen."
"Normalerweise der Arbeitgeber."
"Also: Welchen Beruf haben Sie ausgeübt in den sechs Jahren seit Ihrem letzten Arbeitszeugnis?"
"Ich war verheiratet."
"Das ist doch kein Beruf."
"So, wie mein Mann ihn verstand, schon."
"Was ist Ihr Mann"
"Banker, War."
"Nicht mehr?"
"Nicht mehr mein Mann."
(Martin Suter: Der Teufel von Mailand)


Der Kreislauf des Alltäglichen

Die Ära der Don Juans ist zu Ende. Der heutige Nachkomme von Don Juan erobert nicht mehr, er sammelt nur noch. (...) Die Erotik, früher Auslöserin von Katastrophen, gleicht heute durch sein Verdienst dem Frühstück, dem Mittagessen, der Philatelie, dem Pingpong, dem Shopping. Er hat sie dem Kreislauf des Alltäglichen einbeschrieben. (Milan Kundera: Das Buch der lächerlichen Liebe, S. 114)


Eifersucht

Er wußte, daß sie ihn liebte und eifersüchtig war. Eifersucht ist nun allerdings keine angenehme Eigenschaft, wenn sie aber nicht mißbraucht wird (und sich mit Bescheidenheit verbindet), so hat sie neben dem Unbequemen auch etwas Rührendes. Der junge Mann meinte das zumindest. Da er erst achtundzwanzig war, glaubte er, in diesem vorgerückten Alter bereits alles zu kennen, was ein Mann mit Frauen erleben kann. (Milan Kundera: Das Buch der lächerlichen Liebe, S. 72)


Der Mensch verdient es

Die Tora spricht davon, daß Gott die Erschaffung des Menschen bedauerte. Adams Sohn erschlug seinen Bruder. Zehn Generationen später ließ Gott die Sintflut über die Welt kommen, weil die Welt böse geworden war. Kein anderes Buch spricht so offen und klar die Wahrheit über den Menschen und seine Natur aus wie das Alte Testament. Selbst die sogenannten guten Menschen sind noch böse. Der Mensch als Spezies verdient all die Schläge, die er erhält. Es ist kein Zufall, daß die meisten Denkmäler Mördern gesetzt werden - seien es patriotische oder revolutionäre Mörder. (Isaac Bashevis Singer: Verloren in Amerika, S. 58)


Frauen sind immer die anderen

"Sodann", fuhr Mary fort, "kommen Frauen im Christentum ziemlich schlecht weg. Wegen der Erbsünde werden sie seit dem Garten Eden für alles in der Welt verantwortlich gemacht. Frauen sind schwach, unrein, dazu verurteilt, unter Schmerzen Kinder zu gebären als Strafe für die Verfehlungen Evas, sie sind die Versucherinnen, die das Denken der Männer von Gott ablenken; als ob Frauen für die sexuellen Gefühle der Männer mehr könnten als die Männer selbst! Wie Simone de Beauvoir sagt, Frauen sind immer die 'anderen', die eigentliche Sache vollzieht sich zwischen einem Mann im Himmel und den Männern auf der Erde. Frauen existieren im Grunde überhaupt nur als eine Art nachträgliche Überlegung Gottes, der sie aus einer Extrarippe zusammensetzte, damit sie den Männern Gesellschaft leisten und ihnen die Hemden bügeln, und der größte Gefallen, den sie dem Christentum erweisen können, ist, sich nicht mit Sex zu beschmutzen, keusch zu bleiben und, wenn sie's schaffen, trotzdem ein Kind zu kriegen; dann entsprechen sie dem Weiblichkeitsideal der christlichen Kirche - der Jungfrau Maria." (Ian McEwan: Zwischen den Laken. Erzählungen, S. 206)


Streit(un)kultur

Er war unfähig, sich mit Barbara zu streiten; sie verfuhr immer nach so furchtlos unakademischen Grundsätzen. Mit seinen Studenten konnte er sich ganz gut streiten: ruhig, logisch, auf der Basis von gemeinsam anerkannten Fakten. Zu Hause gab es diese Basis nicht; man schien die Diskussion (oder vielmehr das System einseitiger Vorwürfe) nie vorne zu beginnen, sondern sich mitten hineinzustürzen; und die Beschuldigungen, denen er entgegentreten mußte, waren ein hausgemachtes Gespinst aus Hypothese, Behauptung, Einbildung und Bosheit. Noch schlimmer war die schonungslos emotionale Form der Auseinandersetzung: Als Siegesprämie drohten lärmender Haß, hochmütiges Schweigen oder ein Hackmesser im Hinterkopf. (Julian Barnes: Als sie mich noch nicht kannte, S. 25)


Fortwursteln

Er war reif genug um zu wissen, daß es zwischen Liebespaaren überhaupt nur einen einzigen Ausweg gibt: das sogenannte Fortwursteln. Liebespaare können sich in bezug auf gar nichts in der Welt einigen, weil ja der ganze Witz darin besteht, daß sie immer zwei sind - 'ce mal d'etre deux', wie Stephane Mallarme es genannt hat. Einigkeit gibt's da nur im Belanglosen, in Schöngeistereien, Kunstgenüssen, 'gemeinsamen Interessen' und ähnlichem Blödsinn. Imre Gyurkicz aber war zu solchem Blickpunkte keineswegs etwa im Lauf der Jahre herangereift. Er war schon so auf die Welt gekommen. (Heimito von Doderer: Die Dämonen)


Sentimentales Gewäsch

Sie sprachen also über nichts Geringeres, als die altbekannte Frage der Möglichkeit oder Unmöglichkeit von 'reiner' Freundschaft zwischen Mann und Weib. (...) "In den meisten Fällen wird es Verlogenheit sein. Entweder ist eine Liebesbeziehung im Werden und die Freundschaft dient als Maske, weil eine gewisse Art von Weibern das nötig hat, um an die Sache auf schickliche Art herangebracht zu werden. Oder diese Freundschaft folgt als Verkümmerungs-Stadium nach der Liebe. Beide Male tritt sie jedenfalls nicht selbstständig auf, als alleiniger Schwerpunkt, andere Möglichkeiten ausschließend. Freilich gibt es solche Schwebezustände, die unausgesprochen durch Jahre, ja durch ein ganzes Leben dauern können. Sie werden verkehrterweise als Belege für die Möglichkeit der Freundschaft zwischen Mann und Weib angeführt. Im ganzen ist das alles ein sentimentales Gewäsch." (Heimito von Doderer: Die Dämonen)


Ehe - permanente Überforderung

Es muß ernüchternd sein, nicht wahr, sich ständig konfrontiert zu sehen mit Scheidungssachen, bringt Sie das nicht in Versuchung, die Ehe für undurchführbar zu halten? - Versuchung, sagte ich, sei nicht das richtige Wort, das richtige sei Gewißheit. Fast zwingend sei ich in Anbetracht von pausenloser Zweierpein genötigt, die Ehe als Irrweg zu sehn beziehungsweise als glatte Überforderung der menschlichen Natur, die einfach zu schweifend scheine, als daß sie sich auf Dauer zähmen lasse und auch nur die paar Regeln akzeptieren könne, die, würden sie befolgt, die Ehe vielleicht möglich machten. Es spotte jeder Beschreibung, sagte ich, was sich Paare in Scheiedung antäten, sei es in Fortsetzung dessen, was sie sich während der Ehe schon angetan hätten, sei es in der Entwertung einstigen Glücks. Das Verrückteste aber sei, daß sich die Leute, obwohl bereits jede zweite Ehe geschieden werde, von der Heiraterei nicht abhalten ließen, und als noch verrückter müsse der Umstand gelten, daß es sich bei über zwanzig Prozent der Eheschließungen um Wiederverheiratungen handle. (Markus Werner: Am Hang)


Von der Ehe

Im Gegensatz zur Vernunft-Ehe birgt die High-Rat aus Liebe in sich auch schon den 1. Scheidung's Grund. Niemals die Vernunft, allein die Liebe kann erkalten; weil die Liebe dem Willen zunächst, kann nur sie verhärten. Ablehnung & Überdruß folgen od: Schlimmeres. Liebe u: Ehe schließen ein:ander aus : Liebe ist des Willens Feuerflamme, & Feuer will fressen - die Ehe das Stroh, und alsbald niedergebrannt. Was bleibt, Asche Knochen wie von verlassnen Feuern im Kannibalenkral. Das eltern-Haus. - Die-Ehe-aus- Vernunftsgründen dagegen richtet sich zuerst an den Verstand. So kann sie bestehen bleiben. (Reinhard Jirgl: Die Stille)


Man muß durchhalten

In ihren Drohungen verließen sie einander tausendmal, aber im Grunde waren sie abhängig voneinander, im Grunde konnten sie sich nicht mal einen Schritt voneinander entfernen. Ich nannte das häßlich Scheiß- Scheidungs-Spiel. Die Mutter sagte immer, daß sie sich wegen mir nicht scheiden ließen, um mir Leid zu ersparen, und der alte K. behauptete ständig: "In der Kirche gibt es keine Scheidungen, was hilft's. Wenn man Gott einmal etwas versprochen hat, muß man durchhalten, was hilft's." Erst nach meiner letzten Beichte hörte ich auf, ihnen zu glauben, spät erst, schon im Alter der drängenden körperlichen und geistigen Fragen, im Alter der autoerotischen Gefangenschaft. (Wojciech Kuczok: Dreckskerl, S. 127)


Vorwürfe

Bald nach unserer Eheschließung muß sie die Überzeugung gewonnen haben, daß es keine interessante Form der Kommunikation gibt, als sich Vorwürfe zu machen. Oft habe ich mit kleinen Geschenken versucht, sie günstig zu stimmen, weil ich ihr nicht gewachsen war, oder einfach weil ich Frieden wollte. Sie aber hielt das sofort für ein Zeichen von schlechtem Gewissen. Eines Tages wirft sie mir an den Kopf, daß ich nur denke, wenn es unbedingt sein muß. Daß mein Normalzustand ein Dahindämmern ist. Ich muß mir anhören, daß meine Art zu denken dem Grasen von Kühen gleicht: Hin und wieder wächst irgendwo in der Umgebung ein Gedanke, ohne mein Zutun, und wenn er mir hübsch vorkommt, und wenn er nicht allzuweit neben meinem Weg steht, dann rupfe ich ihn eben. (Jurek Becker: Amanda herzlos, S. 25)


Schlimmer als Löwen und Drachen

'Du hälst weit besser', sprach er, 'es im Haus
Mit einem Löwen oder Drachen aus
Als einem zänkischen und bösen Weibe.'
'Im Winkel lieber unterm Dache bleibe
Als mit der Zänkerin', sprach er, 'im Zimmer;
Denn widerspenstig ist ein Weibsbild immer
Und dem, was ihrem Mann gefällt, stets gram.'
(Geoffrey Chaucer: Canterbury-Erzählungen, S. 233)


Der Propfreis

Auch von Latumius hat er mir gesagt,
Der hätte Arrius, seinem Freund, geklagt,
In seinem Garten sei ein Baum zu schauen,
An welchem sich schon drei von seinen Frauen
Erhängt aus lauter Ärger und Verdruß.
'Ach, lieber Bruder', sprach darauf Arrius,
'Gib mir ein Pfopfreis von dem Segensbaum,
In meinem Garten findet er gleich Raum.'
(Geoffrey Chaucer: Canterbury-Erzählungen, S. 232)


Wie ein Brunneneimer

Als sich Arcit genug herumgetrieben
Und ausgesungen seine frohen Lieder,
Da fiel er in ein trübes Sinnen wieder,
Denn so ist es der Verliebten närrisch Brauch:
Bald obenauf, bald tief im Dornenstrauch,
Grad wie ein Brunneneimer ab und auf.
(Geoffrey Chaucer: Canterbury-Erzählungen, S. 87)


Geliebte, Gattin oder?

Übrigens frage ich dich, o Theodor, ob es denn unumgänglich vonnöten, sich jede vorzügliche Dame, mit der man sich in ein vernünmftiges Gespräch eingelassen, als seine Geliebte oder Gattin zu denken?" "Ich meine", erwiderte Theodor, "daß jede Annäherung an ein weibliches Wesen nur dann zu interessieren vermag, wenn man vor dem Gedanken, wenn es die Geliebte oder Gattin wäre, wenigstens nicht erschrickt, und daß, je mehr dieser Gedanke behaglichen Raum findet im Innern, um desto höher jenes Interesse steigt." (E.T.A Hoffmann: Die Serapionsbrüder, S. 215)


Schlafkriechen

In einer seiner Vorlesungen an der New School hatte Gregory Bateson über einen südpazifischen Stamm gesprochen, der das sogenannte Schlafkriechen praktiziert. Der Schlafkriecher, oder 'moetotelo', besucht die Geliebte mitten in der Nacht in der Hütte. Der Stamm, um den es ging, schlief in Strohkörben, um die Moskitos fernzuhalten, und der 'moetotelo' mußte sich in den Korb des Mädchens zwängen und agieren, ohne dabei das geringste Geräusch zu machen. Die ganze Familie schlief in einem Raum, und wenn der 'moetotelo' entdeckt wurde, wurde er schwer verprügelt. (Anatole Broyard: Verrückt nach Kafka. Erinnerungen an Greenwich Village, S. 57)


Das Problem der Ehe

Er gab nicht zu, daß die Konflikte mit seiner Frau ihren Ursprung in der beklemmenden Luft des Hauses hatten, sondern machte dafür die Ehe an sich verantwortlich: eine absurde Erfindung, die nur dank Gottes unendlicher Gnade bestehen konnte. Es widersprach jeder wissenschaftlichen Vernunft, daß zwei, die sich kaum kannten, Personen, die nicht irgendwie miteinander verwandt waren, einen unterschiedlichen Charakter, unterschiedliche Bildung und dazu noch ein anderes Geschlecht hatten, plötzlich dazu verpflichtet waren, zusammenzuleben, im selben Bett zu schlafen und zwei Schicksale gemeinsam zu haben, die sich womöglich noch in unterschiedliche Richtungen entwickelten. Er pflegte zu sagen: "Das Problem der Ehe ist, daß sie jede Nacht nach der Umarmung endet und jeden Morgen vor dem Frühstück wieder neu aufgebaut werden muß." (Gabriel Garcia Marquez: Liebe in den Zeiten der Cholera, S. 292)


Disziplin und Ordnung

Wesselin sorgte durch seine Anwesenheit, die erdhafte Heiterkeit und Disziplin verbreitete, dafür, daß seine Mutter den prinzipiellen Brief von Beatriz gelassen zur Kenntnis nahm. Sie fälschte also die Unterschrift der Freundin, wodurch sich ihre Geldsorgen bald milderten. Windeln- und Wäschewaschen erledigte Laura nach Wesselins erster Mahlzeit, die sechs Uhr in der Früh stattfand. Laura brauchte für die Zeiteinteilung keine Uhr, da ihrem Sohn eine von Natur gegeben war. Kinderaufzucht verlangt strenge, Erwachsenennaturen normalerweise zuwiderlaufende Ordnung. Diese Ordnungsmaschinerie zählt neben erzwungener Seßhaftigkeit zu den Strafen der Mutterschaft. Denn sie versagen das schöpferische Arbeit sehr Zuträgliche, Frauen alltäglich Unmögliche: Improvisation. Besagte Strafen hielt Beatriz den Frauen von Kultur, nicht von Natur zugeordnet. Laura hatte sich Meditation über diese angestammten Zustände aus verhaltensökonomischen Erwägungen untersagt. Auch beim Waschen und ähnlichen Tätigkeiten. Zumal sie wußte, daß Hausarbeit um so länger dauerte, je unkonzentrierter sie erledigt wurde. (Irmtraud Morgner: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, S. 273)


Frauen sind autark

S.M.: Hat nicht Sport überhaupt eine kriegerische Komponente?
Dr.S.: Man bekämpft sie offiziell, indem man seinen völkerverbindenen Geist propagiert, zu Marschmusik. Manche Gewichtheber beschimpfen ihre Gewichte, um sie besser zur Hochstrecke bringen zu können.
S.M.: Ich glaube nicht, daß Frauen ihr Selbstbewußtsein mit der Überzeugung, einen anderen Menschen niedergerungen zu haben, aufbessern können oder müssen. Die Antriebe, sich so beweisen zu wollen, fehlen ihnen vielleicht sogar urspünglich. Frauen sind autarke Systeme.
(Irmtraud Morgner: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, S. 250)


Männliche & weibliche Schachspieler

S.M.: Es gibt relativ gute Schachspielerinnen, keine absolut guten. Wie erklären Sie sich das?
Dr. S.: Nicht nur historisch.
S.M.: In Wissenschaft und Kunst müssen Frauen sich der männlichen Konkurrenz, die als Maßstab empfunden wird, stellen. Warum werden im Schach nach Geschlechtern geschiedene Wettkämpfe ausgetragen?
Dr.S.: Weil eine Frau sich nicht absolut faszinieren kann. Wie Bobby Fischer etwa. Der kennt außer Schach nichts, nicht mal Romanzen. Und man akzeptiert ihn durchaus noch als männlichen Menschen - einen weiblichen Menschen seiner Art würde man als Popanz empfinden. Obgleich dieser weibliche Mensch vom natürlichen Leben eigentlich kaum weiter entfernt wäre als Herr Fischer...
(Irmtraud Morgner: Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura, S. 249)


Bermudadreieck

Ich verstehe Frauen nicht - ich meine, ich verstehe sie noch weniger, als es der Rest meines Geschlechts zu tun scheint. Es gibt Zeiten, da denke ich, dieser Mangel an Verständnis ist die grundlegende Tatsache meines Lebens, ein leerer Bereich des Nichtwissens, der bei anderen ein beleuchteter, gut ausgeschilderter Ort ist. Hier, in mir, in diesem Bermuda-Dreieck der Seele, lösen sich die feinen Unterscheidungen, die eine Voraussetzung moralischer Gesundheit sind, in leere Luft und Stille auf, und man hört nie wieder von ihnen. (John Banville: Athena, S. 62)


Ein perfekter Plan

Diese Samstagsrituale, das Reiswerfen, Hupen, Fotografiertwerden. Das ist etwas für den Mai und gerade noch für den Juni. Wenn die Gäste schon vor der Trauung durchgeschwitzt sind, wird nichts aus den Bildern. Wenn die Brautleute ihren kurzen Traum leben, den man ihnen verkauft hat, wenn sie ihren Freunden und Verwandten gegenüber so tun, als hätten sie sich einen eigenen Lebensplan ausgedacht, dann soll es auch wirklich perfekt sein. Dann muß das Wetter stimmen und auch der Pastor sollte nett aussehen. (Gregor Hens: Himmelssturz, S. 22)


Was plötzlich trennt...

Ich erkannte, wie sehr im Zusammenleben alles eine Frage des Blickwinkels ist: Die gleiche Geste kann ärgern oder rühren, je nachdem ob man nach einem Grund sucht, mit jemandem zu leben oder jemanden zu verlassen. Fortan brachte mich alles an Sydney auf die Palme. Aus verschiedenen Gründen hätte er mich mittlerweile ganz gerne geheiratet, aber inzwischen war mir jegliche Lust dazu vergangen. Schon der Gedanke, in meinem Alter plötzlich einen amerikanischen Namen zu tragen! Und dann die Sache mit der Fürsorge im Alter, die als Superpack mit der Institution Ehe verkauft wurde... Dabei war Sydney noch nie so zärtlich, noch nie so besorgt gewesen. Man geht als Paar selten im selbstverständlichen Gleichschritt! Manchmal genügt ein grausames Detail, und man entdeckt eines Tages, daß alles zu Ende ist. Für mich geschah das eines Abends, als Sydney mir nach der Liebe in die Augen sah und voller Dankbarkeit sagte: "Welche Zärtlichkeit ich in deinem Blick lese!" In Wirklichkeit hatte ich die ganze Zeit an ein Paar Schuhe gedacht, die ich am Tag zuvor in einem Schaufenster gesehen und dummerweise nicht gekauft hatte. Ich hatte gerade beschlossen, sie mir nachher zu holen, sobald ich, ohne die Regeln der Schicklichkeit zu verletzen, dieses Bett würde verlassen können! (Benoite Groult: Salz auf unserer Haut, S. 259)


Schwiegermutter

Sie benahm sich, als hätte es Zeiten gegeben, da sie Köpfe verdreht hatte, und als erwartete sie, daß andere sich dessen bewußt waren. Ich hab sie mir während dieser Teestunde immer wieder angeschaut. Nicht bloß aus höflicher Aufmerksamkeit, ich wollte auch sehen, was mal aus Gillian würde. Das soll ja ein Schlüsselmoment sein, nicht wahr? Wenn man die Mutter seiner Frau zum ersten Mal sieht. Da soll man sich entweder eilends aus dem Staub machen, oder aber glücklich zurücksinken lassen. (Julian Barnes: Darüber reden, S. 58)


Zum Leben konvertiert

Die Gattung mit ihrem dumpfen Drang nach Fortpflanzung. Es war noch gar nicht lange her, daß er sich auf Stehpartys stark gemacht hatte für den Boykott der Sippe mit ihrem Brut- und Ausbreitungswahn, um unter dem Nicken von schlaksigen Mittdreißigern in Knitterjacketts und italienischen Schuhen das Leben als Ornament zu loben, selbstzweckhaft, frei und folgenlos, abseits der Evolution und genetischer Kollateralschäden. Christian grinste, als hätte er sich damals schon nicht recht geglaubt. Er paßt seine Philosophie seinen Bedürfnissen an und nicht seine Bedürfnisse seiner Philosophie. Er hatte es sich anders überlegt. Er war zum Leben konvertiert. Eine Tochter - noch nie war ihm ein Traum so sehr zur Gewißtheit geworden, nie ging von einem Wunsch solch eine Wärme aus. (John von Düffel: Houwelandt, S. 134)


Kinderwünsche

Er hatte immer gedacht, wenn er einer Frau anbieten würde, mit ihm eine Familie zu gründen, dann gäbe es darauf keine andere Antwort als Ja. Er hatte seit seiner Geschlechtsreife in der festen Überzeugung gelebt, von Frauen mit mehr oder weniger dringlichen Kinderwünschen umgeben zu sein. Und er hatte geglaubt, seine bisherige Kinderlosigkeit sei einzig und allein seinem diplomatischen Geschick als Mann und Liebhaber zu verdanken, einem Arsenal von Themenvermeidungsstrategien und Hinhaltetaktiken, mit denen er sich der Fortpflanzungswut der Gattung und der Gene entzog. (John von Düffel: Houwelandt, S. 35)


Endlich Sorge tragen

Christian kannte die Zeugungsgelüste und Fortpflanzungsphantasien, mit denen die Evolution den modernen Menschen bei der Stange hielt: Man war bei Bekannten zu Besuch, die ein niedliches Baby hatten, das nicht schrie und die ganze Nacht durchschlief - schwupp, wollte man auch so eins. Man sah ein Pärchen auf einer Bank im Park mit einem Säugling auf dem Schoß, schon wollte man hineinschlüpfen in dieses Bild der Dreieinigkeit, das sie verkörperten, wollte ein Teil davon sein. Aber das war es nicht, es war nicht leichtfertig von ihm. Christian hatte sich gründlich geprüft. Er hatte die List der Natur, die dem einzelnen die Erfüllung seiner Wünsche vorgaukelt, um ihn für den Fortbestand der Gattung einzuspannen, seinerseits oft genug ausgetrickst. Wenn es nur darum gegangen wäre, endlich mit der Modelleisenbahn spielen zu dürfen, die er als Kind nie bekommen hatte, hätte er nichts gesagt. Doch er war es müde, an sich zu denken. Er hatte es satt, immer nur sein eigenes Leben zu sehen. Er wollte für eine Familie sorgen, mit all den Opfern und Einschränkungen, die das mit sich brachte. Er wollte raus aus dem eitlen Spiel der Ich-Beliebigkeiten und endlich Verantwortung übernehmen, eine bleibende, zwingende, unabweisliche Verantwortung. Er wollte sich kümmern um Ricarda und das Kind. (John von Düffel: Houwelandt) ^


Ritual, Litanei, Spiel

Sex (...) hat mit dem Austarieren zweiter Körper zu tun, Sex ist ein Ritual oder ein Spiel, eine Nummernfolge, ein Plan, eine Litanei, Sex vollzieht sich in Wiederholungen und Steigerungen, meist inszeniert sich ein Körper vor den Augen des anderen, bis dann der andere anspringt auf genau diese Rolle, die Einheit spielt beim Sex nur eine kurze und untergeordnete Rolle, obwohl gerade von ihr so geschwärmt wird. (Hanns-Josef Ortheil: Die grosse Liebe) ^


In der Warteschleife

Mit siebzehn hatte ich mich zum ersten Mal richtig verliebt, es war eine Schulbekanntschaft gewesen, Nora, den Nachnamen habe ich vergessen, wahrscheinlich aus Notwehr. Ich liebte Nora mit jener Geduld, mit der Jungen Mädchen damals gerade noch liebten, ich war zurückhaltend, vorsichtig, ein guter Begleiter, Nora schätzte das sehr, wir waren beinahe ununterbrochen zusammen, ein, wie unsere Eltern sagten, sehr liebes Paar. Allerdings hatten wir keinen Sex, wir hatten ihn zwar im Kopf, praktizierten ihn aber nicht, wir waren ein Paar in der Warte- und Orientierungsschleife, das es nur noch für eine Frage von wenigen Wochen hielt, bis es soweit sein würde. (Hanns-Josef Ortheil: Die grosse Liebe) ^


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